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  • Lahmann-Koller

    Damit der geneigten Leserschaft nicht allzu langweilig wird, sei hier, quasi als Pausenunterhaltung, auf einen Text verwiesen, der in Sachen medizinische Rehabiliationsmaßnahmen weiterhin als der maßgebliche Text zum Thema gelten muss:

    Kreuzworträtsel mit Gewalt.

    Dieser Text beantwortet sehr überzeugend das Hauptproblem einer jeder Kur:

    Ich absolvierte täglich ein längeres Zirkusprogramm, von morgens um sieben bis mittags um halb eins. Der Turnlehrer; die Wiegeschwester; der Bademeister; der Masseur; der Assistenzarzt; die Zimmerschwester ... sie alle waren emsig um mich bemüht. Ich kam mir recht krank vor, und wenn ich mir krank vorkam, dann schnauzten sie mich an, was mir wohl einfiele – es ginge mir schon viel, viel besser. Was war da zu machen?

    Was war vor allem an den langen Nachmittagen zu machen, die etwa acht- bis neunmal so lang waren wie die reichlich gefüllten Vormittage?

    Wer nicht lesen möchte, sondern lieber hören:

    Und ich versuche dann mal in den nächsten Wochen einen Lahmann-Koller zu vermeiden... ;)

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  • Pause (3)

    Liebe geneigte Leserschaft,

    dieser Blog geht in die Sommerpause. Ich vermag noch nicht zu sagen, wann die Piemont-Kirschen wieder pflück- und verarbeitungsbereit, bin aber zuversichtlich, dass es auch dieses Mal eine Rückkehr geben wird.

    Bis dahin: Musik.

  • Ich kann ja auch nichts dafür: #Lesefreude zum Welttag des Buches

    UPDATE:
    Die Losfee hat gesprochen und die Gewinner_innen wurden ermittelt. Sie stehen jeweils unter den Preisen.
    Vielen Dank an alle fürs Mitmachen und den Gewinner_innen viel Vergnügen mit der neuen Lektüre.
    Für alle, die dieses Mal leer ausgingen oder aus anderen Gründen Nachholbedarf haben: Signierte Bücher von Jan-Uwe Fitz können auch käuflich erworben werden. In diesem Falle bitte hier entlang. ;)

    Die wunderbare Aktion Blogger schenken Lesefreude geht in diesem Jahr in die zweite Runde, wahrscheinlich mit noch weit mehr Teilnehmenden, auf jeden Fall aber mit weit mehr Aufmerksamkeit als im Vorjahr. Inzwischen sind auch die ersten Verlage darauf aufmerksam geworden und das ist sehr schön. Warum ich diese Aktion so großartig finde, schrieb ich bereits vor einem Jahr ausführlich, kurz lässt es sich zusammenfassen mit:
    Lasst uns Leser diesen Tag zurückerorbern.

    Doch kommen wir zu dem, was die geneigte Leserschaft heute wohl besonders interessiert. Heute verlose ich ein signiertes Exemplar des Buches Wenn ich was kann, dann nichts dafür des ganz großartigen Jan-Uwe Fitz.

    Cover Fitz Wenn ich was kann

    Auf Jan-Uwe Fitz, genauer auf seinen Blog, stieß ich vor ca. 5-6 Jahren, was in Internet-Zeit wohl einem halbem Menschenleben entsprechen dürfte. Dementsprechend sei auch erklärt, dass der Blog natürlich ganz anders aussah – wir hatten ja damals nichts, noch nicht einmal abgerundete Kacheln, man macht sich ja keine Vorstellungen.
    Während ich an diesem Beitrag hier schreibe, versuche ich mich übrigens krampfhaft zu erinnern, wie ich eigentlich auf seinen Blog stieß, ich bin mir recht sicher, nicht nach Taubenvergrämern gegoogelt zu haben – wer weiß.
    Woran ich mich aber genau erinnere, das ist meine unmittelbare Begeisterung für die Texte dieses Blogs, in deren Mittelpunkt die Erlebnisse eines mehr oder weniger (mehr weniger als mehr) erfolgreichen Taubenvergrämers standen, der zufällig genauso hieß wie der Autor.
    Diese Erlebnisse skurril zu nennen, wäre schon eine sanfte Untertreibung. Da tauchen Tauben an den unmöglichsten Stellen auf, ergeben sich absurde Dialoge, bekommen Geschichten statt eines Endpunktes einen weiteren Dreh und überhaupt geht es eigentlich nie so weiter wie man es nach hergebrachten Erzählregeln erwartet hätte.

    Am einfachsten lässt sich dies vielleicht nachvollziehen, hört man mal in seine Kurz-Hörspiele hinein. Ich jedenfalls lese alle Fitz-Texte immer mit seiner Stimme im Kopf. ;)

    Wieder da?

    Sehr schön.
    Vielleicht kann ja nun der eine oder andere in der geneigten Leserschaft nachvollziehen, weshalb ich seinerzeit reagieren musste, als es im Blog hieß, der Autor habe schon alle Klinken des deutschen Verlagswesens geputzt, aber niemand wolle ihn drucken. Ich wies darauf hin, dass er meine (allerdings ja auch leicht zu übersehende) Klinke, keineswegs geputzt habe. Und auch wenn am Ende dann doch die größeren Namen gewonnen haben: Für ein Leseheft hat es immerhin gereicht - und das dürfte denn auch das korrekte Verhältnis in Sachen Marktmacht repräsentieren. ;)

    In Wenn ich was kann, dann nichts dafür also erzählt Jan-Uwe Fitz also vom Leben eines Taubenvergrämers, der aus einem hoffnungslos taubenfreien Bergdorf in die hoffnungslos taubenvolle Großstadt zieht, um dort, nun ja, sein Glück zu finden. Logischerweise findet er aber vorwiegend Tauben, die ihm das Leben mit ihrer Ignoranz seinen Vergrämversuchen gegenüber nicht eben leicht machen. Da der Protagonist es nicht nur mit Tauben, sondern auch mit Menschen schwer hat, liegt auf der Hand, dass es im Laufe der Geschichte zu erheblichen Verwicklungen kommt.

    Es empfiehlt sich für die genussvolle Lektüre mithin durchaus eine Schwäche für absurde Literatur, für Literatur, die zudem nicht unbedingt erklären wird, was die Welt im Innersten zusammenhält.

    Auch wenn ich, soweit möchte ich mich aus dem Fenster lehnen, davor warnen möchte, dieses Buch gar zu schnell und gar zu leicht als Unterhaltungslektüre abzustempeln (mir scheint es im Übrigen durchaus kulturelle Besonderheit dieses Kulturkreises zu sein, eine solche Bezeichnung pejorativ zu verwenden).

    Ich jedenfalls habe in diesem Buch weit mehr gefunden als nur groteske Situationen, absurde Szenen und überzeichnete Charaktere. Mir scheint da durchaus mehr darin zu stecken. Aber das mag an mir liegen und ich bin mir nicht sicher, ob ich dort nicht Dinge hineinprojiziere, die dort gar nicht hingehören, insofern mag ein jeder sich seine eigene Lektüreerfahrung bilden.

    Und damit dies um so leichter wird, verlose ich unter allen, die diesen Beitrag bis einschließlich 30. April kommentieren:

    1. Preis
    Das Jan-Uwe Fitz-Paket.
    Bestehend aus: Je einem signierten Exemplar von Wenn ich was kann, dann nichts dafür, Entschuldigen Sie meine Störung. Außerdem ein Exemplar von Der Unerträgliche, Teil 1.
    Gewonnen hat: Anne Kruggel

    2. Preis
    Das signierte Buch.
    Ein signiertes Exemplar von Wenn ich was kann, dann nichts dafür. Außerdem ein Exemplar von Der Unerträgliche, Teil 1.
    Gewonnen hat: Svea

    3. bis 10. Preis
    Der Einstiegstext.
    Je ein Exemplar von Der Unerträgliche, Teil 1.
    Gewonnen haben:

    • Franzi C
    • Petra Molitor
    • Sabine K
    • Marissa Conrady
    • Mone P
    • Christine Frank
    • Birgit Swapping Howdies
    • Ansgr

    Die Gewinner_innen wurden per eMail benachrichtigt.

    Die Regeln:
    Es sind leider nur Teilnehmer_innen aus Deutschland zugelassen. Beim Versand ins Ausland übersteigen die Kosten sehr schnell mein Budget...
    Desweiteren sind leider nur Teilnehmer_innen zugelassen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben.
    Die oben beschriebenen Preise werden unter allen Kommentator_innen verlost, die diesen Beitrag bis einschließlich 30. April 2014 kommentieren. Die Auslosung erfolgt im Zeitraum 01.-03. Mai 2014. Die Gewinner_innen werden im Blog per Kommentar bekannt gegeben. Darüberhinaus werden die Gewinner_innen per Email kontaktiert. Die Angabe einer korrekten Email ist mithin Voraussetzung für einen Gewinn. Sollte eine Gewinner_in keine korrekte Email-Adresse angegeben haben oder auf die Gewinnbenachrichtigung nicht binnen einer Woche reagieren, verfällt der Gewinn. Erst mit der Gewinnbenachrichtigung wird die Angabe der Versandadresse notwendig, also bitte keine Adressen in die Kommentare schreiben. ;)

    Die im Rahmen dieses Gewinnspiels von mir gewonnenen Daten werden ausschließlich für dieses Gewinn spiel verwendet. Im Übrigen gilt die Datenschutzerklärung von blog.de. Auf die von blog.de erhobenen Daten habe ich keinerlei Einfluss.

    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

    Nun denn, ich wünsche viel Glück.

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  • #Lesefreude, der Welttag des Buches und Decca - Nachtrag

    Bereits morgen ist es schon soweit:
    Die wunderbare Aktion »Blogger schenken Lesefreude« (die ich im Vorjahr bereits vorstellte) geht in die zweite Runde.
    Morgen wird dann Jan-Uwe Fitz mit diesem Buch ganz im Mittelpunkt stehen. Morgen, wie gesagt. Zunächst aber gilt es, noch etwas zum Vorjahr nachzutragen.

    Im vorigen Jahr stand nämlich Frank Fischer im Mittelpunkt der Aktion hier - und das hatte seine Gründe. Wie ich seinerzeit schrieb, trafen wir aus monetären Gründen die Entscheidung, seine »Südharzreise« nicht zu verlegen. Eine Entscheidung, an der ich auch sechs Jahre später noch knabbere.

    Durch verschiedene diesbezügliche Erfahrungen dazu ermutigt, trug ich mich allerdings bereits seit längerer Zeit mit dem Gedanken, wenn ich denn schon das Original verpasst habe, dann doch zumindest ein Hörbuch dazu zu bringen. Im Rahmen einer Konfrontationstherapie also dieses Trauma loszuwerden. Und auch wenn es ein wenig den Eindruck macht, als würde Decca eine Platte mit Beatles-Songs gespielt vom London Philharmonic Orchestra veröffentlichen: Als sich im Vorfeld der Leipziger Buchmesse 2014 die Möglichkeit ergab, am Messesonntag eine Veranstaltung im Café Telegraph durchzuführen, erschien mir dies der entscheidende Impuls, diesen Gedanken umgehend in die Tat umzusetzen. Da sich die erforderlichen organisatorischen Voraussetzungen erst im Februar ergaben, war glücklicherweise nicht genügend Zeit, diesen Entschluss noch einmal zu überdenken und innert eines knappen Monats war die Lesung aufgenommen, das Hörbuch veröffentlicht und in einer rauschenden Premiere präsentiert.

    Mir scheint, dass der schnelle Entschluss und die die nicht minder rasante Umsetzung recht gut zum Text und seiner Entstehung passt.

    Wer sich vom Ergebnis überzeugen (oder abstoßen) lassen möchte, der sei auf die ensprechende Verlagsseite verwiesen.

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  • Singt von Hoffnung

    Der erste Weltkrieg gilt, durchaus nicht zu Unrecht, als »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«. Dieses Schlagwort allerdings suggeriert in der allgemeinen Wahrnehmung leicht, dieser Krieg mit all seinen Ausmaßen wäre über die heile Welt des »langen 19. Jahrhunderts« hereingebrochen.

    Dem ist freilich nicht so, wie jedes historisches Ereignis hat auch der erste Weltkrieg eine lange Vorgeschichte und ist letzlich auch nur das Ergebnis eines langen Prozesses.

    Ein Konflikt, der bereits 60 Jahre vor dem Ausbruch des Weltkrieges Pate stand, war der Krimkrieg.

    Ich würde an dieser Stelle gerne einen elaborierten Text darüber schreiben, warum und wieso die Krim erneut in den Mittelpunkt eines eurasischen Krieges geraten könnte - und warum das nicht geschehen wird.

    Kann ich aber nicht. Zum einen, weil mir die Kenntnisse fehlen (ich bin nicht in der Lage, in dieser undurchsichtigen Gemengelage zu einer klaren Analyse zu kommen und traue denen, die das von sich behaupten nicht, da mir gleichzeitig die Kenntnisse fehlen, um Quellen zu überprüfen*) und zum anderen, weil ich einigermaßen paralysiert bin.

    Ich habe Angst vor dem, was dort noch kommen mag. Das macht mich etwas hilf-, rat- und sprachlos.

    So bleibt mir vorerst nur zu hoffen. Zu hoffen, dass der Traum mancher Träumer doch kein Traum bleibt.

    »Imagine there's no countries
    It isn't hard to do
    Nothing to kill or die for
    And no religion too
    Imagine all the people living life in peace.«

    Was damit zusammenhängen könnte, dass ich im Russisch-Unterricht seinerzeit den Fokus eher auf die Verbesserung meiner Doppelkopf-Qualitäten als auf die Verbesserung meiner Russisch-Kenntnisse legte). So ist das mit den Prioritäten....

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  • Verletzte Gefühle, unbeabsichtigt

    »Politiker_innen wollen gar nicht (mehr) gestalten, sie wollen nur wiedergewählt werden.«
    Das ist ein Allgemeinplatz und wie jede Pauschalisierung mit äußerster Vorsicht zu genießen, auch wenn ich tatsächlich dazu neige, mich von einer empirischen Bestätigung dieser Aussage nicht überraschen zu lassen. Ein gewisser Grad an Diskursverweigerung freilich scheint durchaus zum Standardverhalten aktiver Politiker_innen zu gehören. Kann man nahezu täglich in einer beliebigen »politischen Talkshow« beobachten - oder beim öffentlichen Ritual »Entschuldigen«, das ähnlich ritualisiert ist wie »Trauern« und »Gedenken«.
    Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass diese Verhaltensweisen keineswegs auf Politiker_innen beschränkt sind, sondern selbstverständlich von allen Teilnehmer_innen des gesellschaftlichen Diskurses gepflegt werden.

    Antje Schrupp schreibt dazu:

    Immer wenn ich eine solche „Entschuldigung“ lese, werde ich fast noch ärgerlicher als über den ursprünglichen Sachverhalt. Denn der Verweis auf die angeblich verletzten Gefühle der Kritiker_innen ist keineswegs ein Entgegenkommen, wie es den Anschein erweckt, sondern ganz im Gegenteil die Verweigerung einer ernsthaften Auseinandersetzung. Es wird nämlich so getan, als sei der Grund für die Kritik die subjektive Befindlichkeit derjenigen, die die Kritik vorbringen. So als seien sie irgendwie besonders empfindlich. Großmütig ist man dann bereit, auf diese zart besaiteten Menschen Rücksicht zu nehmen – und konstruiert nebenbei eine Opfergruppe, der man dann gönnerhaft ein bisschen entgegen kommt.

    Bei der Kritik an gesellschaftlichen Missständen wie Sexismus oder Rassismus geht es aber nicht um verletzte Gefühle oder „Betroffenheit“ – auch wenn Sexismus oder Rassismus zweifellos Gefühle von Menschen verletzen – sondern um eine Analyse von Strukturen. Wenn ich kritisiere, dass in Werbevideos Gewalt gegen Frauen verharmlosend dargestellt wird, oder wenn ich gegen die Darstellung von Frauen als sexualisierte willenlose Wesen protestiere, dann nicht weil „meine Gefühle als Frau“ dadurch verletzt würden. Sondern weil ich solche kulturellen Muster für schädlich halte – und zwar nicht nur für mich oder für die „Betroffenen“, sondern generell und für alle.

    Alles, was dem noch hinzuzufügen wäre, findet sich im ganzen Beitrag, den ich an dieser Stelle zu lesen empfehle.

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  • Der neue Sarrazin

    Thilo Sarrazin, Treuhandmanager, Bahnvorstand, Finanzsenator und zuletzt Vorstandsmitglied der Bundesbank, vor allem aber: professioneller Falsch- und Unverstandener, hat ein neues Buch vorgelegt.
    Wahrscheinlich wird sich auch dieses wieder hervorragend verkaufen und wahrscheinlich wird er auch dieses Mal wieder auf unzähligen gut besuchten Pressekonferenzen erzählen, wie sehr er in seiner freien Meinungsäußerung unterdrückt wird.
    Für all jene, die noch zögern, ob sich eine Beschäftigung mit seinem neuen Werk lohnt, sei auf diese ausführliche, erschöpfende und das Für und Wider angemessen würdigende Vorabrezension hingewiesen:

    Graphitti-Blog

    (via Graphitti-Blog)

  • Noch immer: War Is Over (If You Want It)

    »So this is Christmas / And what have we done?
    Another year over / and a new one just begun.«

    In der Tat, es ist ein weiteres Jahr vergangen und erneut darf ein jeder in sich gehen und grübeln, was er oder sie im letzten Jahr so getrieben hat. Für heute möchte ich aber die geneigte Leserschaft in ihrer besinnlichen Stimmung das Weihnachtsfest genießen lassen.

    And so this is Christmas
    For weak and for strong
    For rich and the poor ones
    The world is so wrong
    And so Happy Christmas
    For black and for white
    For yellow and red ones
    Let's stop all the fight

    Den kompletten Text gibt es hier.

    Ich wünsche der geneigten Leserschaft eine besinnliche Weihnachtszeit.

  • Eckart von Hirschhausen: Arzt-Deutsch Deutsch-Arzt

    Hirschhausen Cover

    Beim noch immer zu empfehlenden Projekt Blogg Dein Buch erhielt ich dieses Mal einen Band aus der schon seit einigen Jahren bestehenden Langenscheidt-Pseudowörterbuch-Reihe. Für die wenigen in der geneigten leserschaft, die die Reihe noch nicht kennen: Wenn ich mich recht entsinne, begann die Reihe vor ca. 10 Jahren mit »Frau-Deutsch, Deutsch-Frau«, seinerzeit als Abfallprodukt der Programme des damals noch keine Stadien füllenden Mario Barth und überraschend erfolgreich. Seitdem hat sich die Reihe durchaus gemausert und es entstehen gelegentlich Bände, die ich durchaus für bestimmte Zielgruppen empfehlen würde. Maybritt Illners 2007er Band »Politiker-Deutsch, Deutsch-Politiker« war zwar stark von der Perspektive einer politischen Journalistin geprägt und dementsprechend an einigen Stellen durchaus zu hinterfragen, bot aber einen ernstzunehmenden Einstieg in die politische Welt für all jene, die sich bisher tatsächlich eher nicht damit beschäftigt hatten. Kurzweilig vermitteltes Grundwissen - das scheint mir auch die Richtung zu sein, in die Langenscheidt diese Buchreihe seitdem weiterentwickelte.
    Der Hirschhausen-Band erschien zuerst 2007, die heute vorgestellte Auflage ist eine in diesem Jahr erschienene Sonderausgabe. Menschen, die ihn bereits kennen, werden kaum überrascht werden vom Inhalt, er präsentiert sich hier ebenso routiniert wie Cartoonist Erich Rauschenbach, der wohl auch hinlänglich bekannt sein dürfte.
    Womit ich freilich das Buch nicht abwerten möchte, ganz im Gegenteil, ich mag die Reihe, wie eben schon angedeutet, grundsätzlich sehr gut leiden und Hirschhausen bleibt bei allen Wortspielereien und Kalauern durchaus erntzunehmender Ratgeber. Es mag sein, dass Hinweise wie »Obst hilft gegen Obst-ipation.« (S. 83) nicht jedermanns Humorzentrum treffen, aber es ist eingängig. Wenn auch zugegebenermaßen enervierend, wenn man das Buch in einem Rutsch lesen möchte. Nichtsdestotrotz sind Abschnitte wie dieser:

    Bronchialkarzinom
    Lungenkrebs. Ja, Onkel Horst hat immer geraucht und ist nicht am Lungenkrebs gestorben, sondern am Autounfall, als er sich bei Tempo 180 eine anzünden wollte. Fakt bleibt: Neun von zehn Lungenkrebspatienten sind Raucher, die sich oft gesagt haben: »Ich kann ja aufhören wenn ich was spüre!«
    Dazu eine frohe Botschaft: Liebe Raucher, wenn Ihr was spürt, könnt Ihr auch weiterrauchen!«

    (S. 82)

    wahrscheinlich wirksamer als jede Krawall-Kampagne der BZgA.

    Auf diese Weise geht Hirschhausen alle medizinischen Bereiche durch, mit denen man als Patient für gewöhnlich so konfrontiert wird und vermittelt dabei knapp, komprimiert und pointiert Grundlagen und Anektoktodisches zu Fachärzten, Untersuchungen, Krankenhäusern etc., immer auch mit durchaus nützlichen Seitenhieben auf berufsgruppenspezifische Befindlichkeiten. Das ist durchaus kurzweilig und ich rechne es ihm positiv an, dass er an keiner Stelle mit seiner Position hinterm Berg hält, etwa, wenn er zu »Wellness« meint:

    Ursprünglich ein ganzheitliches Konzept aus den USA mit Selbstverantwortung und aktivem Stressmanagement ist Wellness inzwischen zum Schlagwort eines sehr aktiven Industriezweiges verkommen, der passive Entspannung und gezielte Flüssigkeitsverluste verkauft. Wobei man allein schon durch die unüberschaubare Vielzahl der Behandlungstermine und Optionen in einem Wellnesshotel ins Schwitzen kommt. Dabei geht es hauptsächlich um seenzielle Fragen wie: Erst entspannen, dann relaxen oder besser andersherum?

    MERKE: Jedes Hotel, das fließend Wasser hat, bietet inzwischen Wellness an. Um dieser Begriffsinflation zu entgehen, bezeichnen sich die elitären Anbieter gerne auch als Spa. Lateinisch für »sanitas per aquam«, Gesundheit durch Wasser. Sozusagen Weichspüler für den Geist.«

    (S. 156)

    Und auch seine immer wieder auftauchenden Hinweise, die schließlich in einem Plädoyer auf den letzten Seiten kulminieren, als Patient selbstbewusst aufzutreten und nicht nur auf den Arzt, sondern eben auch auf sich zu hören, Signale des eigenen Körpers ernstzunehmen, Fragen zu stellen, wo etwas unverständlich ist, den Arzt eben als kompetenten Partner und nicht als gehorsamfordernden Gott aufzufassen, zeigen, dass es dem Autor durchaus um mehr geht als um billige Witze auf Kosten eines oder mehrerer Berufsstände. Und das macht für mich die eigentliche Qualität des Buches aus.

    Wer sich gerne noch einen eigenen Eindruck verschaffen möchte, sei auf die Seite des Verlages verwiesen, wo das Buch auch zu bestellen ist.

    Was aber natürlich ebenso beim von diesem Blog bevorzugten Buchhändler möglich ist.

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  • Das Buch zum Sonntag (113)

    Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:

    Elisabeth Rank: Bist Du noch wach?

    [...] alles andere nahm er immer hin, auch Zahnärzte und rohe Zwiebeln und wenn er mit dem Zehl gegen die Tür donnerte. Konrad beschwerte sich nicht, sondern sagte jedes Mal, man müsse bestimmte Dinge halt machen, also könne man sich beschweren oder es eben lassen und es einfach machen, und jedes Mal, wenn Konrad das sagt, wurde ich wütend, weil ich glaubte, dass jeder ein Recht habe auf einen schlechten Tag und vor allen Dingen auch auf eine ordentliche Beschwerde, ma könne doch nicht einfach klaglos den Mund öffnen und sich Geräte in den Mund schieben lassen, man dürfe wenigstens einmal sagen, dass das kein schönes Gefühl sei und man lieber auf einer Dachterrasse säße mit einem Eistee und in netter Begleitung anstatt auf einer Liege und mit Gummihandschuhen im Mund und Menschen, denen das Mitleid ausgegangen war, weil sie das jeden Tag machten, weil sie damit Geld verdienten, man konnte kein Mitleid haben mit Menschen, die einem die Miete bezahlten und das Cordon bleu.

    (S. 164)**

    Es ist mit dem Erwachsenwerden ganz offenbar so eine Sache. Die zeitgenössische Literatur beschäftigt sich auffallend intensiv mit damit. Daher soll es in dieser und den nächsten Folgen dieser zu einer äußerst losen Empfehlungsreihe mutierten Serie um Bücher gehen, die sich ganz unterschiedlichen Aspekten des Erwachsenwerdens widmen.
    Elisabeth Ranks ProtagonistInnen sind dabei keine Teenager auf der Suche nach den Grenzen, die ihnen die Gesellschaft setzt, sondern es handelt sich um junge Menschen um die 30, bei denen Rebellion als Abgrenzung kein Thema mehr ist. Auf der Suche nach einem Lebensentwurf sind sie aber trotzdem - und das ist ein wichtiger Aspekt des Erwachsenseins, wie ich finde.
    Eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder frei wählen lassen möchte, welche Lebensziele sie zu verfolgen wünschen, erhebt damit allerdings auch gleichzeitig erhebliche Ansprüche - denn dann musse in jede/r auch selbst entscheiden. Wir haben derartig viele Lebensentwürfe im Angebot, dass es tatsächlich eine erhebliche Leistung ist, überhaupt erst einmal herauszufinden, welcher zu uns passt - von den Schwierigkeiten, ihn dann auch noch umzusetzen gar nicht zu reden. Mit dieser Anforderung gehen Menschen naturgemäß sehr unterschiedlich um*. Das reicht von schierer Resignation bis zur kurzentschlossenen, pragmatischen Entscheidung.
    Bei Frau Rank begegnen wir also einer Protagonistin, die auf der Suche ist. Sie stellt sich permanent in Frage, lässt sich von ihrer Familie ebenso beeindrucken wie von ihren Mitbewohnern oder KollegInnen. Alle treffen sie einen Nerv ihrer Seele, eine Saite, die zu klingen beginnt und es fällt ihr schwer, eine Melodie zu finden, die sie spielen könnte. Stattdessen wird dort eher unkoordiniert herumgezupft. Mich hat Rea einige Male ganz erheblich geärgert, ich wollte ihr zurufen, »Mensch, Mädel, nun komm mal klar, entscheide Dich endlich einmal für irgendetwas.« Wäre das meine Tochter, sie hätte sich etwas anhören dürfen (à la »Verlaufen ist möglich, aber auch nur, wenn man auch ein Ziel hat. Wer hin und her läuft, verirrt sich nicht, kommt aber auch nicht vorwärts.«).
    Was aber Elisbath Rank hervorragend gelingt, worin ihre ganz große Stärke besteht, das ist ihre sehr feinfühlige Figurengestaltung - ich kaufe ihr die Rea ab. Ich halte sie für eine sehr glaubwürdige Figur, ja sogar für eine höchst realistische. Was denn ja auch einiges über meine Wahrnehmung der Welt da draußen aussagen mag.
    Diese Suche nach dem, was richtig ist, ihre leichte Verletzbarkeit, die schon durch Kleinigkeiten aus dem Gleichgewicht zu bringende innere Balance, eine permanente Angst vor Zurückweisung - das ist schon sehr überzeugend dargestellt. Und so sehr mich die eine oder andere Eigenschaft dieser doch eigentlich längst im Leben stehenden jungen Frau furchtbar gerärgert hat - sie ist mir nicht egal. Ich habe doch trotzdem mit Rea mitgefühlt und gelitten, denn ihre Fragen, ihr Suchen sind deswegen ja nicht weniger existentiell.
    Und wenn es so ist, was ich tatsächlich glaube, dass ein großer Teil der Menschen dieses Alters sich solchen Fragen stellt - dann wird die Lektüre von Elisbath Rank geradezu zur Bürgerpflicht, denn dann müssen wir etwas tun. Egal, wie sehr wir unsere Lebensspanne verlängern: Dreißigjährige, die ziellos durchs Leben wanken - das ist nicht gut.
    Wer ddieser Bürgerpflicht nachkommen möchte, sei auf die

    lieferbaren Ausgaben

    verwiesen.

    Mir jedenfalls hat dieser Roman Einblick in eine Gefühls- und Lebenswelt geboten, die mir einigermaßen fremd war - und es ist allein Frau Ranks Talent zu verdanken, dass ich nicht nach 10 Seiten genervt das Buch zur Seit legte, um einen kräftigen Schluck Sartre als Gegengift zu mir nehmen. ;)

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    * »So wie alle Lebewesen, jedes nach seinen Fähigkeiten.« Man kann bei Star Trek ja so viel lernen. ;)
    ** zitiert aus: Rank, Elisabeth: Bist Du noch wach? Berlin Verlag. München 2013.

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