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<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom"><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-05-23:/</id><title>Gachmurets Notizblog</title><link rel="self" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/feed/atom/posts/"/><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/"/><subtitle>unsortierte Gedanken ohne ausreichende empirische Datenbasis</subtitle><generator version="1.0">MokoFeed</generator><updated>2013-05-23T22:43:49+02:00</updated><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-05-23:/2013/05/23/tut-revolution-weiss-genau-partei-kommt-16049288/</id><title>Man tut was für die Revolution und weiß genau: Mit dieser Partei kommt sie nicht.</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/05/23/tut-revolution-weiss-genau-partei-kommt-16049288/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-05-23T21:36:20+02:00</published><updated>2013-05-23T21:41:04+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Das Zitat des Tages stammt vom Hausheiligen dieses Blogs:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;»Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.« &lt;/blockquote&gt;
(Kurt Tucholsky, »Schnipsel«, 1932)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich wollte freundlicheres schreiben, aber ich war unglücklicherweise heute in Leipzig - wo Passanten angeraunzt und zur Seite gestoßen werden, damit die Damen und Herren Ehrengäste aber auch ja ungestört im Gewandhaus sich bejubeln können, während die doofen Proleten auf dem Markt mit Massenware und Bildschirmübertragung abgefertigt werden.&lt;br&gt;
Aber gut, was will man machen, Herr Steinbrück hat ja seinen besten Arbeiterkumpel auch seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wir leben in einer zunehmend deindustrialisierten Welt, die Arbeiter-Attitüde macht also eh keinen Sinn mehr und »Wann wir schreiten Seit an Seit« wirkt nur noch albern. Und dass diese Partei irgendwelche Interessen außer den eigenen vertritt, glaube ich schon lange nicht mehr. Es mag dies auch für andere gelten, aber wer mit fetten Limousinen zum bourgeoisiesten Saal der Stadt fährt, um schön abgeschirmt sich selbst zu feiern - der kann mir mit sozialer Attitüde gestohlen bleiben. Da sind mir andere Vereine lieber, die machen wenigstens keinen Hehl daraus, dass sie sich für was besseres halten.&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;»Jenosse«, sahre ick, »woso wählst du eijentlich SPD –?« Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl! »Donnerwetter«, sacht er, »nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei«, sacht er, »aber warum det ick det dhue, det hak ma noch nie iebalecht! – Sieh mal«, sachte der, »ick bin in mein Bessirk ssweita Schriftfiehra, un uff unse Ssahlahmde is det imma so jemietlich; wir kenn nu schon die Kneipe, un det Bier is auch jut, un am erschten Mai, da machen wir denn 'n Ausfluch mit Kind und Kejel und den janzen Vaein ... und denn ahms is Fackelssuch ... es is alles so scheen einjeschaukelt«, sacht er. »Wat brauchst du Jrundsätze«, sacht er, »wenn dun Apparat hast!« Und da hat der Mann janz recht. Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln – es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich. Und das is sehr wichtig fier einen selbständjen Jemieseladen!&lt;/blockquote&gt;
(Kurt Tucholsky, »Ein älterer, aber leicht besoffener Herr«, 1930)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich hätte wirklich gerne etwas freundliches geschrieben, aber fiel nichts ein.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1374394/Man-tut-was-fr-die-Revolution-und-weiss-genau-Mit-dieser-Partei-kommt-sie-nicht-"&gt;&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/05/23/tut-revolution-weiss-genau-partei-kommt-16049288/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-04-23:/2013/04/23/lesefreude-welttag-buches-decca-15780212/</id><title>#Lesefreude, der Welttag des Buches und Decca</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/23/lesefreude-welttag-buches-decca-15780212/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-04-23T07:35:35+02:00</published><updated>2013-04-29T09:30:59+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;&lt;strong&gt;UPDATE&lt;/strong&gt;, 29.04. 2013:&lt;br&gt;
Da nun doch weit mehr Menschen teilnehmen als ich zu hoffen wagte, habe ich mir überlegt, die Preise etwas breiter aufzustellen. Es gibt jetzt folgende Gewinnmöglichkeiten:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;1. Preis: Das Frank-Fischer-Komplettpaket&lt;br&gt;
bestehend aus: »&lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;Weltmüller&lt;/a&gt;«, »&lt;a href="http://bit.ly/9pKm0z"&gt;Südharzreise&lt;/a&gt;«, »&lt;a href="http://bit.ly/oRXRxB"&gt;Der Louvre in zwanzig Minuten&lt;/a&gt;«, »&lt;a href="http://bit.ly/11vXv7i"&gt;Die Zerstörung der Leipziger Stadtbibliothek im Jahr 2003&lt;/a&gt;« und den beiden von Frank Fischer herausgegebenen und mit einem Nachwort versehenen Brawe-Dramen »&lt;a href="http://bit.ly/QrlY7c"&gt;Der Freygeist&lt;/a&gt;« und »&lt;a href="http://bit.ly/cbJvSc"&gt;Brutus&lt;/a&gt;«. Plus: Ein beliebiger Titel aus dem Verlagsprogramm von &lt;a href="http://www.ilri.de/"&gt;Ille &amp; Riemer&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
2. Preis: Das Frank-Fischer-Best-Of-Paket&lt;br&gt;
bestehend aus: »&lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;Weltmüller&lt;/a&gt;«, »&lt;a href="http://bit.ly/9pKm0z"&gt;Südharzreise&lt;/a&gt;« und »&lt;a href="http://bit.ly/oRXRxB"&gt;Der Louvre in zwanzig Minuten&lt;/a&gt;«. Plus: Ein beliebiger Titel aus dem Verlagsprogramm von &lt;a href="http://www.ilri.de/"&gt;Ille &amp; Riemer&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
3. Preis: Das Frank-Fischer-Basis-Paket&lt;br&gt;
bestehend aus: »&lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;Weltmüller&lt;/a&gt;« und »&lt;a href="http://bit.ly/oRXRxB"&gt;Der Louvre in zwanzig Minuten&lt;/a&gt;«. Plus: Ein beliebiger Titel aus dem Verlagsprogramm von &lt;a href="http://www.ilri.de/"&gt;Ille &amp; Riemer&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
4. Preis: Frank Fischers »Weltmüller«&lt;br&gt;
bestehend aus: bestehend aus: »&lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;Weltmüller&lt;/a&gt;«.  Plus: Ein beliebiger Titel aus dem Verlagsprogramm von &lt;a href="http://www.ilri.de/"&gt;Ille &amp; Riemer&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
5.-10. Preis:  Ein beliebiger Titel aus dem Verlagsprogramm von &lt;a href="http://www.ilri.de/"&gt;Ille &amp; Riemer&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wie angekündigt, gibt es heute etwas zu gewinnen, da dieser Blog an der wunderbaren Aktion »&lt;a href="https://www.facebook.com/BloggerSchenkenLesefreude"&gt;Blogger schenken Lesefreude&lt;/a&gt;« teilnimmt, über die ich bereits &lt;a href="http://bit.ly/14jtUTW"&gt;berichtete&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
Meine Wahl für das zu verlosende Buch fiel auf das güldene Buch Frank Fischers, betitelt »Weltmüller«.&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://www.lehmanns.de/media/23663284" alt="" title=""&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dieses stand hier bereits als Nummer 102 der Reihe »Buch zum Sonntag« im Mittelpunkt des Interesses. Ich formulierte meine Begeisterung &lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;seinerzeit&lt;/a&gt; folgendermaßen:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Vexierspiegel. Wenn ich eine Assoziation zu diesem Buch finden sollte, dann wäre es wohl diese.&lt;br&gt;
Drei Reportagen eines preisentkrönten Journalisten namens Frank Fischer, von Begebenheiten handelnd, die in ihrer Absurdität gleichwohl möglich wirken. Ein Buch, das mit allem spielt, mit Wirklichkeitsebenen, mit Reflexionen, mit Wahrnehmungen, mit Erwartungshaltungen. Und wie, zumindest geht es mir so, beim Vexierspiegel der Eindruck entsteht, man müsse nur den richtigen Winkel finden, dann zeige sich die Wirklichkeit in ihrer unverzerrten Form, so drängt sich beim »Weltmüller« der Gedanke auf, man müsse ihn nur oft genug und mit der richtigen Fragestellung lesen und schon offenbare sich, was die Welt im Innersten zusammen hält. Oder zumindest doch, was eigentlich Kunst ist und welche Rolle sie in der besten der möglichen Welten spielt.&lt;br&gt;
Es sind verschiedenste Lesarten dieses Bravourstücks möglich.&lt;br&gt;
Man kann es als leichte Fingerübung eines talentierten Autors lesen, als intellektuelle Spielerei eines Passionsfeuilletonisten, gut geeignet, der distinguierten Zahnärztin als Geburtstagspräsent zu überreichen - bei all den Namen, die dort auftauchen, wird sie es kaum wagen, das Buch schlecht zu finden. Kann man machen.&lt;br&gt;
Man kann es aber auch lesen als Satire auf "den Betrieb". Auf den Theater- und sonstigen Kunstbetrieb, auf dieses um sich selbst drehende Universum, das stets darauf bedacht zu sein scheint, sich durch Deutungs- und Bedeutungshöhen abzugrenzen vom schnöden Plebs und dabei doch genau diesen, zumindest in seinem bildungsbürgerlichen Gewand, braucht, um die eigene Größe zu demonstrieren. Kann man machen.&lt;br&gt;
Man kann es aber auch lesen als ein Schelmenstück, in dem ein Hamlet mit Tierpflegern und ein Godot mit einer sechsten Rolle oder 192 Tafeln auf dem Leipziger Augustusplatz eine Variation auf Kerkelings "Hurz" sind, geeignet, das Publikum in seiner Erwartungshaltung vorzuführen, in seiner Sucht danach, sich selbst intellektuell nicht im Abseits zu sehen, alles, was das Etikett "Kunst" trägt auch interpretieren und verstehen zu wollen - und vor allem auch zu können. Kann man machen.&lt;br&gt;
Und das schöne wäre: Man hätte bei allen diesen Lesarten sein Vergnügen, je nachdem, wo man sich als Lesender selbst verortet.[...] »Weltmüller« ist für mich eines der faszinierendsten Leseerlebnisse der letzten Zeit - hochreferentiell, intertextuell geradezu ein Thanksgivingtruthahn - und doch auch ohne all dies ein exzellent funktionierender Text.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p&gt;Das ist aber alles gar nicht der Grund, weshalb es mir ein tiefes inneres Bedürfnis war, für diese Aktion Frank Fischer auszuwählen. Die Hauptmotivation ist etwas, das ich ein »Decca-Erlebnis« nennen möchte. Die heute wohl nur noch Klassik-Fans und Freunden der Popmusikgeschichte bekannte Plattenfirma »Decca« lehnte im Jahr 1962 mit der Begründung, »guitar groups are on the way out« und der leichten Fehleinschätzung »The Beatles have no future in show business« ab, die Beatles unter Vertrag zu nehmen. Und in Sachen Frank Fischer habe ich ein ganz ähnliches Erlebnis zu berichten:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Zu den konventionellen Buchhändler-Träumen, die mir in den letzten Jahren in der Branche begegnet sind, gehört neben der fixen Idee, irgendwann einmal ein Literatur-Café zu eröffnen (wirklich, man müsste da mal eine empirische Untersuchung machen, aber ich bin mir sehr sicher, die Quote liegt signifikant hoch), der Gedanke, unbedingt selbst Bücher zu publizieren, und zwar vor allem die Bücher, die die bösen Großverlage nicht bringen, weil sie die Auflagenschwelle nicht erreichen können. Mit ersterem dauert es bei mir noch etwas, den Verlag habe ich bereits vor über 10 Jahren (mit-)gegründet und publiziere da nun vor mich hin. Vor einigen Jahren landete ein Manuskript auf meinem metaphorischen Schreibtisch, in dem der Ich-Erzähler von seiner Reise entlang der neugebauten A38 von Leipzig nach Göttingen reiste. Ich lehnte ab, insbesondere, da dies ein ziemlich schlechtes Jahr für den Verlag war und gerade ungefähr gar kein Geld da war. Es gibt keine Verlagsentscheidung, die ich mehr bereute als diese. Und so ist meine Gefühlslage durchaus ambivalent, jedes Mal, wenn ich Frank Fischers »&lt;a href="http://bit.ly/9pKm0z"&gt;Südharzreise&lt;/a&gt;«, die wenig später bei den Kollegen von SuKuLTuR erschien, zur Hand nehme.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Deshalb also gibt es unter allen, die bis zum 30.04. diesen Beitrag kommentieren, ein Exemplar des »Weltmüller« zu gewinnen. Und weil der Welttag des Buches so eine feine Sache ist, lege ich für den Gewinnenden noch ein Buch aus meinem &lt;a href="http://www.ilri.de"&gt;Verlagsprogramm&lt;/a&gt; oben drauf, das sich die- oder derjenige dann frei aussuchen darf.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1275606/Lesefreude-der-Welttag-des-Buches-und-Decca"&gt;&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/23/lesefreude-welttag-buches-decca-15780212/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-04-06:/2013/04/06/immer-grossen-15719806/</id><title>Immer auf die Großen</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/06/immer-grossen-15719806/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-04-06T10:47:55+02:00</published><updated>2013-04-06T10:49:40+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich weiß nicht, wie das in anderen Branchen so ist, da ich nur eine sehr aufmerksam verfolge, aber die Buchbranche befindet sich, folgt man den Aussagen in den üblichen Branchenmagazinen, zumindest in den fast 14 Jahren, die ich sie beobachte, in einem schwerwiegenden Umbruch, Strukturwandel und einem für die Marktteilnehmer permanent zunehmenden Druck. Wollte man den hyperventilierten BWL-Phrasen folgen, müssten wir inzwischen eigentlich schon Pizza verkaufen oder zumindest doch mit Burnout irgendwo in der Ecke liegen. Man stelle isch das vor: 14 Jahre lang jeden Tag auf Arbeit zu gehen, ohne zu wissen, ob es die iegene Branche morgen noch gibt. Da kann man ja nur verrückt werden.&lt;br&gt;
Inzwischen habe ich ja eh die Überzeugung gewonnen, dass die Wirtschaftswissenschaftler die Rolle der Priesterschaft (im altägyptischen Sinne) übernommen haben. Mit ganz ähnlicher Methodik. Aber das ist ein anderes Feld, mir soll es um etwas anderes gehen.&lt;br&gt;
Richtig ist natürlich, dass der verbreitende Buchhandel heute anders aussieht als vor 30 Jahren. Im Vergleich zur Metamorphose von &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Preussag"&gt;Bergbaukonzernen&lt;/a&gt;, die jetzt Urlaubsreisen verkaufen, finde ich die Branche aber doch recht stabil und Wandel ist ein Kennzeichen der Moderne, wenn nicht überhaupt der ganzen Neuzeit.&lt;br&gt;
Offenbar aber haben die Romantiker ganze Arbeit geleistet und so ist das mittelalterliche Ideal einer gleichbleibenden, unveränderten Weltordnung weiterhin tief verwurzelt. Über jede Veränderung wird geklagt, gejammert, geschimpft oder doch zumindest geseufzt. Und das kommt mir doch zumindest in einer Konsumbranche etwas merkwürdig vor.&lt;br&gt;
Über das merkwürdige Verhalten geschäftsinhabender Buchhändler in der »Umbruchszeit« wird an anderer Stelle zu reden sein&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;, mir soll es heute um die kognitive Dissonanz der Kunden gehen.&lt;br&gt;
Ganz egal, ob es um den rasanten Filialausbau der Großfilialisten geht (das Umbruchsthema der 90er Jahre und der ersten Jahre nach 2000 - wer meiner Einschätzung von BWLern nicht folgen möchte, lese sich deren Analysen zu dieser Zeit durch und vergleiche sie mit der heutigen Situation. Menschen sollten einfach keine Zuunftsprognosen abgeben...) oder den x-ten Trend zum Versandbuchhandel nebst dessen Monopolisierungstendenz, jedes Mal wird auf die bösen Großen geschimpft. Thalia mache die kleinen Buchhandlungen kaputt, amazon auch, wenn nicht überhaupt gleich den ganzen Buchhandel. Das ist wohlfeil. Die Großen wollen auch nur spielen, genau so wie alle anderen auch. Aus den verschiedensten Gründen sind sie dabei eben erfolgreicher als andere.&lt;br&gt;
Ignoriert wird dabei nämlich, dass weder Thalia, Hugendubel oder amazon irgendjemanden zerstören - es sind die Kunden, die das tun. Was genau hindert denn daran, woanders einzukaufen? Wenn es mir wichtig ist, eine kleine Buchhandlung in der Nähe zu haben, dann kaufe ich da ein. Wenn ich amazon doof finde, lasse ich mein Geld nicht da. Das ist ganz einfach.&lt;br&gt;
Menschen sind merkwürdige Geschöpfe. Sie rufen am 23. März zum &lt;a href="http://www.indiebookday.de/"&gt;Indiebookday&lt;/a&gt; auf, um am 24. März zum Kauf eines Großverlagsbuches bei amazon aufzufordern. Menschen sind Geschöpfe, die mit der &lt;a href="http://www.back-werk.de/"&gt;Backwerk-Tüte&lt;/a&gt; in der Hand das Bäckereisterben beklagen, um dann herzhaft in das Brötchen zu beissen, das natürlich nicht so schmeckt wie von einem echten Bäcker gebacken. Was zum Henker soll denn das?&lt;br&gt;
Wenn es uns wichtig wäre, intensiv beraten zu werden von einem Buchhändler, den wir kennen, der uns kennt und dem wir vertrauen - dann würden wir das tun. Tatsache ist aber, dass wir nur in die Vorstellung davon verliebt sind. In Wirklichkeit nehmen wir den bequemsten Weg. Der kann dain bestehen, sich im &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walled_Garden"&gt;Walled Garden&lt;/a&gt; eines Kindle wohlzufühlen oder eben im Samstagsbummel noch schnell was aus der Bestsellerwand mitzunehmen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Berufslebens lautet: &lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;»Die meisten Menschen wollen keine Beratung. Die meisten Menschen wollen wissen, wo das Klo ist.«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mir wird gelegentlich ein Hang zur Misanthropie unterstellt, was stimmen mag, ich hatte lange genug mit Menschen zu tun. Ich persönlich sehe das anders. Es geht mir da eher wie Tucholskys Satiriker&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;, ich sagte sehr gern viel nettere Worte über die Welt - sie gibt mir nur zu wenig Anlass dazu. Denn es ist doch merkwürdig, wie wenige Menschen zu ihrem (Kauf-)Verhalten stehen. Ich möchte über niemandem den Stab brechen, der bei Thalia einkauft oder bei amazon. Warum sollte ich das tun? Die Kollegen machen ein Angebot und aus den verschiedensten denkbaren Gründen wird eben das ihre angenommen und das von anderen Konkurrenten eben nicht. Das ist das Spiel, das wir spielen. Ich kann mir schönere Spiele vorstellen, aber derzeit läuft eben diese Partie. Was mich nur tierisch nervt ist diese Scheinheiligkeit, diese Pseudobetroffenheit, die in ihrer ganzen Widerwärtigkeit immer dann auftritt, wenn irgendwo ein Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe stattfindet. (»Ach, Sie müssen hier dicht machen? Das ist aber schade, ach ja, und gibts das hier nicht auch noch ein bisschen billiger?«) Seit Jahren einen Laden nicht betreten und das erst zu ändern, wenn es was abzustauben gibt - nunja, dagegen ist nicht viel zu sagen. Wozu einen Laden betreten, der einem nichts zu bieten hat? Aber dann Mitleid zu heucheln und so zu tun, als würde man das Geschäft vermissen, das ist, sorry, widerwärtig.&lt;br&gt;
Vielleicht bin ich da aber auch zu hart. Da ich prinzipiell nicht glaube, dass Menschen handeln, weil sie jemandem etwas Böses wollen, habe ich mich zu einer anderen Erklärung durchgerungen. Natürlich gibt es Menschen, die anderen schaden wollen. Es gibt Rachegelüste und sonstige niedrige Beweggründe. Aber ständig allen schaden zu wollen ist wahnsinnig anstrengend und die Evolutionsgeschichte wie auch die Zivilisationsgeschichte legt nahe, dass es sich beim Menschen eher um pragmatische, opportunistische Wesen handelt. Wenn sich Menschen also zu anstrengenden Handlungen aufraffen, braucht es dafür starke Beweggründe. Und die sind bei den meisten Alltagshandlungen nicht gegeben, weswegen wir den bequemen Weg gehen. Wer also da einkauft, wo es ihm am leichtesten fällt, ist nicht unbedingt ein schlechter Mensch. Kommt sich aber möglicherweise wie einer vor, wenn er merkt, dass das eigene Handeln nicht ganz im Einklang mit der imaginierten Idealwelt steht. Weswegen wir eben zu Ersatzhandlungen greifen und mal zwei Wochen nicht bei amazon einkaufen, weil die Leiharbeiter es dort nicht so schön zu haben scheinen, beklatschen dann Kleinstverlage, die offene Briefe schreiben und vergessen dann alles wieder, bis uns irgendwann mal wieder das schlechte Gewissen plagt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich kann hier nicht für die ganze Branche sprechen, aber ich sage folgendes: Mitleid bezahlt keine Mieten. Entweder es gelingt einem Kaufmann ein Angebot zu unterbreiten, das überzeugt oder es gelingt ihm eben nicht. Dazu kann gehören, dass sich Menschen einem bestimmten Buchhändler persönlich verbunden fühlen und deshalb bei ihm kaufen. Dazu kann gehören, dass man es für eine Gesellschaft förderlich hält, bei Untrnehmen einzukaufen, die ihre Steuern nicht irgendwo anders bezahlen. Dazu kann es gehören, dass man auf die Kompetenz eines Buchhändlers baut und nicht auf die eines Algorithmus. Dazu kann auch gehören, dass man glaubt, wenn ein Buchhändler ein Buch nicht vorrätig hat, ist das nicht Zensur, sondern Qualitätsmerkmal. Kann alles sein. Nur, liebe Menschen, wenn euch das wichtig ist, dann kauft auch so ein. Aber behauptet nicht das eine und tut dann das andere.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich persönlich sehe keinen Hinweis darauf, dass einer ausreichend großen Menge Menschen diese Punkte wichtig genug sind, um den verbreitenden Buchhandel in seiner bisherigen Ausdehnung auch nur annähernd am Leben zu erhalten.&lt;br&gt;
Denn die Großbuchhandlungen haben im Laufe ihres jahrzehntelangen Erfolgszuges aus meiner Sicht vor allem zwei Dinge getan:&lt;br&gt;
a) Das Buch trivialisiert und&lt;br&gt;
b) Das Buch in den Innenstädten gehalten.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;zu a) wäre zu sagen: Das ist gut so. Denn die Großbuchhandlungen haben eines geschafft: Sie haben Menschen eingeladen, hereinzukommen. So niedrigschwellig wie bei Thalia, Hugendubel oder gar Weltbild (die aber keine Großbuchhandlung im engeren Sinne sind) kommt man stationär kaum an Bücher heran. Dadurch wurden völlig neue Zielgruppen für den stationären Buchhandel erschlossen&lt;a href="#stern3"&gt;***&lt;/a&gt;, der sich doch bis weit in die achtziger Jahre eher elitär gebärdete. Natürlich blieb das auch nicht ohne Auswirkungen auf die Verlagsproduktionen. Nichtsdestotrotz halte ich kulturpessimistes Gejammer über eine angebliche Verdummung der Gesellschaft für Unsinn. Ja, früher waren Werke von ganz anderem intellektuellen Kaliber in der Bestsellerliste. Die werden aber weiterhin publiziert und verkaufen keineswegs weniger Exemplare - ihr Anteil ist geringer geworden, ja. Aber dafür kaufen auch mehr Menschen in Buchhandlungen. Es war früher nicht alles besser. Es war schon immer schrecklich. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;zu Punkt b) sei angemerkt: Ja, welcher 80qm-Allgemein-Sortimenter soll denn 1A-Großstadtmieten bezahlen? Wie soll das gehen, mit einem fein ausgewählten, literarische ambitionierten oder meinetwegen auch nur individuellen Programm genug zu erwirtschaften, um zum Beispiel in &lt;a href="http://www.dsk.ag/index.php/markt/presseartikel/presseartikel-2012/536-leipzigs-top-ladenmieten-ziehen-an-lvz-29122012"&gt;Leipzig&lt;/a&gt; 120 € pro qm zu zahlen? Möglicherweise geht das ja, aber ich halte es für keinen Zufall, dass es dann doch eher die niedrigschwelligen Anbieter mit breitem Sortiment sind, denen das gelingt. Anders gesagt: Ohne die Großen gäbe es schon lange keine Bücher mehr im Straßenbild der Innenstädte.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dafür brauchen wir Thalia &amp; Co. keine Ehrennadel verleihen, aber auch hier sei es noch einmal gesagt: Zu behaupten, es seinen einfach die bösen Großen, die die armen Kleinen zerdrücken, ist wohlfeil und führt aufs falsche Gleis. Denn es sind immer die Kudnen, die einen Laden scheitern lassen. Das ist kein Vorwurf und kein moralisches Urteil, aber ganz offenkundig treffen die, die überleben doch eher den Nerv der Kunden als jene, die scheitern. Das ist Kaufmannsalltag. Wir konkurrieren alle um Käufer und wenn wir sie nicht bekommen, liegt das an uns. Dann haben wqr die falschen Prioritäten gesetzt. Wenn wir glauben, Kunden schätzen Beratung, Individualität und Kompetenz, faire Behandlung unserer Angestellten und nachhaltiges Wirtschaften, in Wirklichkeit wollen die es aber nur bequem und einfach haben, dann haben wir aufs falsche Pferd gesetzt. Punkt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;In einer Talkshow, ich glaube es war bei Frau Maischberger, hörte ich den Danaone-Chef sagen, seine Firma habe sich aus dem Feld der Kundenbefragungen vollständig zurückgezogen, weil man merkte, dass die Befragten nach Strich und Faden logen. Sie behaupteten, ihnen seien Umwelt und Nachhaltigkeit wichtig, in Wirklichkeit aber kauften sie doch nur das billigste Angebot.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich glaube nicht, dass die Befragten logen. Ich denke eher, dass wir es hier mit dem Unwillen zur Reflexion des eigenen Handelns zu tun haben, der schon Sokrates das Leben kostete. Menschen wollen nicht ständig darüber nachdenken, warum sie bestimmte Dinge tun und welche Auswirkungen das hat. Leute, die sie ständig darauf ansprechen, die sie ständig dazu auffordern, nerven. Immerhin werden sie heute nur noch als »Gutmenschen« oder »Feminazis« denunziert und müssen nicht mehr Schierlingsbecher trinken. Ein Hurra! auf den zivilisatorischen Fortschritt.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Kurz: Ich glaube nicht an den aufgeklärten, verantwortungsbewussten, reflektierenden Kunden als Massenphänomen. Und deshalb sind Firmen auch erfolgreicher, wenn sie ihre Kunden nicht nachdenken lassen, da haben die BWL-Priester völlig recht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1232031/Immer-auf-die-Grossen"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Die geneigte Leserschaft sei hiermit dazu aufgerufen, den Autoren an die Durchführung seines seit Jahren gehegten Planes, eine Reihe Beiträge zur Buchbranche zu publizieren.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;»Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.« aus: »Was darf die Satire?« in: Tucholsky, Kurt: Werke, Briefe, Materialien, S. 1192. Digitale Bibliothek Berlin 1999.  vgl. Tucholsky-GW Bd. 2, S. 43.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;Übrigens zu Lasten der Buchgemeinschaften, aber dieser ständige Kampf zwischen Versandhandel und stationärem Handel ist ein ganz eigenes Thema und bezieht sich nicht nur auf den Buchhandel. Auf Quelle und Co. reagierte man seinerzeit zum Beispiel nicht  nur durch Neukonzipierung von Kaufhäusern, sondern beispielsweise auch durch erweiterte Kulanzregeln. Dass heute 14 Tage anstandsloses Umtauschrecht Usus ist, liegt nicht an der Freundlichkeit der Kaufleute (haha), sondern am Versandhandel, der damit ordentlich punktete.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/06/immer-grossen-15719806/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-04-04:/2013/04/04/schreibtisch-15715404/</id><title>Mein Schreibtisch</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/04/schreibtisch-15715404/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-04-04T06:50:13+02:00</published><updated>2013-04-06T07:55:30+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Wir schreiben das Jahr 2013. 2013 ist ganz offiziell Henry-van-de-Velde-Jahr (und &lt;a href="http://www.wagnerjahr2013.de/de/wagner_2013.html"&gt;Wagner-Jahr&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.theater-tv.net/suche.html?cat=23"&gt;Verdi-Jahr&lt;/a&gt; und &lt;a href="https://www.facebook.com/karlmarxjahr"&gt;Marx-Jahr&lt;/a&gt; und überhaupt wird das allmählich inflationär, für Luther ist man ja schon zur &lt;a href="http://www.luther2017.de/"&gt;Dekade&lt;/a&gt; übergegangen).&lt;br&gt;
Mit Henry an de Velde verbindet mich nicht sehr viel, wie ich überhaupt gestehen muss, dass Kunst und Kunsthandwerk es leider nie in den &lt;i&gt;inner circle&lt;/i&gt; meines Interesses geschafft haben. Aber immerhin verbindet mich mit Henry van de Velde eine Epiphanie und das ist ja dann doch nicht nichts.&lt;br&gt;
1999 arbeitete ich neben meinem Studium in einer Buchhandlung, die als Spezialist fürs Moderne Antiquariat das Programm von Taschen recht umfassend vorrätig hielt. Und im Rahmen dessen fiel mir die &lt;a href="http://d-nb.info/957563728"&gt;seinerzeitige Ausgabe&lt;/a&gt; von Klaus-Jürgen Sembachs &lt;a href="http://bit.ly/10ykjTx"&gt;Jugendstil-Buch&lt;/a&gt; in die Hand.&lt;br&gt;
Im Goetheschen Sinne nichtssuchend blätterte ich dort durch, als es mich blitzartig durchfuhr, da ich ihn auf einmal entdeckte: Meinen Schreibtisch.&lt;br&gt;
Den hat nämlich Henry van de Velde entworfen. Es gibt ihn in verschiedenen, leicht unterschiedlichen Varianten, ich habe leider auf die Schnelle kein Bild gefunden, dessen Copyrighthinweise sicher genug gewesen wären, ein Bild hier direkt einzubinden, daher verweise ich auf diesen Beitrag bei &lt;a href="http://www.detail.de/architektur/news/der-alles-koenner-arbeiten-von-henry-van-de-velde-020560.html"&gt;Detail&lt;/a&gt;, die im Rahmen des Berichts über die &lt;a href="http://www.gnm.de/index.php?id=433"&gt;Nürnberger Sonderausstellung&lt;/a&gt; (nicht zu verwechseln mit der in &lt;a href="http://www.klassik-stiftung.de/ausstellungen-und-veranstaltungen/van-de-velde-2013/van-de-velde-2013/leidenschaft-funktion-und-schoenheit/"&gt;Weimar&lt;/a&gt; oder in &lt;a href="http://www.villaesche.de/"&gt;Chemnitz&lt;/a&gt;) eine sehr schöne Abbildung bieten.&lt;br&gt;
Es müsste nicht mal unbedingt der Secession-Schreibtisch sein, die verschnörkelten Kerzenständer wären echt kein Muss, und ich würde mich auch dazu durchringen, den Tisch nachbauen zu lassen, da der van-de-Velde-Boom nun schon einige Jahre anhält und die Museen da eher geizig sind. &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Allerdings fehlt mir noch der passende Raum und so werden wohl weiterhin noch Jahre ins Land gehen, in denen ich zwar sagen kann »van de Velde? Der hat übrigens meinen Schreibtisch gebaut.«, aber anschließend darauf verweisen muss, dass er sich noch nicht in meinem Besitz befindet.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1227001/Mein-Schreibtisch"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/04/04/schreibtisch-15715404/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-03-29:/2013/03/29/rose-tremain-adieu-sir-merivel-15682673/</id><title>Rose Tremain: Adieu, Sir Merivel</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/29/rose-tremain-adieu-sir-merivel-15682673/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-03-29T07:50:09+01:00</published><updated>2013-03-29T08:06:25+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://content-media.static.epidu.net/bdb/de-site/uploads_media/books/88e1c84f389543c79f6fb871dc91d88c/front_cover/88e1c84f389543c79f6fb871dc91d88c.front_cover.jpg" width="125" height="200" alt="Tremain Cover" title="Tremain Cover"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Im Buchhändlerleben kommt es immer wieder vor, dass persönliche Beziehungen zu Kunden entstehen. Diese wollen dann oft mit niemand anderem mehr sprechen, von keinem anderen beraten werden, ja manchmal nicht einmal Bestellungen aufgeben, sondern gehen unverrichteter Dinge wieder davon, sollte man gerade nicht anwesend sein (oder warten, bis man sein Pausenbrot gegessen hat...)&lt;br&gt;
Ich habe meine Buchhandelslaufbahn bei einem &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Modernes_Antiquariat"&gt;MA-Spezialisten&lt;/a&gt; begonnen, intensive Beratung und lauschige Gespräche über Novitäten und Klassiker sind da durchaus Mangelware. Nichtesdestotrotz, meine erste Kundin, die explizit von mir beraten werden wollte, fand sich dort - weil ich sie nicht merkwürdig anschaute, als sie ihr Interesse an historischen Romanen offenbarte&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;.&lt;br&gt;
Ich habe in jungen Jahren sehr gerne historische Romane gelesen, was im Wesentlichen dem Einfluss Alexandre Dumas´ auf mein junges Gemüt geschuldet ist, aber nach einer sehr extensiven Christian-Jacq-Phase hat sich mein Leseinteresse doch anderen Gefilden zugewandt.&lt;br&gt;
Nun fand ich aber bei dem immer noch empfehlenswerten Projekt &lt;a href="http://www.bloggdeinbuch.de/"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/company_media/images/logos/BdB-logo-small2.jpg" width="66" height="30" alt="Blogg Dein Buch" title="Blogg Dein Buch"&gt;&lt;/a&gt; einen neuen Roman von Rose Tremain, immerhin mit dem &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Orange_Prize_for_Fiction"&gt;Orange Prize&lt;/a&gt; ausgezeichnete Autorin, die zudem bei &lt;a href="http://www.suhrkamp.de/insel_verlag_67.html"&gt;&lt;img src="http://content-media.static.epidu.net/bdb/de-site/uploads_media/publishers/63df0b35095d420cb5aa5c267910c604/logo/63df0b35095d420cb5aa5c267910c604.logo.jpg" width="30" height="30" alt="Insel Verlag" title="Insel Verlag"&gt;&lt;/a&gt; publiziert wird, was mir ein gutes Zeichen erschien.&lt;br&gt;
Ein nicht mehr ganz junger Vertrauter des englischen Königs Karl II., der Arzt Sir Merivel, sucht nach neuen Herausforderungen und begibt sich nach Frankreich, um in Versailles am Hofe zu reüssieren, was gründlich danebengeht. Immerhin aber ergibt sich eine Liebesbeziehung zu einer unglücklich verheirateten Frau und zu guter Letzt steht seine Loyalität zum König vor einer Prüfung.&lt;br&gt;
Kann man machen, dachte ich mir, Mid-Life-Crisis in einem Zeitalter ohne Porsche, das könnte recht unterhaltsam werden.&lt;br&gt;
Wurde es nicht.&lt;br&gt;
Dass in diesem Roman, die Frage, was die Welt im Innersten zusammen hält, nicht einmal gestreift werden würde, war mir klar, hatte ich auch nicht erwartet. Die Geschichte aber plätschert träge vor sich hin, es gibt kaum Spannungsbögen und ich bin als Leser nie überrascht worden. Alles in allem passiert genau das, was erwartungsgemäß passiern würde. Es gab eine Stelle, bei der ich zumindest kurz die Augenbrauen heben konnte, aber ansonsten riss mich der Plot nie mit. Und so wirklich erschütternd fand ich weder die rustikalen Erotikszenen noch die Methoden der seinerzeitigen Mediziner. Ich weiß nicht, wie der Roman auf Menschen mit anderer Leseerfahrung wirken mag, ich könnte mir gut vorstellen, dass gerade in niedrigerem Lesealter, wenn man vielleicht noch nicht unzählige Unterhaltungsromane gelesen hat und also die Erzählmuster wiedererkennt, hier anderes zu berichten hätte.&lt;br&gt;
Denn immerhin habe ich das Buch zu Ende gelesen und das lag im Wesentlichen an Rose Tremains gefälligem Stil. Auch wenn ich mir hier mehr Konsequenz gewünscht hätte: Das Buch ist in Ich-Form geschrieben und kann durchaus als der Memoiren-Literatur nachempfunden gelten. Für mich persönlich sind dann aber doch zu viele Stilbrüche darin - entweder ich ahme den Stil eines barocken Tagebuchschreibers nach oder ich entscheide mich für die Gegenwartssprache. Eine Figur des 17. Jahrhunderts wirkt mit dem Satz »Ja, wir hatten Sex« zur Beschreibung es royalen Liebesabenteuers einfach nicht sehr glaubwürdig. Und solcher Brüche gibt es durchaus etliche. Aber das möchte ich hier ausdrücklich meiner persönlichen Empfindlichkeit zuschreiben, Frau Tremain schreibt durchaus lesbar und lebendig. Sie lässt ihren Protagonisten sehr ausführlich das eigene Innenleben erforschen, was sehr sinnig ist, da sie ihm einen entsprechenden Ausspruch Montaignes als Lebensmotto mitgibt. Das muss man mögen. Ich fand das Sinnieren eines alternden Mannes über vergangene und zukünftige lustgesteuerte Taten und deren moralische Bewertung doch weit weniger spannend - und zudem viel zu viel im Vergleich zum doch eher spärlichen Handlungsrahmen.&lt;br&gt;
Wobei ich hier eines einwerfen muss: Was mir als verhindertem Historiker allerdings sehr gefallen hat, waren ihre realistischen Zeitverläufe. Da brauchen Botschaften völlig korrekter Weise Wochen und Monate, ohne dass jemand über Gebühr beunruhigt ist. Es dauert dann eben so seine Zeit, bis man von London nach Paris gereist ist und das macht alles wenig Spaß. Die historischen Romane, die ich sonst so las, waren da anders. Da gab es stets eine unerschöpfliche Anzahl von Eilboten, die Pferde in den Untergang ritten oder sich sonstwie verausgabten. Allerdings waren die auch eher plot-orientiert.&lt;br&gt;
Ich möchte aber noch drei Stellen zitieren, die ich doch sehr hübsch formuliert fand und die vielleicht verdeutlichen können, warum ich Frau Tremains Buch nicht verdammen möchte, egal wie wenig es meine Lesebedürfnisse befriedigte:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sie lässt den seiner Amtsgeschäfte überdrüssigen König in einem Gespräch mit Sir Merivel über gute Regierung folgendes sagen:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;»Ich weiß, dass die Menschen gern in Ruhe gelassen werden wollen. Sie wünschen keine unnützen Rechtsmittel, und sie wollen keine Kriege mehr. Sie wünschen sich, was ich mir wünsche: Essen in ihre Mägen, angeneheme Nächte, ein kleines einträgliches Gewerbe, ein Schlückchen Met dann und wann, einige erbauliche Predigten, einen guten Tod. Ist es nicht so?«&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 203f.)&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sehr hübsch. Wer gerne wissen möchte, warum Revolutionen es immer so schwer haben. Bitte schön.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sir Merivel möchte sich im Verlaufe der Geschichte an einem wissenschaftlichen Werk versuchen und ist einigermaßen beunruhigt darüber, dass er noch keinerlei Meinung oder Hypothese zu seinem Thema hat. Und dabei erinnert er sich an die Aussage seines verstorbenen Freundes und moralischen Korrektivs Pearce:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;[...] das Begreifen sei notwendigerweise eine lange, beschwerliche Reise, und auf dieser Reise habe man sich in Demut zu begeben. »Man kann nicht«, sagte er in einem bravourösen Schwenk komplizierter Pearce'scher Logik, »schon im Voraus die unendlich große Anzahl von Dingen wissen, die man nicht weiß.«&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 312)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das ist nun wahrhaft Erkenntnisphilosophie in bester Salontradition und fasst zudem die wissenschaftsethische Forderung nach Ergebnisoffenheit der Forschung griffig zusammen. Und an einer Stelle wird es sogar noch existentialistisch:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Ich kann mir nicht vorstellen, wie Cattlebury Mahlzeiten zusammenrührt, die ich nicht essen werde. Ich bin in der Lage, mein Grab vor mir zu sehen, auf dem Friedhof von Bidnold, mit einem hübschen Grabstein und Blumen und Tannenzweigen darum, doch meinen toten Körper darunter sehe ich nicht. Die Idee der Nichtexistenz erfüllt mich mit Empörung.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 343f.)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und das ist so eine Stelle, die recht gut meine obigen Anmerkungen zur Lesebiographie illustrieren. Hätte ich im Rahmen meiner Camus- und Sartre-Lektüren nicht bereits den Gedanken gelesen, dass wir unseren eigenen Tod nicht denken können, sondern immer in die Außenperspektive wechseln - wer weiß, welche Wirkung diese Sätze dann auf mich gehabt hätten.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Im Fazit bleibt also festzustellen: Ich halte diesen Roman keinesfalls für ein schlechtes Buch, es hat mir nur nicht gefallen&lt;a href="#stern3"&gt;***&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wer mir das glaubt und durchaus den Eindruck gewonnen hat, zu einer anderen Leseerfahrung zu kommen, der kann und soll und darf es gerne &lt;a href="http://bit.ly/X0HlAj"&gt;bestellen&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die bibliographischen Daten:&lt;br&gt;
Tremain, Rose: Adieu, Sir Merivel. Insel Verlag Berlin 2013. ISBN 978-3-458-17563-6, 19,95&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1213809/Rose-Tremain-Adieu-Sir-Merivel"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Wir hatten seinerzeit gerade einen Boom hinter uns, der zur dann folgenden üblichen Marginalisierung eines Subgenres führte (»[Subgenre] ist durch, das läuft nicht mehr«) und so hatten die Publikumsverlage gerade kaum etwas im Programm, was sich dann erst mit dem nächsten Boom wieder änderte. Manchmal würde ich sehr gerne in deren chubladen schauen, da müssen Schätze liegen...)&lt;br&gt;
Der zweite bemerksenswerte Teil der Geschichte ist, dass sie zu uns kam, weil sie von der einzigen seinerzeitgen Großbuchhandlung am Ort sehr enttäuscht war - die jungen Leute dort wären nicht sehr freundlich gewesen. Die Erfahrung, dass man schlicht durch professionelles Handeln Kunden gewinnen kann, die eigentlich gar nicht ins Profil gehören (sie wollte aktuelle Sortimentstitel, die hatten wir naturgemäß so gut wie nie da, von meinen ebenfalls naturgemäß eher spärlichen Kenntnissen der aktuellen Neuerscheinungen mal ganz abgesehen), war sehr prägend für mich.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;zitiert aus: Tremain, Rose: Adieu, Sir Merivel. Insel Verlag Berlin 2013&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;Das ist übrigens der buchhändlerische Normalzustand. Auch wenn Kunden gerne in diese Richtung fragen: Das wollt ihr nicht wirklich, dass euch die Bücher empfohlen werden, die Euer Buchhändler mag. Die Kunst besteht nicht darin, die Bücher zu empfehlen, von denen man selbst begeistert ist, sondern die, welche zum Kaufenden passen. Da mag es Überschneidungen geben, aber glaubt mir, ich habe schon Bücher in den schillerndsten Farben gelobt, die ich selbst furchtbar finde - aber das ist es eben: Um mich geht es im Beratungsgespräch nicht. Und ich habe durchaus Kunden vor Augen, denen ich dieses Buch hier guten Gewissens empfehlen könnte.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/29/rose-tremain-adieu-sir-merivel-15682673/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-03-23:/2013/03/23/power-to-the-reading-people-15660721/</id><title>Power to the (reading) People</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/23/power-to-the-reading-people-15660721/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-03-23T11:16:00+01:00</published><updated>2013-03-23T11:20:44+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Der Welttag des Buches ist eine feine Sache. Einmal im Jahr soll das Buch, soll die Literatur im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen. Man hat sich dafür ein symbolträchtiges Datum ausgesucht, der &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Welttag_des_Buches"&gt;23. April&lt;/a&gt; ist weltliterarisch durchaus ein Schwergewicht. Und Schwergewichte sind es auch, die den Welttag publik mach(t)en. Es sind Branchenverbände und Großverlage, die ihre PR-Maschinen anwerfen, um schön gestrickte Marketing-Aktionen in Gang zu setzen.&lt;br&gt;
Auch das ist natürlich eine feine Sache und jeder, der schon einmal selbst versucht hat, Aufmerksamkeit zu generieren, weiß, dass es überhaupt nicht schaden kann, professionelle PR-Maschinen anwerfen zu können.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ganz unter uns gesagt, sind aber solche professionell geplanten Marketinggeschichten durchaus eine gute Portion öde. Nicht immer wirklich langweilig, aber es fehlt doch stets das Quentchen Überraschung. Besonders, wenn man dann schon eine Weile in der Branche ist, merkt, wie Budgets abschmelzen, wie Kreativität fehlt und überhaupt alles ein bisschen sehr in gewöhnliche Fahrwasser gerät, wo es eigentlich nur noch um lancierte Leseproben geht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Umso erfreulicher nun, dass die Lesenden nun das Heft des Handelns ergreifen und einfach sagen: »Wir holen uns den Welttag zurück«. Also, keine Ahnung, ob sie das wirklich sagen, aber ich empfinde es so. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
Die Aktion »&lt;a href="http://www.facebook.com/BloggerSchenkenLesefreude"&gt;Blogger schenken Lesefreude&lt;/a&gt;« lädt dazu ein, am 24. April über ein Buch zu bloggen, das dann unter den Kommentierenden verlost wird. Ganz genau nachlesen kann man das in diesem &lt;a href="http://www.sinnundverstand.net/2013/03/11/mit-herzblut-blogger-schenken-lesefreude/"&gt;Interview&lt;/a&gt;, das zudem alle notwendigen weiterführenden Links bereit hält. Leider habe ich inzwischen vergessen, wie ich auf diese Aktion gestoßen bin (es war aber kurz bevor die &lt;a href="http://www.boersenblatt.net/594079/"&gt;Branchenpresse&lt;/a&gt; darauf aufmerksam wurde), wollte aber, wie sich die geneigte Leserschaft sicher vorstellen kann, unbedingt mitmachen.&lt;br&gt;
Es wird daher hier am 23. April die Möglichkeit geben, Frank Fischers wunderbaren »&lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;Weltmüller&lt;/a&gt;« zu gewinnen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Weil heute aber heute ist und heute ist &lt;a href="http://www.indiebookday.de/"&gt;indiebookday&lt;/a&gt;, eine ebenfalls sehr exzellente Aktion, die ganz hervorragend passt, wenn es darum gehen soll, bei all der wirklich wichtigen Leistung, die die Big Player für die Branche erbringen (das ist ein eigenes Thema wert, aber all die Dienstleistungen, die Präsenz, die Werbung, die von den »bösen Großen« erbracht werden, sind durchaus ein Rückgrat, eine Basis, auf der die »Kleinen« aufsatteln können), sind es doch oft die kleinen, unabhängigen, selbstausbeuterischen Idealisten, die das Salz in der Suppe bilden. Die auf der Suche nach neuer, unentdeckter, aber guter Literatur sind, die Nischen besetzen, die auch das noch publizieren, was nur noch eine Handvoll Leute interessiert - und die dabei doch nicht reich werden. Und zwar selbst wenn sie einmal einen Durchbruch schaffen, so ergeht es ihnen doch oft wie den Fußballvereinen, die immer für ihre hervorragende Jugendarbeit gelobt werden, deren erste Mannschaft dann aber doch nur in der dritten Liga spielt...&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und all diese Unermüdlichen, diese Verrückten, die mit Herzblut bei der Sache sind und trotzdem sehr häufig (es sind wirklich viele, auch solche, bei denen der geneigte Leser dann nie vermuten würde) mit einem ganz anderen Job ihre Miete verdienen müssen, deren Arbeit soll dieses eine Mal ganz im Mittelpunkt stehen und die Bestsellerlisten wenigstens für einen Tag mal nach hinten schieben.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Für all jene in der geneigten Leserschaft, die jetzt vor Schreck gar nicht wissen, welches Buch sie sich heute unbedingt zulegen wollen, habe ich eine Liste zusammengestellt, die ich unter größten Schmerzen auf &lt;a href="http://bit.ly/Z7MkSF"&gt;10 Titel beschränkt&lt;/a&gt; habe. Und der Gewinner der Verlosung nächsten Monat darf sich noch eines von der Liste wünschen. oder aus dem Programm dieses &lt;a href="http://www.ilri.de"&gt;schnuffigen Verlages&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und da Klassenkampf ja gerade wieder &lt;a href="http://www.zeit.de/2013/13/Liedermacher-Hannes-Wader-Echo"&gt;salonfähig&lt;/a&gt; ist, jetzt etwas Musik:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1199598/Power-to-the-reading-People"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/23/power-to-the-reading-people-15660721/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-03-15:/2013/03/15/buchhaendlerfreuden-15630069/</id><title>Buchhändlerfreuden (1)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/15/buchhaendlerfreuden-15630069/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-03-15T08:07:04+01:00</published><updated>2013-03-15T08:09:02+01:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;Vertreter &amp; Vorschauen&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;März ist die Zeit der Leipziger Buchmesse. Es wird eine Aufmerksamkeit für das Buch generiert wie es sonst nur noch im Oktober geschieht. Das ist für Buchhändler natürlich eine feine Sache, für Verlage nicht minder und doch ist das immer so eine Sache. Denn Marketingmenschen werden meist sehr hibbelig, wenn sie merken, dass sie Aufmerksamkeit einfach so bekommen, also ohne dafür ausgeklügelte Maßnahmen ergreifen zu müssen. Einfach nur, weil März ist.&lt;br&gt;
Das fürht zu einer Novitätenkonzentration im Frühjahr, die inzwischen ungesunde Ausmaße erreicht hat. Ungesund weniger wegen der geschundenen Rücken und Arme der Noviätentische füllenden Buchhändler als vielmehr wegen der zwangsläufigen Situation, dass unter alls den Knallern, die da auf den Markt geworfen werfen, nicht nur die Rosinen unterzugehen drohen, sondern auch der eine oder andere veritable Bestseller keiner wird, weil er sich einfach nicht mehr durchsetzen konnte - was er im Mai aber vielleicht können würde. Man müsste dann zwar auf die messebedingte Aufmerksamkeit verzichten, könnte dafür aber in einem weniger gefüllten Umfeld besser reüssieren. Da aber kein Marketingmensch freiwillig auf mögliche Aufmerksamkeit verzichten will, kommen eben alle im März.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das Leiden des Buchhändlers beginnt aber sehr viel früher, nämlich im Januar und Februar, dann wenn die Verlagsvertreter zu Besuch kommen und der Einkauf ansteht. Dann also, wenn man sich all die Stapel bestellt, die man wenige Wochen später, in aller Ambivalenz fluchend und doch irgendwie wohlgestimmt auf die immer viel zu geringe Ladenfläche zu verteilen sucht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und in genau diesen Vertretergesprächen begegnen den Beteiligten dann Formulierungen und Sätze, die Teil eines eingespielten Zeremoniells sind. Sei es, dass in der Verlagsvorschau nur noch Spitzentitel, Schwerpunkttitel, Bücher des Monats und Bestseller beworben werden oder Vertreter und Buchhändler ritualisierte Textbausteine austauschen. Genau dieses Sammelsurium findet sich nun, als Werbemaßnahme für Lorenz Meyers »&lt;a href="www.lehmanns.de/shop/literatur/25377478-9783847905349-das-ultimative-bullshit-bingo?p=ille"&gt;Das ultimative Bullshit-Bingo&lt;/a&gt;«, im Buchhändler/Vertreter/Vorschauen-Bullshit-Bingo, das als .pdf für alle Interessierten &lt;a href="http://bit.ly/10K5ldL"&gt;heruntergeladen&lt;/a&gt; werden kann. Und ich kann sagen: Ich hätte auf jeder Reise jedes Feld ankreuzen können. Mein Lieblingssatz ist übrigens: »Da nehme ich mal eins.«&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/10K5ldL"&gt;&lt;img src="http://www.buchmarkt.de/newsimg/img_29105.jpg" alt="" title=""&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1177677/Buchhndlerfreuden-1"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/03/15/buchhaendlerfreuden-15630069/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-02-02:/2013/02/02/neuen-augen-bericht-15492975/</id><title>Mit neuen Augen - Ein Bericht</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/02/02/neuen-augen-bericht-15492975/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-02-02T18:05:54+01:00</published><updated>2013-02-02T18:12:34+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Der folgende Text erschien im Januar 2013-Rundbrief der &lt;a href="http://bit.ly/ZYeRYV"&gt;Kurt-Tucholsky-Gesellschaft&lt;/a&gt; und berichtet von der Jahrestagung eben dieser im Herbst in Rheinsberg. Ich veröffentliche ihn nun auch hier, um auch der geneigten Leserschaft die Möglichkeit zu geben, sich einen Eindruck verschaffen zu können:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mit neuen Augen – Ein Bericht&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;„Zufall? Es gibt keinen Zufall, oder er sieht doch ganz, ganz anders aus, als man gemeinhin denkt …“&lt;a href="#fn1"&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wenn es kein Zufall war, dann war es also ein anderer Grund. Aber es war zumindest keine abgesprochene Begegnung am 15. März 2012, als ich die Ehre hatte, Bernt Brüntrup zu den Zuhörern meiner Tucholsky-Lesung auf dem Leipziger Messe-Gelände zu zählen. Der rührige Schatzmeister dieser Gesellschaft hatte, wie wenige Mitlesende überraschen dürfte, keinerlei Scheu, mich im Nachgang anzusprechen und es war eben diese Begegnung, die mir den letzten Anstoß gab, das Eintrittsformular auszufüllen. Die Jahrestagung in Rheinsberg fand mich also als frischgebackenes Neumitglied, durchaus unsicher, ob ich mich im Kreise derer, die sich schon so viel länger mit Tucholsky beschäftigten, dieser Ehre würdig erweisen könnte.&lt;br&gt;
Das Tagungsthema „Tucholsky und die Frauen“ war sicher angesichts des Tagungsortes ein durchaus naheliegendes, aber nichtsdestotrotz ja ein schier unerschöpfliches. Rolf Hosfeld eröffnete den Reigen mit der These, Tucholsky habe eine große Sehnsucht nach Nähe verspürt, gleichzeitig aber eben diese Nähe nicht aushalten können. Das wirkte durchaus schlüssig, wie auch seine ganze &lt;a href="http://bit.ly/Tqvlut"&gt;Biographie&lt;/a&gt; eher eine Neudarstellung schon bekannter Erkenntnisse als echter Neugewinn ist&lt;a href="#fn2"&gt;&lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;, jedenfalls überzeugender als die Einschätzung Tucholskys als „Erotomane“, die mir eher zeitgenössische Verunglimpfung als belegbarer biographischer Tatbestand zu sein scheint. Die auf Hosfelds Vortrag folgende Diskussion lässt sich im Wesentlichen als Dokumentation eines Missverständnisses zusammenfassen. Der Autor meinte nicht dieses Publikum und das Publikum meinte nicht diesen Biographen. So redete man trefflich aneinander vorbei und leider verpufften die wenigen interessanten Ansätze zur Debatte schnell wieder.&lt;br&gt;
Nichtsdestotrotz, es war ein lebhafter Auftakt und was kann einer Tagung besseres passieren? Mit der unmittelbaren Gegenüberstellung der beiden Ehefrauen Tucholskys und ihrer unterschiedlichen Schicksale war der Samstagvormittag der emotionale Höhepunkt des Wochenendes erreicht. Der Vortrag von Frau Dr. Sunhild Pflug über Else Weil am Samstagmorgen wird mich noch lange Zeit beschäftigen. Über Else Weil war bis vor wenigen Jahren recht wenig bekannt, was nicht nur Zufall ist. Wohl aber diesem zuzuordnen ist der Anstoß, der zum heutigen Kenntnisstand führte. Ein schlichter Gästebucheintrag von 1998 im Rheinsberger Museum, gezeichnet von Else Weils Nichte aus London, führte zu einem Fundus, mit dessen Hilfe zumindest Schlaglichter auf dieses tragische Leben geworfen werden können. Es ist die Erinnerung an Menschen, die Geschichte konstituiert. Und auch wenn sich nur wenige Menschen an die Frau erinnern werden, die einst der Rheinsberger Claire Modell stand – sie darf nicht vergessen werden. Diese starke, selbstbewusste Person, die an den Umständen ihrer Zeit scheiterte und die von Tucholsky in vielen Punkten nicht so behandelt wurde, wie es mindestens der Anstand verlangt hätte&lt;a href="#fn3"&gt;&lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;, die als Ärztin den Großteil ihres Erwerbslebens als Kindermädchen verbrachte und die letztlich von den Nazis ermordet wurde – diese Frau darf nicht vergessen werden.&lt;br&gt;
Ganz anders freilich verhält sich dies bei Mary Gerold-Tucholsky, die Ian King sehr lebhaft vorstellte, über deren Leben wir recht viel wissen und wohl noch mehr wissen könnten, hielte sie nicht zu Lebzeiten und auch testamentarisch die Hand darauf. Für das Andenken Tucholskys war sie in glatter Glücksfall, es gibt Schriftsteller und Künstler, die es in Sachen Witwen schlechter getroffen hat. Für eine biographische Forschung, die über den öffentlichen Menschen hinausgeht gäbe es sicherlich Herangehensweisen, die weniger strikt sind als es Mary Gerold-Tucholsky war. Doch so sehr dies für uns neugierige Nachgeborenen, die wir gerne den ganzen Menschen so genau wie nur möglich kennenlernen wollen, die wir gerne verstehen wollen, warum gerade seine Beziehungen zu Frauen so waren, wie sie nunmal waren, die uns sein verhalten manchmal schwer nachvollziehbar bleibt und die wir ahnen, dass Mary Gerold-Tucholsky dazu eine Menge hätte sagen können, unbefriedigend sein mag: Es war zum einen ihr gutes Recht, über ihr Privatleben nicht mehr bekannt zu geben als sie bereit war. Denn schließlich war es auch ihr Leben, waren es auch ihre Gefühle, ihre Verletzungen, ihre Glücksmomente und darüber zu schweigen hat sie jedes Recht der Welt. Auch wenn dies einer Generation Facebook, die für ein Mikrogramm Aufmerksamkeit ihr gesamtes Seelenleben bereitwillig der ganzen Welt zur Verfügung stellt, damit Konzerne ihre Werbung zielgerichteter streuen können, schwer nachvollziehbar sein mag, aber es gibt einen Unterschied zwischen öffentlicher und privater Sphäre. Zum anderen aber halte ich es für einen Glücksfall, dass eben über Jahrzehnte einzig Tucholskys Werk im Fokus stand und damit seine Texte allein es waren, die seinen Nachruhm, seine anhaltende Wirkung begründeten. Wohin sich das allgemeine Interesse entwickelt hätte, hätte Mary Gerold-Tucholsky eine andere Position bezogen, kann erahnen, wer sich mit Lisa Matthias und ihrem unseligen Lottchen-Buch beschäftigt.&lt;br&gt;
Wie viel wiederum aus dem wenigen erkennbar und darstellbar ist, deutete die Lesung Klaus Bellins an. Wer &lt;a href="http://bit.ly/Sojzfo"&gt;dessen Buch&lt;/a&gt; noch nicht gelesen hat&lt;a href="#fn4"&gt;&lt;sup&gt;4&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;, sollte dies umgehend nachholen. Mag es nun Zufall sein oder nicht: Aber zeitgleich zur geplanten Dampferfahrt veranstaltete die NPD mitten in Rheinsberg, in Sichtweite des Schlosses (und unmittelbar vor meiner gewählten Unterkunft) eine „Mahnwache gegen hohe Spritpreise“. So lächerlich dieser Anlass, so langweilig (selbst für Nazis) die Umsetzung mit dem stundenlangen Abspielen einer dreiminütigen Bandschleife auch war – es war wichtig, dort anwesend zu sein, Präsenz zu zeigen und sich entgegenzustellen. Ich bin froh, dass einige Tagungsteilnehmer ebenfalls dort waren. Für mich war auch dies eine Art, an Else Weil zu erinnern. Noch ergriffen von Frau Dr. Pflugs Darstellung ihres Lebens und besonders ihres von Flucht, Internierung und Ermordung geprägten Endes, fand ich es unerträglich, dass ausgerechnet vor dem Schloss, mitten in der Stadt, in der sie ihre vielleicht besten, schönsten Stunden mit Tucholsky verlebte, heute die Nazis stehen und erzählen, eine volks- und raumorientierte Politik würde all unsere Probleme lösen. Das war ich mir, ihrem Andenken und dem Werk des kleinen dicken Berliners, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte.&lt;a href="#fn5"&gt;&lt;sup&gt;5&lt;/sup&gt;&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Und dann gab es noch einen ganz besonderen Moment, für den ich Herrn Böthig überaus dankbar bin: Das Museum hat nämlich einen ganz besonderen Schatz: Die Nr. 1 der ledernen Sonderausgabe von „Rheinsberg“, in eigener Schachtel, gewidmet und mit eigenem Monogramm für Claire Pimbusch. Das Gründungsdokument des Museums sozusagen, in einem exzellenten Zustand und jeden Cent der 10.000 € Anschaffungskosten wert. Ich freue mich auf die angekündigte Faksimile-Ausgabe und bin bis dahin froh, das Buch in den Händen gehalten zu haben. Und damit möchte ich diesen Bericht eines Neumitglieds beenden, denn über den &lt;a href="http://bit.ly/WlIVjm"&gt;Film des Abends&lt;/a&gt; wollen wir lieber den Mantel des Schweigens legen.&lt;br&gt;
Es war mir eine große Freude, an dieser Tagung teilgenommen zu haben. Ich habe selten bereichernde Tage verbracht und durfte viele interessante, begeisternde Menschen kennenlernen. Die durchaus unterschiedlichen Herangehensweisen und Positionen zu Tucholsky stehen durchaus in Korrespondenz zur Vielfältigkeit seines Lebens und Werkes und so freue mich auf viele Jahre gemeinsamer Arbeit und weiterer gemeinsamer Erlebnisse. Und ich hoffe doch, dass der Zufall auch dabei seine Hände im Spiel haben wird.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1120522/Mit-neuen-Augen-Ein-Bericht"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;&lt;/a&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt;aus: Erfolgreiche Leute. In: Werke und Briefe: 1929. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien, S. 10075 (=Digitale Bibliothek, Band 15). Directmedia Berlin 1999. (vgl. Tucholsky-DT, S. 661, Rowohlt Verlag)&lt;br&gt;
&lt;a&gt;&lt;/a&gt;&lt;sup&gt;2&lt;/sup&gt;Hierzu schließe ich mich vollumfänglich der Einschätzung &lt;a href="http://bit.ly/11yxH9L"&gt;Friedhelm Greis&lt;/a&gt;´ an. Und bekräftige meinerseits noch einmal, dass dies Hosfeld nicht anzukreiden ist. Denn es gibt immer noch Menschen da draußen, die Tucholsky nicht kennen (so merkwürdig uns das erscheinen mag) und an jene ist diese äußerst gut zu lesende &lt;a href="http://bit.ly/Tqvlut"&gt;Biographie&lt;/a&gt; gerichtet.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;&lt;/a&gt;&lt;sup&gt;3&lt;/sup&gt;Wer immer in Versuchung geraten sollte, in Tucholsky, der alles in allem wirklich ein großartiger Mann war, einen mustergültigen Heiligen zu sehen, betrachte dieses Kapitel seines Lebens und sollte damit dieser Versuchung widerstehen können. Wenn sich Menschsein durch Fehlerhaftigkeit dokumentiert, so war er wohl nur selten so sehr Mensch.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;&lt;/a&gt;&lt;sup&gt;4&lt;/sup&gt;Bellin, Klaus: &lt;a href="http://bit.ly/Sojzfo"&gt;Es war wie Glas zwischen uns&lt;/a&gt;. Die Geschichte von Mary und Kurt Tucholsky. Verlag für Berlin und Brandenburg. 2. Auflage (1. Aufl. der ungek. Neuausgabe) Berlin 2011.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;&lt;/a&gt;&lt;sup&gt;5&lt;/sup&gt;So Kästners weit bekannte Einschätzung Tucholskys im Vorwort zur 1946er Anthologie „Gruß nach vorn“. Diverse Ausgaben, zuletzt: Kästner, Erich (Hrsg.): &lt;a href="http://bit.ly/TqwhPA"&gt;Gruß nach vorn&lt;/a&gt;. Eine Auswahl. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/02/02/neuen-augen-bericht-15492975/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-01-25:/2013/01/25/the-battle-of-lobbyverbaende-15464667/</id><title>The Battle of Lobbyverbände</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/25/the-battle-of-lobbyverbaende-15464667/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-01-25T17:26:15+01:00</published><updated>2013-01-25T17:26:15+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich bin es so Leid, es ist derart ermüdend, dass ich mich immer wieder dazu durchringe, nichts zu schreiben.&lt;br&gt;
Die Debatten um eine notwendige Anpassung der Urheberrechtssituation an das 21. Jahrhundert (die im Wesentlichen ja Debatten um eine Anpassung der Verwertungsrechtssituation ist), drehen sich derart im Kreis und sind derart vom Nichtverstehenwollen der anderen Seite geprägt, dass es wirklich keinen Spaß macht, sich damit zu beschäftigen.&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Eine Winzigkeit in diesem ganzen Themenkomplex ist dabei das sogenannte &lt;a href="http://bit.ly/TwAxhN"&gt;Leistungsschutzrecht für Presseverleger&lt;/a&gt;, das ich für eine unfassbare Dummheit halte.&lt;br&gt;
Allerdings auch nicht für mehr. Umso mehr stieß mir nun auf, dass in meine Timelines seit einiger Zeit regelmäßig bezahlte Google-Links, vulgo: Werbe-Anzeigen, gespült wurden, die mich aufforderten, »&lt;a href="http://bit.ly/WzFzqp"&gt;mein Netz zu verteidigen&lt;/a&gt;«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und da muss ich jetzt einmal sagen: Wie bitte?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es geht beim Leistungsschutzrecht einzig und allein um Geschäftsmodelle, um die Frage, ob Suchmaschinenanbieter Lizenzgebühren zahlen müssen, wenn sie auf Verlagsangebote verlinken.&lt;br&gt;
Das ist nicht ganz trivial, aber »mein Netz«? Es geht doch wohl eher um Googles Netz. Google möchte gerne ein Maximum an Informationen zur freien Verfügung haben, weil deren Geschäftsmodell darauf beruht &amp;ndash; und nicht, weil sie so große Fans der Meinungsfreiheit sind.&lt;br&gt;
Und hallo? Die Informationsfreiheit ist in Gefahr? Weil im schlimmsten Falle Google etwas zahlen muss? Kleiner haben wirs nicht? Ein Konzern, der im abgelaufenen Jahr &lt;a href="http://bit.ly/V3LsN9"&gt;10 Milliarden Dollar Gewinn&lt;/a&gt; gemacht hat (und damit nur etwas weniger als beispielsweise die gesamte Buchbranche an Umsatz erwirtschaftet) will mir also erzählen, dass wegen ein paar zu erwartender Lizenzgebühren die Informationsfreiheit in Gefahr steht. Logisch.&lt;br&gt;
Nur, liebe Damen und Herren bei Google: Das Netz kümmert sich nicht um große Namen. Die Namen der Gescheiterten sind Legion: Compuserve, GeoCities, Lycos, AOL, Altavista &amp;ndash; die waren alle mal total wichtig fürs Netz. Dachten sie.&lt;br&gt;
Bedroht ist nicht das Netz, schon gar nicht »Mein Netz« &amp;ndash; bedroht ist eure Gewinnspanne. Und das ist etwas ganz anderes.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Dasselbe gilt natürlich auch für die Presseverleger, die mindestens die Pressefreiheit, wenn nicht gleich die ganze Demokratie in Gefahr sehen. Und im Gegensatz zu Google haben die keine so nette PR-Abteilung und schaffen es tatsächlich, in einem David-vs.-Goliath-Setting als die Bösen dazustehen, obwohl sie (Springer hin oder her) gar nicht die Goliaths sind. Es ist kein Zufall, dass das Wort »Qualitätsjournalismus«, einst als Kampfbegriff für die eigene Sache geprägt, heute weitgehend ironisch von der Gegenseite verwendet wird. Was ja auch der Hausheilige dieses Blogs bereits vor 94 Jahren anmerkte:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
Der Zustand ist eben der, daß aus Annoncengeschäft und Nachrichtenübermittlung jene&lt;br&gt;
üble Mischung herauskommt, die sich heute Presse nennt.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Noch einmal zum Abschluss also: Ich halte das Leistungsschutzrecht für einen Irrweg. Aber für keinen Grund, mich vor den Karren eines Riesenkonzerns spannen zu lassen, dessen Interessenlage sich in nichts, in rein gar nichts von der Interessenlage von Springer &amp; Kollegen unterscheidet. Mir macht die Entwicklung durchaus Sorgen, aber zum einen könnte ich mich ja auch irren und wir erleben mit dem Leistungsschutzrecht die Renaissance der deutschen Presselandschaft und zum anderen: Wenn sich ein paar Konzerne darum streiten, wer von wem warum Geld zu bekommen hat, so ist das nicht meine Sache. Und schon gar nicht »mein Netz«.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1111973/The-Battle-of-Lobbyverbnde"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;P.S. Noch ein paar Anspieltipps für all jene in der geneigten Leserschaft, die noch einen Einstieg in die Thematik suchen. Ich verlinke nur solche Beiträge, von denen ich glaube, dass sie einigermaßen ideologiearm der Sache nähern:&lt;br&gt;
Zunächst natürlich der &lt;a href="http://bit.ly/TwAxhN"&gt;Wikipedia-Eintrag&lt;/a&gt; zum Thema, nicht übermäßig ergiebig, aber vielleicht für ganz grundsätzliche Verständnisfragen, worum es überhaupt geht, ganz nützlich.&lt;br&gt;
Stefan Niggemeiers &lt;a href="http://bit.ly/WYG2k4"&gt;Artikelserie&lt;/a&gt; zum Thema. Im Laufe der Jahre schon etwas gewachsen, aber in gewohnter Niggemeier-Erklärbär-Qualität.&lt;br&gt;
Und für alle, die es ganz genau wissen wollen, die viel beachtete Stellungnahme des zuständigen &lt;a href="http://bit.ly/Y3CPCz"&gt;Max-Planck-Instituts&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;&lt;/a&gt;*»Man könnte den Menschen gradezu als ein Wesen definieren, das nie zuhört.« schreibt der Hausheilige in &lt;i&gt;&lt;a href="http://bit.ly/QnFkAE"&gt;Der Mensch&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;br&gt;
&lt;a&gt;&lt;/a&gt;**aus: Sozialisierung der Presse. in: Werke und Briefe: 1919. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien. Digitale Bibliothek Bd. 15, S. 1612 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 2, S. 220)
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/25/the-battle-of-lobbyverbaende-15464667/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-01-24:/2013/01/24/ueberbewertet-15462259/</id><title>Misanthropischer Stoßseufzer</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/24/ueberbewertet-15462259/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-01-24T22:10:24+01:00</published><updated>2013-01-24T22:10:24+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Dieses so genannte echte Leben da draußen wird völlig überbewertet. Da hat die Katze &lt;a href="http://bit.ly/Uo6siz"&gt;völlig Recht&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich meine, da draußen, da gibt es Kälte, Schnee, Regen, Sonne, Hitze, Autos und vor allem: MENSCHEN.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mal ehrlich, wer will denn sowas freiwillig?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1111298/berbewertet"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/24/ueberbewertet-15462259/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-01-16:/2013/01/16/wuenscht-15435182/</id><title>Wünscht euch was</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/16/wuenscht-15435182/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-01-16T21:53:07+01:00</published><updated>2013-04-22T21:19:52+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;2013 wird alles anders. Das ist ja offensichtlich, denn wie wir alle wissen, hat Ende Dezember des Vorjahres eine neue Ära begonnen. Seitdem sind wir alle bessere Menschen geworden und ernähren uns nur noch Lichtenergie. Oder so.&lt;br&gt;
Wenn dem so ist, dann wäre natürlich meine Hypothese, dass der Hausheilige dieses Blogs zu allen Fragen des modernen Lebens eine Antwort bietet, hinfällig. So recht mag ich da aber nicht dran glauben, weswegen sich eines 2013 nicht ändern wird: Es wird weiter kräftigst gehuldigt. Und da keine kultische Handlung ohne Zeremonienmeister auskommt und kein Zeremonienmeister ohne kultige Gegenstände, werde ich im Laufe des Frühjahrs wieder ein paar Texte einsprechen, um sie hernach in silbrig glänzende Rundscheiben zu verwandeln.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Da wir aber ja nun im 21. Jahrhundert leben und dieses Internet angeblich so ein Mitmachdings ist, wo die Crowd gesourct und die Community gebuildet wird, habe ich mir überlegt, ich frage die geneigte Leserschaft, die ja sicher im Laufe der Jahre bereits zu wahren Tucholsky-Kennern geworden ist, nach eventuellen Textwünschen. Ich kann dabei nicht hoch und heilig versprechen, allen Wünschen zu entsprechen (es gibt zum Beispiel einige sehr gute Texte, die ich schlicht nicht so lesen kann, wie es angemessen wäre und &lt;a href="http://bit.ly/SLa6Ve"&gt;Schloss Gripsholm&lt;/a&gt; zum Beispiel wäre mir jetzt eine Nummer zu lang... &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt; )&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wer sich also an Texte erinnert, die es schon einmal zu hören gab oder die gerne gehört werden würden - immer her damit.&lt;br&gt;
Wer noch Texte sucht, sehr umfassend lassen die sich finden bei &lt;a href="http://bit.ly/WJpHzG"&gt;textlog&lt;/a&gt;. Anspieltipps hält die &lt;a href="http://bit.ly/ZYeRYV"&gt;Kurt-Tucholsky-Gesellschaft&lt;/a&gt; bereit.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und wem völlig unklar ist, wie das bei mir so klingt, darf gerne einmal &lt;a href="http://bit.ly/gZIdrl"&gt;hereinhören&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Also, liebe geneigte Leserschaft, ich freue mich auf Vorschläge. Ansonsten ziehe ich am Ende meine Liste und nix ist mit Mitmachen. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1102832/Wnscht-euch-was"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;P.S. Und auch Hinweise wie "Da gab es doch mal was, wo er über [...] schreibt." oder auch "Schrieb er nicht mal irgendwie sowas wie [...], ich komme nur grad nicht auf den Titel." sind gern gesehen. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/16/wuenscht-15435182/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2013-01-05:/2013/01/05/buch-tages-15398261/</id><title>Das Buch des Tages</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/05/buch-tages-15398261/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2013-01-05T16:34:00+01:00</published><updated>2013-01-05T16:36:33+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Den aufmerksamen Feuilleton-Lesern wird es aufgefallen sein: Heute gilt es ein Jubiläum zu feiern. Vor 60 Jahren fand die Uraufführung des &lt;a href="http://bit.ly/TQL4Rw"&gt;Mutterstücks der Postmoderne, des Godfather of Absurdes Theater, des Über-Stücks des 20. Jahrhunderts&lt;/a&gt; statt.&lt;br&gt;
Und im Gegensatz zum zeitgenössischen hiesigen Feuilleton, dessen Reaktionen geeignet sind, so manchem heute geschmähten Autor Hoffnung zumachen, weiß das heutige »Warten auf Godot« in den höchsten Tönen zu loben und seine Bedeutung in Regionen anzusiedeln, in denen jegliche Kritik als Blasphemie zu werten ist.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Anstatt also nun unzählige gleichlautende Artikel in diversen Medien zu lesen, empfehle ich der geneigten Leserschaft den einzig angemessenen Text zu lesen, nämlich das titelgebende Bravourstück aus Frank Fischers güldenem  »Weltmüller«, den ich hier bereits &lt;a href="http://bit.ly/JIZZKW"&gt;wärmstens empfahl&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Für all jene, denen eine der &lt;a href="http://bit.ly/LTMx2Y"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt; zu teuer ist oder zunächst einmal überprüfen möchte wie recht ich habe, für all jene bietet sich die Möglichkeit eines &lt;a href="http://bit.ly/1128fxt"&gt;Free Download&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Also, wie auch immer: Lest dieses Buch (und meinetwegen auch Beckett).&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1091672/Das-Buch-des-Tages"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2013/01/05/buch-tages-15398261/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-12-24:/2012/12/24/weiterhin-is-over-if-you-want-it-15345982/</id><title>Weiterhin: War is Over (If You Want It)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/12/24/weiterhin-is-over-if-you-want-it-15345982/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-12-24T18:00:00+01:00</published><updated>2012-12-24T18:00:00+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;»So this is Christmas / And what have we done?&lt;br&gt;
Another year over / and a new one just begun.«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;In der Tat, es ist ein weiteres Jahr vergangen und erneut darf ein jeder in sich gehen und grübeln, was er oder sie im letzten Jahr so getrieben hat. Für heute möchte ich aber die geneigte Leserschaft in ihrer besinnlichen Stimmung das Weihnachtsfest genießen lassen.&lt;br&gt;
Und da wir ja seit dem 21.12. in einer völlig neuen Ära leben und nun endlich alles ganz anders wird, sei auf diese Zeilen noch einmal besonders hingewiesen:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;strong&gt;And so this is Christmas&lt;br&gt;
For weak and for strong&lt;br&gt;
For rich and the poor ones&lt;br&gt;
The world is so wrong&lt;br&gt;
And so Happy Christmas&lt;br&gt;
For black and for white&lt;br&gt;
For yellow and red ones&lt;br&gt;
Let's stop all the fight&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;




&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Den kompletten Text gibt es &lt;a href="http://tinyurl.com/y9vnc7f"&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich wünsche der geneigten Leserschaft eine besinnliche Weihnachtszeit.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/12/24/weiterhin-is-over-if-you-want-it-15345982/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-25:/2012/11/26/buch-sonntag-15241821/</id><title>Das Buch zum Sonntag (112)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/26/buch-sonntag-15241821/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-26T00:25:35+01:00</published><updated>2012-11-26T00:26:22+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;John Jeremiah Sullivan: Pulphead&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Schubladen sind eine feine Sache. Die Welt wäre viel chaotischer oder zumindest würde sie einen viel chaotischeren Eindruck machen, gäbe es keine Schubladen. Schubladen sind eine sehr große Hilfe beim Sortieren und so nimmt es nicht Wunder, nein: scheint es geradezu zwangsläufig, dass dieses in der physischen Welt so überaus erfolgreiche Konzept auch im Nichtphysischen Anwendung findet. Es fällt uns unglaublich schwer, mit Entwicklungen, Gedanken, Menschen umzugehen, von denen wir nicht wissen wo wir »sie hinstecken« sollen. Aus welcher Richtung kommen die? Was wollen die? Und vor allem: von mir?&lt;br&gt;
Das ist natürlich in einer derart hybriden Welt wie der Kunst, die sich um solcherlei Überlegungen oft überhaupt nicht schert (Oscar Wilde: »Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts.«), schwierig &amp;ndash; was nicht heißt, dass es nicht versucht wird, die zuständigen Lehrstühle überbieten sich gerne egegenseitig in Kategorisierungen auf unterschiedlichsten Ebenen in unterschiedlichsten Aspekten. Und das gilt natürlich auch für Texte. Texte, die sich weigern, die vorgesehenen Schubladen zu respektieren und es unter Umständen sogar noch wagen, die Grenzen zwischen Fiktion und Nichtfiktion aufzuweichen, kommen in die hübsche, bunte Schublade &lt;i&gt;Essay&lt;/i&gt;.&lt;br&gt;
Was natürlich schade ist, denn die Kunst des Essay ist eine hohe, lobenswerte und es gibt Flecken auf der geographischen Karte der Lesenden in denen sie höher im Kurs steht als hierzulande&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;. Um der geneigten Leserschaft eine ungefähre Vorstellung davon geben zu können, was John Jeremiah Sullivan in seinen Texten treibt, werde ich sie auch genau dort einsortieren: Er schreibt Essays.&lt;br&gt;
Sullivan ist Journalist und der Ursprung seiner Texte ist denn auch meist ein journalistischer Impuls. Sei es, dass er auf ein Thema gestoßen wird (»Du, John, schreib doch mal über...«) oder dass es ihn selbst drängt, zu einem Thema zu schreiben. Wie das Journalisten eben so machen. Und so entsteht ein ungemein bunter Strauß Themen, seien es die Nahtoderfahrungen seines Bruders, das Comeback von Axl Rose, »Katrina«, ein Christenrockfestival oder ein exzentrischer, aber brillanter Naturforscher des 19. Jahrhunderts.&lt;br&gt;
Was er aber aus diesen Anreizen macht, ist mit dem üblichen Schubladeninstrumentarium nicht genau zu fassen. Sullivan zieht Parallelen, assoziert, beschreibt, erzählt Anektoden oder analysiert messerscharf.&lt;br&gt;
Sullivan nahm mich bereits mit seinem ersten Text gefangen in dem er von seinen Erlebnissen auf einem Christenrock-Festival berichtet. Einer Veranstaltung unvorstellbarer Größe übrigens. Er berichtet von seinen missmutigen Vorbereitungen, die Anlass für einen Exkurs zur Internet-Paranoia von Eltern (und ihren Kindern) ist, stellt die Typen vor, die auf dem Festival begegnen, versucht, ihre Motivation zu erfassen und dem Lesenden nahezubringen, erzählt nebenbei von seinen eigenen religiösen Erfahrungen, baut en passant eine Analyse der Musik ein, die dort gespielt wird, erklärt die Spielregeln des Business, legt zwischendurch noch einen Abstecher bei einer der Bands ein, weil er die aus früheren Zeiten, als die noch andere und er mehr Musik machten, kennt und kommt schließlich auf die Jungs zurück, die er auf dem Zeltplatz kennenlernte und schaffte es dabei, dass ich für sie doch etwas mehr als nur Kopfschütteln übrig habe.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sullivans Ankunft verlief nicht ganz glatt, ich fasse es mal kurz so zusammen: Er brauchte Hilfe. Und fragte seine Helfer anschließend natürlich, wer sie so seien:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;"Nur ein paar Jungs aus West Virgina, die für Christus brennen", sagte er. "Ich bin Ritter, das hier sind darius, Jake, Bub und Jakes Bruder Josh. Pee Wee springt hier auch irgendwo rum."&lt;br&gt;
"Hinter irgendeinem Rock her", sagte Darius abfällig.&lt;br&gt;
"Ihr hängt hier also ein bisschen rum rettet nebenher Leben?"&lt;br&gt;
"Wir kommen aus West Virginia", sagte Darius ein zweites Mal, als hielte er mich vielleicht für schwer von Begriff. [...] "Die Stelle hatten wir letztes Jahr auch", erzählte Darius. "Ich habe dafür gebetet. Ich habe gesagt: Herrgott, ich hätte diesen Platz wirklich gerne wieder, sofern es Dein Wille ist."&lt;br&gt;
Ich war davon ausgegangen, dass meine Festivaltage einigermaßen einsam ausfallen und im Ritualmord an mir gipfeln würden. Aber diese Jungs aus West Virginia hatten so viel Wärme. Sie strömte gerade zu aus ihnen heraus. Sie fragten mich, was ich so trieb, ob ich Sassafras-Tee mochte und wie viele Leute ich in meinem Wohnmobil mitgebracht hatte. Außerdem kannten sie einen Typen, der auf grauenvolle Weise ums Leben gekommen war und aus einem Bundesstaat kam, der denselben Namen trägt wie der Fluss, an dessen Ufern ich aufgewachsen bin. Und ich bin niemand, der solche Zufälle in Zweifel zieht.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;&lt;a href="#stern2"&gt;(S. 24f.)**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sullivan wirkt in seinen Texten sehr offen, sehr aufmerksam, sehr seinem Gegenüber zugewandt, eben ernsthaft interessiert, was den Versuch des Verstehenwollens überhaupt erst glaubhaft macht. Natürlich taucht er auf, natürlich erfährt der Lesende etwas von seinen Anschauungen, seinen Vorstellungen, aber im Mittelpunkt stehen die anderen. Er nimmt sich auf wunderbare Weise zurück, was die anderen um so mehr leuchten lässt. Die Themen sind meist Anstöße zu einem frei flottierenden Text (Ganz großartig übrigens »Das haus der Peyton Sawyer«, der zum scharfsinnigsten gehört, dass ich je zum Thema "Reality-TV" gelesen habe oder »Das Treiben der Lämmer«, in dem er die Grenzen zwischen allen Genres aufhebt). Ich kenne die USA aus eigener Anschauung nicht. Ich mag mich also irren. Aber Sullivan scheint mir hier ein überzeugendes Porträt abzuliefern und falls nicht, ist es immer noch unglaublich anregend zu lesen. Denn man merkt durchaus: Hier gibt sich einer nicht zufrieden mit dem, was ihm &lt;a href="http://bit.ly/V0Hv99"&gt;Mutter Kultur&lt;/a&gt; vorsetzt, nein, er legt sich durchaus mit ihr an. Er schaut genauer hin, ist im besten Sinne auf der Suche.&lt;br&gt;
Wären journalistische Texte nur so, wir führten keine Debatten um »Qualitätsjournalismus«.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Oder, um es ganz kurz zu machen, wie es der Tagesspiegel in &lt;a href="http://bit.ly/UIT4n9"&gt;seiner Rezension&lt;/a&gt; vormachte: »John! Jeremiah! Sullivan!«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und damit die geneigte Leserschaft meine berückenden Leseerfahrungen nachempfinden kann, muss hier natürlich noch der Hinweis auf die&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/Shc4Kf"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;folgen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/1032689/Das-Buch-zum-Sonntag-112"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;&lt;/a&gt;*Damit der Text nicht zu sehr abschweift: Zeitgenössischer Anspieltipp in deutscher Sprache ist aus meiner Sicht der ungemein luzide &lt;a href="http://bit.ly/S5x7hC"&gt;Franz Schuh.&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
rn2"&gt;**aus: Auf diesen Rock will ich meine Kirche bauen. in: Sullivan, John Jeremiah: Pulphead. Suhrkamp Berlin 2012.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/26/buch-sonntag-15241821/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-17:/2012/11/17/buch-sonntag-15215577/</id><title>Das Buch zum Sonntag (111)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/17/buch-sonntag-15215577/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-17T23:03:06+01:00</published><updated>2012-11-17T23:03:06+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;br&gt;
Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sibylle Berg empfahl ich der geneigten Leserschaft bereits vor Jahren (nämlich als &lt;a href="http://bit.ly/tznCfu"&gt;Nummer 12&lt;/a&gt; und als &lt;a href="http://bit.ly/fxlPy4"&gt;Nummer 23&lt;/a&gt;). Dass ich sie nun ein drittes Mal ans Herz lege, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ich sie gern lese. Wobei diese Aussage es nicht so ganz trifft, insbesondere beim heute zu empfehlenden Buch. Im Kundengespräch würde das in die falsche Richtung führen. Sibylle Berg ist keine Wohlfühlautorin. »Vielen Dank für das Leben« ist vielleicht das Buch von ihr, dass mich am stärksten aufgewühlt hat. Es scheint mir immer noch geprägt von der Wut auf die Welt zu sein, wie sie besonders bei ihren Theaterstücken offenbar wird, aber sie steht nicht mehr allein. Es ist kein Aufschrei, keine proklamierte Anklage, der Roman ist keine Empörungsprosa, sondern viel subtiler &amp;ndash; und damit weit brutaler, weit kompromissloser, weit erschütternder. Hier werden keine Familiengeschichten verständnisinnig mit der deutschen Geschichte verwoben (weswegen sie den Deutschen Buchpreis auch 2012 nicht verliehen bekam), hier gibt es kein Suchen nach Verständnis für Anhänger totalitärer Ideologien, die es ja auch nicht immer leicht haben und ja trozdem auch irgendwie VaterMutterBruderSchwester sind und ja auch irgendwie Gefühle haben. Die alltäglichen Grausamkeiten, denen wir uns täglich aussetzen und die wir täglich begehen, die Furchtbarkeiten, die wir uns täglich gegenseitig antun, weil wir irgendwie durch dieses Leben durchkommen wollen, weil wir eben nur dieses eine Leben haben und möglichst viel davon haben wollen, all die Dinge, die wir bewusst oder aber, noch viel öfter, unbewusst, bzw., was die Sache wahrscheinlich mehr trifft, im Selbstbetrug tun &amp;ndash; das sind die Themen, die in diesem Roman im Vordergrund stehen. "Gern" lese ich das in dem Sinne, dass auch ich natürlich Teil dieser Welt und ihrer Spielregeln bin und ein Korrektiv, ein Wachrütteln, ein Schlag ins Gesicht, ein Finger-in-die-Wunde-legen hilfreich sein kann, die eigenen Prioritäten im Leben, die eigenen Maßstäbe, die eigenen Handlungsmaximen in Frage zu stellen. Wobei Frau Berg nicht nur den Finger in die Wunde legt &amp;ndash; da ist mindestens noch Salz im Spiel. Und ein Messer. Und eine rührende Bewegung. Kurz: Angenehme Kaminlektüre ist was anderes.&lt;br&gt;
Nun sind Dystopien nichts Neues und auch wenn vielleicht literaturtheoretisch &lt;i&gt;Vielen Dank für das Leben&lt;/i&gt; darauf hinauslaufen mag &amp;ndash; in meinen Augen ist es keine. Für eine Dystopie ist das viel zu langweilig &amp;ndash; das Verrückte, das Spannende an diesem Roman ist nämlich gerade, dass es keine Dystopie ist, sondern die Figuren und ihr Umfeld keinerlei Überzeichnung bedürfen, keinerlei Fortführung auf irgendeinen absurden Zustand, auf dass man die innewohnenden Grausamkeiten erkennen möge. Es sind alles durchaus Menschen, die man genau so zu kennen scheint. Die genau so hinter der Nachbarstür, der Wohnungstür, der eigenen Stirn zu wohnen scheinen. Keiner mit überragenden Ambitionen, keiner mit überragender Schlechtigkeit, alle nur mit ihrem eigenen, kleinen Leben beschäftigt, lediglich bestrebt, ihren kleinen Anteil am Glück zu ergattern.&lt;br&gt;
Was das aber heißt, wird erst vor der Folie der Protagonistin klar. Toto, geboren in der DDR, aufgewachsen in einem Heim, von unklarer geschlechtlicher Zuordnung und auch sonst in keine der herkömmlichen Schubladen zu stecken. Toto ist ein Mensch, die nichts zu erreichen sucht, nichts gelten will, die der Welt mit Sanftmut begegnet, wo ihr nur Hass entgegenschlägt. Vor der der Folie dieses unwahrscheinlichen, aber keineswegs unmöglichen Menschen, vor dieser Idee davon, wie Menschen sein könnten, offenbart sich kompromisslos, wer und wie wir sind. Ich mag Toto sehr, ich habe, ganz im Gegensatz zu ihr, fast 400 Seiten lang immer wieder gehofft - auf irgendetwas, ich weiß auch nicht auf was. Allein, es gibt keine Hoffnung.&lt;br&gt;
Lest dieses Buch, schaut in den Spiegel, aber macht euch darauf gefasst, dass euch nicht gefallen könnte, was ihr seht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Großartigkeit von Roman ist in&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/S4KONt"&gt;diesen Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;lieferbar.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/999406/Das-Buch-zum-Sonntag-111"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/17/buch-sonntag-15215577/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-10:/2012/11/10/buch-sonntag-15189368/</id><title>Das Buch zum Sonntag (110)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/10/buch-sonntag-15189368/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-10T23:54:10+01:00</published><updated>2012-11-10T23:54:10+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Umberto Eco: Der Name der Rose&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wenn Wissenschaftler Romane schreiben, muss das keine gute Idee sein. Erst recht nicht, wenn sie sich mit einer Disziplin beschäftigt, die sehr tief in Bedeutungen, in Sprachstrukturen eindringt, kann schnell die Gefahr entstehen, dass der Wissenschaftler über den Romancier triumphiert und am Ende nur ein elaboriertes Konstrukt ohne literarischen Wert entsteht.&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Gelingt es aber, kann daraus ein vielschichtiges, unterhaltsames Werk dabei entstehen, das keine Angst vor der Verfilmung haben muss&lt;a href="stern2"&gt;**&lt;/a&gt;. So wie Ecos Großwerk, das seinen schriftstellerischen Ruhm begründete und das dementsprechend auch weit bekannter ist als etwa seine Auseinandersetzungen mit Roland Barthes.&lt;br&gt;
Dass Eco ein guter Botschafter in eigener Sache ist, beweist schon seine Angabe über den Impuls, dieses Werk zu schreiben. Er habe einen Mönch umbringen wollen. Und in Beantweortung der semiotischen Grundfrage nach dem Verhältnis von Zeichen zur realen Welt, hat er dann auch genau das gemacht.&lt;br&gt;
Es geht in Ecos Roman um merkwürdige Todesfälle in einem mittelalterlichen Kloster. Das ist zumindest der Köder, mit dem er Leser einfängt. Denn in Wirklichkeit ist das nur eine Ebene des Romans, die auch sehr gut funktioniert, man kann den Roman lesen und sich tatsächlich nur für die Frage nach dem Mörder interessiert. Für einen Who-Dunnit wäre dann sicher der Umfang etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man das aber als Schrullen eines talentierten Kriminalromanautors abtut, kommt man damit sehr gut durch. Wenn es aber nur das wäre, hätte es dieser Roman nicht zur eierlegenden Wollmilchsau der Buchbranche geschafft. Es gibt nahezu niemandem, dem dieses Buch nicht zu empfehlen wäre &amp;ndash; der Traum eines jeden Buchhändlers am 23.12. &amp;ndash; weil es nämlich gleichzeitig noch viel mehr ist.&lt;br&gt;
Eco schafft hier eine Symbiose, die ihm sonst nie wieder gelingt und die ich so auch nur selten gefunden habe. Mein Grundstock an Kenntnissen der mittelalerlichen Philosophie und Theologie (die zugegebenermaßen schwerlich zu trennen sind) entstammt diesem Werk und den Dialogen seiner Figuren. Ganz auf die Kraft und Lebendigkeit seiner Charaktere vertrauend, lässt Eco hier seitenweise Dispute führen über Gott und die Welt und wie wohl in dieser am besten zu leben sei. Und das erstaunliche ist - das funktioniert. Als ich den Roman das erste Mal las, gerade frisch an Thomas Manns »Doktor Faustus« gescheitert&lt;a href="#stern3"&gt;***&lt;/a&gt;, konnte ich keinerlei Wissens- oder Erkenntnisvorsprung für mich reklamieren, hatte aber eine große Freude daran.&lt;br&gt;
Dieser Roman wird getragen von einem Esprit, für den ich vielleicht aber auch besonders empfänglich bin. Hier finden Wortgefechte nicht mit offenem Visier statt, hier wird von hinten in die Brust gestochen. Mal eine klitzekleine Kostprobe:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;"[...]Alles hier muß in herrlichstem Glanze erstrahlen..." fügte er an und sah William fest in die Augen, und gleich darauf begriff ich, warum er so stolz darauf beharrte, sein Tun zu rechtfertigen, "denn wir halten dafür, daß es nützlich und gut ist, die Wohltaten Gottes nicht zu verbergen, sondern im Gegenteil offen zu zeigen."&lt;br&gt;
"Gewiß", sagte William höflich, "wenn Eure Erhabenheit es für richtig hält, daß der Herr auf diese Weise gepriesen sei, so hat Eure Abtei die höchste Stufe in dieser Form der Lobpreisung erreicht."&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 182)&lt;a href="#stern4"&gt;****&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Diese Stelle ist noch aus einem anderen Grund interessant, weil sie einen kleinen Einblick in die Vielschichtigkeit des Werkes gibt. Diese kleine Szene kann gelesen werden als das höfliche Gespräch zweier Mönche, die Konversation betreiben. Man kann aber auch die Ironie in Williams Antwort entdecken, die in scharfem Kontrast zum Tonfall steht. Gleichzeitig wirft der Dialog ein Schlaglicht auf eine der wichtigsten Fragen mittelalterlichen Denkens (und damit auch eines der Kernthemen des Buches), nämlich, ob es gottesfürchtig ist, (viel) zu besitzen und dieses auch noch zur Schau zu stellen (es gibt da durchaus diskutable Stellen im Neuen Testament, die des Abtes Sicht auf den ersten Blick nicht zu stützen scheinen). Hierüber kreuzen die beiden sehr wohl gerade die Klingen. Ein weiterer Aspekt, den dieser Dialog zeigt, ist der von Ecos extrem gründlicher Arbeit in diesem Roman. All jene, die das Vergnügen hatten, Latein lernen zu dürfen, werden unschwer in der Satzkonstruktion des Abtes erkannt haben, dass sie geradezu unmittelbar aus dem Lateinischen übersetzt scheint.&lt;br&gt;
Dies soll zur Illustration genügen. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Lieferbar ist das Buch in mannigfacher Form. Und zwar als &lt;a href="http://bit.ly/TmaKUQ"&gt;Taschenbuch&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://bit.ly/RPhIBB"&gt;Hardcover&lt;/a&gt;, &lt;a href="http://bit.ly/STIrP1"&gt;Hörbuch&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://bit.ly/SM3hNQ"&gt;ebook&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/983644/Das-Buch-zum-Sonntag-110"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Ähnliches gilt natürlich auch für &lt;a href="http://bit.ly/RPaVba"&gt;Libretti&lt;/a&gt;. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;Die (Über-)mächtigkeit des Bildmediums ist ein beliebtes Debattenthema. Ich gebe gerne zu, dass die Verfilmungen die Chance haben, ein Publikum eher und direkter zu ergreifen. Meine Berufserfahrung lehrt mich allerdings, dass eine Verfilmung keineswegs zwangsläufig von der Lektüre des Buches abhält. Ganz im Gegenteil. Verfilmte Bücher haben auch langfristig erheblich bessere Chancen, im Bewusstsein zu bleiben. Eben weil ein vergleichsweise kurzes Vergnügen wie ein Film durchaus die Möglichkeit haben, öfter wahrgenommen zu werden und auf diese Weise als Erinnerungsfaktor wirkt. Das ist im Prinzip nichts anderes als Werbung. Und wenn der Film gut gemacht ist, macht er langfristig auch oft Lust aufs Buch. Natürlich ist aber eine Literatur-Rezeption, die nach der Rezeption der Verfilmung erfolgt eine ganz andere. Gilt aber auch vice versa.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;Das war im jugendlichen Übermut, 14, vielleicht 15 Jahre alt, gerade mit Begisterung die Buddenbrooks gelesen und noch in der Vorstellung gefangen, wenn man ein Werk eines Autoren gelesen habe, seien die anderen ebenso leicht zu lesen...&lt;br&gt;
&lt;a&gt;****&lt;/a&gt;zitiert aus: Eco, Umberto: Der Name der Rose. Erweiterte Ausgabe mit Ecos Nachschrift und dem Kommentar von Burkhard Kroeber. Zweitausendeins. Frankfurt/Main. 2000&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/10/buch-sonntag-15189368/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-07:/2012/11/07/a-night-to-remember-15177999/</id><title>A Night to Remember</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/07/a-night-to-remember-15177999/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-07T22:11:30+01:00</published><updated>2012-11-07T22:11:30+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich habe gestern ungefähr 8 Stunden Wahlberichterstattung gesehen und fühlte mich gut unterhalten. Es war eine Wahl, die mein Leben nur peripher berührt, zu der ich mit meiner Stimme nichts beitragen konnte und deren Regeln ich mir noch einmal durchlesen musste.&lt;br&gt;
Trotzdem blieb ich bis nachts um 4 Uhr wach, weil ich mit Menschen zusammen war, die ebenso interessiert und begeistert waren &amp;ndash; und weil das Fernsehprogramm es hergab.&lt;br&gt;
Die Leier davon, dass in den USA alles viel besser und toller sei, ist hinlänglich bekannt und ich bin wahrlich niemand, der dieses Lied anstimmen wird. Und es geht mir auch gar nicht um die USA und ihr merkwürdiges Wahlsystem (das man übrigens nur so lange für merkwürdig hält, bis man versucht, das deutsche System zu erklären). Natürlich, dass ausgerechnet diese Menschen sich ausgerechnet an diesem Tag anlässlich ausgerechnet dieser Wahl trafen und Hamburger en masse verdrückten, ist kein Zufall.&lt;br&gt;
Warum aber, fragte ich mich im Laufe des Abends, warum eigentlich treffen wir uns nicht zur Bundestagswahl genauso? Ziehen uns Unterstützer-T-Shirts an, essen passende Speisen und lassen uns vom Fernsehprogramm den Wahlverlauf nachvollziehen?&lt;br&gt;
Ich habe gestern im Wesentlichen ZDF geschaut &amp;ndash; und mir hat das gefallen. Man hat sich viel Mühe gegeben, Stimmungen in den USA einzufangen. Natrülich in den beiden Wahlkampfzentren, aber eben auch auf den Straßen, in Kneipen, auf Plätzen. Im Studio war zwar der eine oder andere Politiker zu sehen und zu hören, aber das hielt sich in Grenzen und die Nonchalance, mit der Frank-Walter Steinmeier am Ende des Interviewblocks zum Essen geschickt wurde, hat mich sehr beeindruckt. Es war eben vor allem dies: Der Abwechslungsreichtum der Gäste, die kurzen Blöcke, die erfrischenden oder sachlichen Kommentare der Nichtberufspolitiker. Es war eine große Show, in deren Mittelpunkt eine demokratische Wahl stand. Ja mehr als das: Der Souverän selbst. Es war eine Show, die sagte: Es ist toll, wählen zu dürfen, es ist toll, sich dafür zu begeistern und ja, verdammt, das sollte man auch feiern.&lt;br&gt;
Und das wünsche ich mir jetzt vom ZDF für die nächste Bundestagswahl. Was hier vielleicht aus der Not geboren war, weil natürlich kein relevanter Politiker zu greifen war (die waren alle bei CNN, so langweilig sah es da dann auch aus &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt; ), ist vielleicht einfach eine Tugend. Denn hey, es geht bei der Wahl gar nicht um die Mandatsträger, es geht um den Souverän. Und den sollten wir dann wenigstens alle vier Jahre mal in den Mittelpunkt stellen. Die immer gleichen Gesichter mit den immer gleichen Antworten auf die immer gleichen Fragen können wir uns dann ja ab Montag wieder ansehen und anhören. Aber der Wahlsonntag gehört dem Volk. Ich möchte da mehr Geschichten sehen. Geschichten von Menschen, die erzählen, warum sie wählen oder warum eben auch nicht. Welche Ideen sie von dem Land haben, in dem sie leben, welche Träume sie träumen, welche Themen ihnen wichtig sind. Und hin und wieder eine kluge, einordnende, sortierende, wichtende Stimme. So, wie ich das heute nacht sehen durfte.&lt;br&gt;
Bitte, meine Damen und Herren vom ZDF, überlasst die Elefanten-, Mammut- und Maultierrunden doch den anderen. Da freuen die sich, wenn sie einen großen Namen mehr haben, der die allbekannten Worthülsen von sich gibt (Wahlpartyidee: Wahlabendfragenbingo mit Klassikern wie "Es standen landespolitische Themen im Mittelpunkt" vs. "Diese Wahl ist richtungweisend für den Bund." und "So früh am Abend kann man noch keine endgültigen Aussagen treffen." vs. "Das ist ein deutlicher Denkzettel für die [passende Regierung einsetzen]" und natürlich mit dem Joker "Sie glauben doch nicht, dass meine SPD..."). Erinnert euch an diese Nacht, die hat Spaß gemacht, die hat Lust gemacht auf Demokratie.&lt;br&gt;
Und am Tag nach der Wahl dürfen dann auch die Analysten ran und ihre Arbeit tun. Wir aber, wir wollen feiern, dass wir wählen können und dürfen. Wer ist mit dabei? Wenn das ZDF nicht mitspielt, schauen wir im Herbst 2013 eben CNN. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das letzte Wort gehört dem Hausheiligen dieses Blogs:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Denn winsch ick Sie ooch ne vajniechte Wahl! Halten Sie die Fahne hoch! Hie alleweje! Un ick wer Sie mal wat sahrn:&lt;br&gt;
Uffjelöst wern wa doch...  rejiert wern wa doch ...&lt;br&gt;
Die Wahl is der Rummelplatz des kleinen Mannes! Det sacht Ihn ein Mann, der det Lehm kennt! Jute Nacht –!&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p&gt;aus: Ein älterer, aber leicht besoffener Herr. in: Tucholsky, Kurt: Werke, Briefe, Materialien. (=Digitale Bibliothek, Bd. 15). Werke und Briefe: 1930. Directmedia Berlin, 1999, S. 7677 (vgl. Tucholsky-GW Bd. 8, S. 215)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/977922/A-Night-to-Remember"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/07/a-night-to-remember-15177999/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-05:/2012/11/05/wuenscht-gute-verzeihen-15170679/</id><title>Wünscht Ihm alles, alles Gute – und soll verzeihen.</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/05/wuenscht-gute-verzeihen-15170679/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-05T23:10:20+01:00</published><updated>2012-11-05T23:10:20+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich habe den Hausheiligen dieses Blogs hier schon des öfteren zu Wort kommen lassen. Meist mit mehr oder weniger spitzen Kommentaren zu Politik, Gesellschaften und dem Menschen als solchen. Anlässlich der jüngst stattgefundenen Tagung der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft, die sich in Rheinsberg dem anlässlich des Ortes durchaus naheliegenden Thema "Tucholsky und die Frauen" widmete, nahm ich mir seinen Abschiedsbrief an Mary Gerold-Tucholsky, seine zweite Ehefrau&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt; , wieder einmal vor. Er schickte diesen Brief, nur wenige Tage vor seinem Tod geschrieben, nicht ab. Und es ist dies ein so berührender Text, dass wir Nachgeborenen Mary Gerold dankbar sein dürfen für Ihre Bereitschaft, ihn veröffentlichen zu lassen.&lt;br&gt;
Doch nun genug von mir, bis auf den zarten Hinweis auf das &lt;a href="http://bit.ly/Sojzfo"&gt;maßgebliche Buch zum Thema&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;An Mary Gerold-Tucholsky&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;[Hindås]                              [den 19. Dezember 1935]&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sollte Er verheiratet oder ernsthaft gebunden sein, so bitte ich Ihn, diesen Brief ungelesen zu vernichten. Ich mag mich nicht in ein fremdes Glück drängen – ich will ja nichts. Ich habe nichts zu enthüllen, nichts zu sagen, was Er nicht besser wüßte als ich. Ich habe Ihn nur um Verzeihung bitten wollen. Verspricht also zu verbrennen, wenn das so ist – es soll nichts mehr aufgerührt werden.&lt;br&gt;
                                    Wünscht Ihm das Glück&lt;br&gt;
                                    N.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Liebe Mala,&lt;br&gt;
will Ihm zum Abschied die Hand geben und Ihn um Verzeihung bitten für das, was Ihm einmal angetan hat.&lt;br&gt;
Hat einen Goldklumpen in der Hand gehabt und sich nach Rechenpfennigen gebückt; hat nicht verstanden und hat Dummheiten gemacht, hat zwar nicht verraten, aber betrogen, und hat nicht verstanden.&lt;br&gt;
Ich weiß, daß Er nicht rachsüchtig ist. Was er damals auf der Rückfahrt nach Berlin durchgemacht hat; was späterhin gewesen ist –: ich habe es reichlich abgebüßt. Ganz klar, so klar wie das Abbild in einem geschliffenen Spiegel, ist mir das ganz zum Schluß geworden. Nun kommt alles wieder, Bilder, Worte [. . .] und wie ich Ihn habe gehen lassen – jetzt, wo alles vorüber ist, weiß ich: ich trage die ganze, die ganze Schuld.&lt;br&gt;
[. . .] Und jetzt sind es beinah auf den Tag sieben Jahre, daß weggegangen ist, nein, daß hat weggehn lassen – und nun stürzen die Erinnerungen nur so herunter, alle zusammen. Ich weiß, was ich in Ihm und an Ihm beklage: unser ungelebtes Leben.&lt;br&gt;
Wäre die Zeit normal (und ich auch), so hätten wir jetzt ein Kind von, sagen wir, 12 Jahren haben können, und, was mehr ist, die Gemeinsamkeit der Erinnerungen.&lt;br&gt;
Hat nicht mehr zu rufen gewagt. Hofft, daß Er meiner Bitte auf dem Umschlag entsprochen hat – das andere wäre nicht schön. Ich darf also annehmen, daß, wenn Er dies liest, er nicht ein Glück stört, das ich mir nicht habe verdienen können.&lt;br&gt;
Nein, zu rufen hat nicht mehr gewagt. Ich habe aus leicht begreiflichen Gründen niemals irgendwelche »Nachforschungen« angestellt; ob Er verheiratet ist, hätte man mir sagen können – das andere nicht. Und hat vor allem nicht gewagt, weil Ihn nun noch ein zweites Mal aus der Arbeit und allem nicht hat herausreißen dürfen –: ist krank und kann sich nicht mehr verteidigen, geschweige denn einen andern. Mir fehlt nichts Wichtiges und nichts Schweres – es sind eine Reihe kleiner Störungen, die mir die Arbeit unmöglich machen. Ins Elend, das sicher gewesen wäre, konnte Ihn nicht herausrufen – ganz abgesehen davon, daß ich niemals gehofft habe, ob gekommen wäre.&lt;br&gt;
Doch. Hat gewußt.&lt;br&gt;
Wäre Er jetzt gekommen, Er hätte nicht einen andern, aber einen verwandelten, gereifteren gefunden. Ich habe über das, was da geschehen ist, nicht eine Zeile veröffentlicht – auf alle Bitten hin nicht. Es geht mich nichts mehr an. Es ist nicht Feigheit – was dazu schon gehört, in diesen Käseblättern zu schreiben! Aber ich bin au dessus de la mêlée, es geht mich nichts mehr an. Ich bin damit fertig.&lt;br&gt;
Und so viel ist nun frei geworden, jetzt, jetzt weiß ich – aber nun nützt es nichts mehr. Hat anfangs Dummheiten gemacht, den üblichen coup de foudre für 2.50 francs, halbnötige Sachen und hat auch gute Freundschaften gehabt. Aber ich sehe mich noch nach Seiner Abfahrt im Parc Monceau sitzen, da, wo ich mein Paris angefangen habe – da war ich nun »frei« – und ich war ganz dumpf und leer und gar nicht glücklich. Und so ist es denn auch geblieben.&lt;br&gt;
Seine liebevolle Geduld, diesen Wahnwitz damals mitzumachen, die Unruhe, die Geduld, neben einem Menschen zu leben, der wie ewig gejagt war, der immerzu Furcht, nein, Angst gehabt hat, jene Angst, die keinen Grund hat, keinen anzugeben weiß – heute wäre sie nicht mehr nötig. Heute weiß. Wenn Liebe das ist, was einen ganz und gar umkehrt, was jede Faser verrückt, so kann man das hier und da empfinden. Wenn aber zur echten Liebe dazu kommen muß, daß sie währt, daß sie immer wieder kommt, immer und immer wieder –: dann hat nur ein Mal in seinem Leben geliebt.&lt;br&gt;
Ihn.&lt;br&gt;
[. . .] Hat eine lächerliche »Freiheit« auf der andern Seite vermutet, wo ja in Wahrheit gar nichts ist. Hat immer stiller und stiller gelebt, jetzt ist wie an den Strand gespült, das Fahrzeug sitzt fest, will nicht mehr.&lt;br&gt;
Will Ihn nur noch um Verzeihung bitten.&lt;br&gt;
Ich bin einmal ein Schriftsteller gewesen und habe von S. J. geerbt, gern zu zitieren. Wenn Er wissen will, wie sich das bei den Klassikern ausnimmt, so lies den Abschiedsbrief nach, den Heinrich von Kleist an seine Schwester geschrieben, in Wannsee, 1811. Und vielleicht auch blättere ein bißchen im ›Peer Gynt‹ herum, ich weiß nicht, ob wir das Stück zusammen gesehen haben, es ist nicht recht aufführbar. Da kraucht der Held gegen den Schluß hin im Wald herum, kommt an die Hütte, in der dieses Schokoladenbild, die Solveig, sitzt, und sie singt da irgend etwas Süßliches. Aber dann steht da: »Er erhebt sich – totenbleich« – und dann sagt er vier Zeilen. Und die meine ich.&lt;br&gt;
»O – Angst« . . .  nicht vor dem Ende. Das ist mir gleichgültig, wie alles, was um mich noch vorgeht, und zu dem ich keine Beziehung mehr habe. Der Grund zu kämpfen, die Brücke, das innere Glied, die raison d'être fehlt. Hat nicht verstanden.&lt;br&gt;
Wünscht Ihm alles, alles Gute –&lt;br&gt;
und soll verzeihen.&lt;br&gt;
                                                                         Nungo&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p&gt;aus: Werke und Briefe: 1935. Tucholsky: Werke, Briefe, Materialien (=Digitale Bibliothek, Bd. 15), Directmedia Berlin 1999, S. 12250-12254 (vgl. Tucholsky-BA, S. 591-594) (c) Rowohlt Verlag &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Zum Nachlesen als &lt;a href="http://bit.ly/VvhJ1M"&gt;.pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Und seine zweite gescheiterte Ehe, nichtsdestotrotz die einzige Frau, bei der mit Fug und Recht wohl von einer lebenslangen Verbundenheit gesprochen werden kann, und zwar beiderseits.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/975539/Wnscht-Ihm-alles-alles-Gute-und-soll-verzeihen-"&gt;&lt;br&gt;
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&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/05/wuenscht-gute-verzeihen-15170679/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-11-03:/2012/11/03/buch-sonntag-14152664/</id><title>Das Buch zum Sonntag (109)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/03/buch-sonntag-14152664/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-11-03T23:03:17+01:00</published><updated>2012-11-03T23:03:17+01:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Jean-Paul Sartre: Wege der Freiheit&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sartre war für mich, wie die geneigte Leserschaft möglicherweise &lt;a href="http://bit.ly/NDrBir"&gt;bereits bemerkt hat&lt;/a&gt;, eine der prägendsten Lektüreerfahrungen. Das hängt sicher nicht nur mit dem bei der jugendlichen Lektüre von Existentialisten nicht seltenen Epiphanie-Erlebnis&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt; (was sich in diesem Falle vielleicht am besten mit »Aber natürlich, das macht alles keinen Sinn!« umschreiben ließe) zusammen.&lt;br&gt;
Den Zyklus "Wege der Freiheit" halte ich aber auch heute für nichts weniger als ein literarisches Meisterwerk - zumindest was die abgeschlossene Trilogie betrifft - der vierte Band ist zu sehr Fragment.&lt;br&gt;
Sartre gelingt es hier, in jedem Band eine andere Erzähltechnik einzusetzen - und zwar jedes Mal hervorragend passend zur erzählten Geschichte.&lt;br&gt;
Im Mittelpunkt der Reihe, insbesondere in den ersten beiden Bänden, steht der Philosophie-Lehrer Mathieu nebst einigen Personen seines Umfeldes. Wir begegnen ihnen zunächst 1938, ungefähr 2 Tage lang im Juni, dann im Herbst, kurz vor dem Münchener Abkommen und schließlich nach der französischen Niederlage.&lt;br&gt;
Während also Band 1 sehr kleinteilig, wenn auch weit von &lt;a href="http://bit.ly/T9n9K4"&gt;Ulysses&lt;/a&gt; mit seinem intertextuellen Ozean entfernt, so doch erzählerisch sicher nicht unbeeinflusst, und sehr detailliert die 48 Stunden erzählt und es an tiefgründigen Gesprächen und weitreichender Charakterzeichnung nicht mangeln lässt, dabei allerdings, sicher nicht zuletzt aufgrund der historischen Situation, durchaus dynamisch bleibt, wechselt er in Band 2 in eine völlig andere Erzählweise. Hier, wo er eine unsichere, unklare Situation, eine verunsicherte Gesellschaft zeigen will, erschafft er ein höchst komplexes Gebilde aus zum Teil sehr fragmentarischen Erzählstücken. Dies erfordert natürlich ein durchaus aufmerksames Lesen, gibt aber ein sehr überzeugendes, mitreißendes Bild. Band 3 wird dann geradezu tagebuchhaft, insbesondere da, wo er die Lagersituation schildert.&lt;br&gt;
Es mag meiner jugendlichen Begeisterungsfähigkeit geschuldet sein, aber ich stehe auch heute noch dazu: Für mich handelt es sich bei »Wege der Freiheit« um einen der gelungensten Versuche, eine philosophische Weltsicht in Romanform zu gießen. Im Gegensatz zu vielen sonstigen Versuchen, verlagert er nicht einfach ein sokratisches Gespräch in die Romanhandlung, so dass die Figuren ein philosophisches Seminar nachstellen, sondern der Existentialismus und sein zentrales Thema, die Freiheit menschlichen Handelns und sein Verhalten zur Welt, sind integraler Bestandteil von Handlung und Struktur.&lt;br&gt;
Sartre schafft es, sowohl eine Zeitstimmung einzufangen, quasi ein gesellschaftliches Standbild zu zeichnen&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt; und gleichzeitig überaus lesbar ein Kunstwerk zu schaffen, das über die erzählte Geschichte hinaus geht. Die Dramatik der Situation kommt ihm dabei sicher zugute, was aber ja nicht schlimm ist, ganz im Gegenteil.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Wer diese faszinierende und prägende Lektüreerfahrung nachvollziehen möchte, kann das mit Hilfe der&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/REaq1q"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;tun.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/972269/Das-Buch-zum-Sonntag-109"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;siehe hierzu z.B. &lt;a href="http://bit.ly/NDANFb"&gt;Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;Mit noch mehr quantitaivem Aufwand und weit weniger philosophischer Dichte gelingt das übrigens Ilja Ehrenburg in seinm "&lt;a href="http://bit.ly/Pu3PdQ"&gt;Der Fall von Paris&lt;/a&gt;", der die Zeit unmittelbar vor und nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris beschreibt und wie so oft bei Ehrenburg mehr Zeitdokument als großer literarischer Wurf ist.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/11/03/buch-sonntag-14152664/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-10-14:/2012/10/14/symbolischer-akt-15042910/</id><title>Ein symbolischer Akt</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/10/14/symbolischer-akt-15042910/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-10-14T21:51:52+02:00</published><updated>2012-10-14T21:53:30+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich war am Freitag etwas verdutzt. Es war so diese typische "Aha?"-Reaktion bei Dingen, deren Einschätzung zunächst schwer fällt. Die Entscheidung des norwegischen Nobelpreiskomitees, den Friedensnobelpreis 2012 der Europäischen Union zuzuerkennen, machte mich im ersten Moment etwas sprachlos.&lt;br&gt;
Im zweiten sah die Sache schon etwas freundlicher aus, heute, ein paar Tage später, wäre ich sogar bereit, diese Entscheidung zu verteidigen.&lt;br&gt;
Zunächst einmal sei angemerkt, dass es in der Riege der Nobelpreise nur zwei gibt, über die öffentlich und nahezu von jedermann debattiert wird: Denjenigen für die Literatur und den Friedensnobelpreis. Ich finde das erstaunlich. Ich kenne in meinem Umkreis niemanden, der mit mir über die Preiswürdigkeit eines Quantenphysikers oder Zellforschers diskutiert. Da scheint es eine Hemmschwelle zu geben. Merkwürdigerweise aber sind Literaten, auch ohne dass man eine Zeile von ihnen gelesen hat oder jemals ihren Namen zuvor hörte, unmittelbar zum Abschuss freigegeben. Ich finde das erstaunlich. Ich gestehe gerne zu, dass es im Gegensatz zu den Preisträgern in den exakten Wissenschaften bei der Literatur oder dem Friedensnobelpreis eine erhebliche Unschärfe gibt, die Leistungen keineswegs genauso exakt einzuschätzen sind. Aber mit welcher Chuzpe sich manche Menschen hinstellen und rundheraus das Urteil einer Fachjury abqualifizieren, obwohl sie, da sie ja keine Zeile des Preisträgers oder der Preisträgerin kennen, hier genauso inkompetent sind wie im Falle der Physik, das erstaunt mich jedes Jahr aufs Neue. Da lobe ich mir einen Reich-Ranicki, der offen sagt: Ich kenne den Autoren nicht, ich kann dazu &lt;a href="http://bit.ly/RpKM0D"&gt;nichts sagen&lt;/a&gt; (und ich lobe mir Herrn Reich-Ranicki sonst eher selten ; )&lt;br&gt;
Ganz ähnliches gilt auch für den Friedensnobelpreis. Ich halte es für das mindeste, sich doch zumindest einmal mit den Werk und den Tätigkeiten zu beschäftigen, ehe man sich über eine Entscheidung echauffiert, die immerhin von Menschen getroffen wurde, die genau das getan haben. Anschließend kann man dann immer noch zu einer abweichenden Einschätzung kommen.&lt;br&gt;
Aber zurück zum Freitag, zurück zur EU.&lt;br&gt;
Ausgezeichnet wird die Europäische Union von einer Jury, die außerhalb derselben lebt und arbeitet, von einer Jury, die offenbar staunt über dieses Projekt.&lt;br&gt;
Es mag uns, die wir hier leben und tagtäglich geradezu unerträgliche Worthülsen über die Europäische Union hören (und das ist mit der Preisverleihung nicht gerade besser geworden &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt; ), schwer fallen, diese Auszeichnung zu verstehen. Doch ich gebe hier etwas zu bedenken:&lt;br&gt;
Egal, wie unwürdig sich die Politiker auf der europäischen Bühne jetzt auch geben mögen (das Trauerspiel um die Repräsentantenfrage für den 10. Dezember war so vorhersehbar wie peinlich) und damit unser Bild von Europa prägen wollen &amp;ndash; nicht nur sie sind die EU. Die EU, das sind auch die halbe Milliarde Menschen, die hier leben. Die Europäische Union ist die überraschend erfolgreiche Umsetzung der Idee, nach Jahrhunderten der Kriege untereinander, es mal mit Gesprächen zu versuchen. Ich glaube, wenn wir uns einmal ganz kurz verinnerlichen, wie es nach 1945 gelungen ist, den immer gleichen, den mindestens seit dem Aufkommen der Nationalidee wiederholten Kreislauf von Kriegen unter den immer gleichen Parteien um die immer gleichen Flecken Erde, die mal der eine dem anderen und dann der andere wieder dem ersten wegnahm, was zu erneutem Rachegeschrei führte, zu durchbrechen, welch erstaunliche Leistung, welch große historische Ausnahme das in der Tat ist. Und auch wenn ich mir im Klaren darüber bin, dass es sehr handfeste ökonomische Gründe für diese Entwicklung gibt - es gab eben diese handfesten ökonomischen Gründe auch für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und es gab sie auch für zwei Weltkriege. Es wurden hierzulande Dinge auch schon einmal anders geregelt als über gemeinsame Mittagessen und tagelange Gipfel.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Kurz gesagt:&lt;br&gt;
Ich bin dankbar für sechs Jahrzehnte Frieden hier. Sorgen wir dafür, dass noch etliche hinzukommen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/939987/Ein-symbolischer-Akt"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/10/14/symbolischer-akt-15042910/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-10-08:/2012/10/08/traumwelten-bilder-werk-karl-mays-15035760/</id><title>Traumwelten: Bilder zum Werk Karl Mays</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/10/08/traumwelten-bilder-werk-karl-mays-15035760/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-10-08T12:02:28+02:00</published><updated>2012-10-14T21:03:37+02:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;img src="http://www.karl-may.de/images/titelbilder_gross/00179.jpg" width="195" height="177" alt="" title="Schmid et.al.: Traumwelten III"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Quelleneditionen sind die Grundlagenforschung der historischen Disziplinen. Wo Physiker Higgs-Teilchen jagen, suchen Historiker (d.h. die nicht unbedingt, es sind nicht selten ihre &lt;a href="http://bit.ly/RpOtH5"&gt;hilfreichen Geister&lt;/a&gt;) nach Dokumenten aller Art aus der Vergangenheit. Und wie sich das für Grundlagenforscher gehört, zunächst einmal ganz ohne damit irgendeine konkrete Frage zu beantworten. Quelleneditionen sollen im Gegenteil die Möglichkeit bieten, Fragen zu stellen. Es ist nicht selten so, dass sich Fragen überhaupt erst durch ein intensives Quellenstudium eröffnen.  Sprich: Haben wir erst einmal die Quellen, werden sich die Fragen schon finden.&lt;br&gt;
Unter der Herausgeberschaft von Lothar und Bernhard Schmid sind im Karl-May-Verlag drei opulente Bände erschienen, die versuchen, ein möglichst umfassendes Bild von Illustrationen zum Werk Karl Mays zu zeichnen. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern zumindest für einen großen Teil Europas. Und auch wenn die Edition aus den verschiedensten Gründen keineswegs vollständig ist, bietet sie doch das Material für die eine oder andere kulturwissenschaftliche Qualifizierungsschrift.&lt;br&gt;
Der Karl-May-Verlag selbst, auch 50 Jahre nach der &lt;a href="http://bit.ly/W4PVkR"&gt;Gemeinfreiheit&lt;/a&gt; für die Werke des Namensgebers unbestrittener Hort seines Werkes, verfolgt in Sachen Illustration einen strikten Kurs (also, nicht so strikt, dass man nicht für die eine oder andere Sonderausgabe mal von abweicht, aber ganz prinzipiell und in den Gesammelten Werken): Sie verzichten darauf (vom Unschlag mal abgesehen).&lt;br&gt;
Damit wären nur sehr schwer drei Bände zu füllen, aber es gab selbstverständlich schon immer Lizenzausgaben, bei denen das anders gehandhabt wurde und seit 1962 konnte sowieso jeder machen, was er will. Im heute zu besprechenden Band 3 fallen die Werke denn auch in diesen Zeitraum, da hier alle Künstler verzeichnet sind, deren Erstillustration zu Karl May ab 1931 datiert. Ich hatte mich hier auf ein kulturhistorisch vielfältiges Werk gefreut &amp;ndash; und war erstaunt. Wir reden hier immerhin über doch sehr unterschiedliche Jahrzehnte in verschiedensten politischen Systemen in mehreren Ländern &amp;ndash; doch die Wiederkehr der immer gleichen Stereotypen erstaunte mich. Auch wenn es tatsächlich sehr unterschiedliche Darstellungen in Technik und Aussage zu entdecken gibt und die verschiedensten künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts prinzipiell auftauchen &amp;ndash; die Masse der Darstellungen sind doch Variationen der immer gleichen Bilder. Und damit meine ich nicht unbedingt die Motivwahl, sondern tatsächlich die Art und Weise der Darstellung. Eine mögliche Erklärung wäre sicher, dass man sich an vorangegangen Illustrationen orientierte. Dies ist auch tatsächlich oft der Fall, wie die Autoren des Bandes sehr schön herausarbeiten. Die Querverweise zwischen den verschiedenen Illustratoren sind nicht nur Schwerpunkt bei der Auswahl der Bilder, sondern tatsächlich auch ein klarer Pluspunkt für das Buch, da man hier klar über eine simple Chronistenpflicht hinausgeht und dem Lesenden einen echten Mehrwert vermitteln kann. Möglicherweise, dies aber ist meine Spekulation, liegt das auch in der Natur der Sache. Immerhin ist Karl May ein Meister des Stereotyps. Seine Figuren sind klar gezeichnet, Gut und Böse bereits zu Beginn einer Lesebiographie meist souverän voneinander zu scheiden und es ist ja gerade diese Plastizität, die Klarheit und Eindeutigkeit seiner Beschreibungen, die seinen langen Erfolg begründeten. Auch wenn sicherlich nicht jeder Lesende 1:1 dieselben Bilder vor Augen hatte - es gibt Autoren, die lassen mehr Freiraum für die eigene Phantasie.&lt;br&gt;
Meine eigenen Lektüreerfahrungen beschränken sich auf ein knappes Dutzend seiner WildWest-Romane und eine Handvoll Kara-Ben-Nemsi-Titel, ich kann hier also kein abschließendes Urteil über sein Werk liefern. Gleichzeitig sind es aber doch meist diese Werke, die in nennenswerter Weise publiziert und illustriert wurden, so dass ich es zumindest für eine überlegenswerte Hypothese halte. Aber ich möchte hier ja den Kulturwissenschaftlern ihre Themen nicht wegnehmen. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
Weniger überraschend übrigens scheint mir der geringe Einfluss der Verfilmungen auf die Illustrationen zu sein - denn hier scheint mir der Weg genau anders herum zu sein: Die Verfilmungen orientierten sich an den vorhandenen Bildern. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
Etwas merkwürdig muten allerdings die versuchten Qualitätsurteile der Autoren an. Zwar weisen sie pflichtschuldigst darauf hin, dass es sich um rein persönliche Einschätzungen handelt, aber man wäre doch auf einen Kriterienkatalog gespannt gewesen wesen. Ein reines Geschmacksurteil ist doch ein bisschen öde, wenn auch sicher zeitgemäß. Es mag der Tradition des Hausverlages geschuldet sein, dass die Worturteile nicht in Sterne umgesetzt wurden, aber letztlich läuft es genau darauf hinaus (die Abstufungen lauten dann eben nicht soundsoviel Sterne, sondern zum Beispiel "solide", "durchschnittlich", "überragend" oder, das schien mir das höchste Gütesiegel zu sein, "kongenial"). Das hätte man sich sparen können. Hier werden Qualitätsunterschiede einfach behauptet, was sicher sehr bequem ist und Diskussionen ausschließt, aber eben auch keinen Erkenntnisgewinn bringt.&lt;br&gt;
Abschließend sei also gesagt: Es handelt sich hier um ein Schatzkästlein, wenn nicht für jeden kulturhistorisch interessierten, so doch zumindest für all jene, die Karl May zur eigenen Lesebiographie zählen und es birgt bei allen Wiederholungen so manche Überraschung, denn immerhin zählt allein der Band III 80 verschiedene Illustratoren unterschiedlichster Provenienz auf (z.B. überraschten mich sowohl &lt;a href="http://bit.ly/QecFI6"&gt;Sowa&lt;/a&gt; als auch &lt;a href="http://bit.ly/P2R36Y"&gt;Hegenbarth&lt;/a&gt; als May-Illustratoren).&lt;br&gt;
Ein Buch also, das man gerne mal zur Kaminzeit in die Hand nehmen kann oder als Gesprächseinstieg für die traute Rotweinrunde. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;erschienen 2010 im &lt;a href="http://www.karl-may.de"&gt;&lt;img src="http://content-media.static.epidu.net/bdb/de-site/uploads_media/publishers/f0ee68264e0f4fd2aaa0925443ecc3d0/logo/f0ee68264e0f4fd2aaa0925443ecc3d0.logo.jpg" width="86" height="58" alt="Karl-May-Verlag" title="Karl-May-Verlag"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bestellt werden kann es hier:&lt;a href="http://www.karl-may.de/modules/produkt.php?nummer=B-00179"&gt;&lt;img src="http://www.karl-may.de/images/titelbilder_gross/00179.jpg" width="65" height="59" alt="" title="Schmid et.al.: Traumwelten III"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das Rezensionsexemplar wurde zur Verfügung gestellt über das empfehlenswerte und hochinteressante Projekt &lt;a href="http://www.bloggdeinbuch.de/"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/company_media/images/logos/BdB-logo-small2.jpg" alt="" title="Blogg Dein Buch"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bibliographische Daten:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Lothar und Bernhard Schmid (Hrsg.), Stefan Schmatz: Traumwelten - Bilder zum Werk Karl Mays. Band III. Illustratoren und ihre Arbeiten seit 1931. Karl-May-Verlag Bamberg 2010. ISBN 978-3-7802-0179-9&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/939953/Traumwelten-Bilder-zum-Werk-Karl-Mays"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/10/08/traumwelten-bilder-werk-karl-mays-15035760/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-08-08:/2012/08/08/frank-westerman-schicksal-weissen-pferde-14416141/</id><title>Frank Westerman: Das Schicksal der weißen Pferde</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/08/08/frank-westerman-schicksal-weissen-pferde-14416141/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-08-08T23:52:42+02:00</published><updated>2012-08-23T13:41:35+02:00</updated><content type="html">	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://www.chbeck.de/9329191"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/uploads_media/books/4ab487185df8496191e37e22276295df/front_cover/4ab487185df8496191e37e22276295df.front_cover.jpg" width="123" height="200" alt="" title="Westerman: Schicksal der weißen Pferde"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich halte die Kulturgeschichte für eine spannendsten Entwicklungen der Geschichtsschreibung. Wo es in der politischen Geschichte immer nur um Könige, Kaiser und andere Potentaten geht, kann die Kulturgeschichte aus dem Vollen schöpfen. Und so können Tee, Salz oder Kaffee im Mittelpunkt des Interesses stehen, genauso gut aber auch die Entwicklung des Aborts im Wandel der Zeiten oder eben des Menschen Verältnis zu Tieren. Die daraus zu gewinnenden Erkenntnisse sind nicht minder aufschlussreich als die Winkelzüge Metternichs oder die strategischen Großtaten Ramses II.&lt;br&gt;
Mit großen Erwartungen ging ich also an die Lektüre von Frank Westermans &lt;em&gt;Schicksal der weißen Pferde&lt;/em&gt;, das im Untertitel nicht weniger verspricht als &lt;em&gt;eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts&lt;/em&gt; sein zu wollen.&lt;br&gt;
Westerman wird vom Verlag als &lt;em&gt;Meister der literarischen Reportage&lt;/em&gt; eingeführt und das scheint mir auch recht zutreffend zu beschreiben, was im Buch passiert. Es handelt sich dabei nämlich keineswegs um eine konzise, umfassende und strukturierte Darstellung seine Sujets, sondern vielmehr um eine Beschreibung seiner Annäherung an das Thema, seine Recherchen, Gespräche und Reisen.&lt;br&gt;
Im Zentrum steht das Schicksal der Lippizaner, einst der ganze Stolz der Habsburger Doppelmonarchie und durchaus Symbol des herrschaftlichen Selbstverständisses. Die edelste und schönste Rasse der Pferde, gezüchtet in verschiedenen Teilen des Vielvölkerreichs und ureigenste Erfindung desselben.&lt;br&gt;
Ausgangspunkt Westermans eigenen Interesses scheint der Lippizanerhengst seines Reitlehrers (Conversano Primula) zu sein, dessen Erwerb in den Niederlanden seinerzeit eine kleine Sensation war. Ausgehend von dessen Stammbaum führt er durch die Zeitläufte des 20. Jahrhunderts, zeigt auf, welche Sonderrolle die Lippizaner immer spielten, insbesondere als Statussymbol - und zwar sowohl für die Nationalsozialisten wie für Tito oder die Republik Österreich. Immer wieder unterbricht er dies mit Exkursen in frühere Jahrhunderte (in denen die Lippizaner ähnlichen Status genossen), die Geschichte der Genetik und Züchtung oder mit Berichten über seine Reisen zu Orten und Menschen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das ist alles sehr gefällig zu lesen, gelegentlich sogar wirklich spannend - aber eine Aussage, eine Idee, eine Botschaft suchte ich vergebens. Außer zwei Dingen: Es schimmert durch alles, wenn es nicht simple Pferdenarrheit ist, ein Antispeziezistischer Ansatz, der interessant und diskutabel wäre, würde er denn formuliert.&lt;br&gt;
Und Westerman mag offenkundig keine Russen. Im Gewande des sowjetischen Soldaten tauchen sie mehrfach in seiner Darstellung auf, während aber alle Akteure sonstiger ethnischer Herkunft, egal wie sie die Pferde nachher behandelten, so doch ihren symbolischen Wert jederzeit anerkannten, so tauchen die sowjetischen Soldaten stets nur auf, um sie als Lasttiere oder künftige Speise zu behandeln.&lt;br&gt;
Ganz übel stieß mir jedoch folgender Satz auf, der aus einer eigenen (also nicht aus Quellen entnommenen) Schilderung einer Massenszene vor Stalin entstammt:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Nachdem das Klappern der Hufe verklungen war, trat eine Hundertschaft Iwans an:&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt; (S. 214)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Sorry, aber so etwas geht gar nicht. Ich erwarte von einem Werk, das in irgendeiner Form als Geschichtswerk ernst genommen werden soll, dass Abwertungen ganzer Völker unterbleiben. Was ansonsten im Buch zu finden ist, mag als tendenziös bezeichnet werden können, aber &lt;em&gt;Iwan&lt;/em&gt; als Bezeichnung für sowjetische Soldaten frei zu wählen, ist mindestens unseriös.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Im Ganzen bleibt mir das ganze Buch viel zu bruchstückhaft, es fehlt eine Linie, ein Faden, eine Idee, der all die, durchaus interessanten, durchaus gut erzählten Versatzstücke zusammenfügt. Es entsteht so keine Einheit, kein Werk, das seinen Untertitel wirklich rechtfertigt.&lt;br&gt;
Aber für verschiedene Aspekte, gerade des Mensch-Tier-Verhältnisses und die politische Rolle von Wissenschaft in den letzten 150 Jahren vermag das Buch durchaus bereichernd wirken.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;erschienen 2012 bei &lt;a href="http://www.chbeck.de/"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/uploads_media/publishers/41eaeab6eef5457c81853c75d3f6e265/logo/41eaeab6eef5457c81853c75d3f6e265.logo.jpg" width="100" height="25" alt="C.H. Beck" title="C.H. Beck"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bestellt werden kann es hier:&lt;a href="http://www.chbeck.de/9329191"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/uploads_media/books/4ab487185df8496191e37e22276295df/front_cover/4ab487185df8496191e37e22276295df.front_cover.jpg" width="63" height="100" alt="" title="Westerman: Schicksal der weißen Pferde"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Das Rezensionsexemplar wurde zur Verfügung gestellt über das empfehlenswerte und hochinteressante Projekt &lt;a href="http://www.bloggdeinbuch.de/"&gt;&lt;img src="http://www.bloggdeinbuch.de/company_media/images/logos/BdB-logo-small2.jpg" alt="" title="Blogg Dein Buch"&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bibliographische Daten:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Frank Westerman: Das Schicksal der weißen Pferde. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts. C.H. Beck München 2012.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/855553/Frank-Westerman-Schicksal-der-weissen-Pferde"&gt;&lt;br&gt;
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&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/08/08/frank-westerman-schicksal-weissen-pferde-14416141/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-07-16:/2012/07/16/buch-sonntag-14115011/</id><title>Nachgereicht: Das Buch zum Sonntag (108)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/16/buch-sonntag-14115011/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-07-16T21:33:25+02:00</published><updated>2012-07-16T21:33:25+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die gestern begonnene Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Tschingis Aitmatow: Die Richtstatt&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Mit dem heutigen Roman gehe ich wieder sehr weit zurück in meiner Lesebiographie. Es dürften fast zwanzig Jahre sein, was im Übrigen bedeutet, dass ich viel zu jung war, um den Roman in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu erfassen.&lt;br&gt;
Dass ich ihn aber trotzdem las und mich noch heute erinnere, scheint mir aber ein gutes Zeichen zu sein. Zumindest bedeutet es, dass dieses großartige Buch auch lesbar ist ohne intime Kenntnisse kirgisischer Verhältnisse in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die hatte ich im Alter von 13 oder 14 Jahren nämlich nicht im Geringsten.&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Aitmatow verwebt hier mehrere Geschichten. Zum einen die Rahmenhandlung der Wölfin Akbara, zum anderen von Awdi Kallistrow und Boston Üküntschijew, die beide aus unterschiedlichen Gründen mit ihrer sozialen Umwelt in Konflikt geraten. Für mich erweist sich Aitmatow hier als ein Meister der Perspektivwechsel. Es ist erstaunlich&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;, wie es ihm gelingt, die entscheidenden Szenen des Romans als Verknüpfungspunkte nutzend, ganz unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselben Geschehnisse zu entwickeln. Dabei bewegen ihn durchaus die ganz großen Fragen. Vor den Augen der Wölfin spielt sich eine dramatische Veränderung der Umwelt ab. So tauchen einmal bei der Jagd auf Antilopen Hubschrauber auf, aus denen Menschen auf zusammengetriebene Herden schießen, damit das Planziel in Sachen Fleischproduktion erreicht werden kann, wobei dann nicht nur Antilopen sterben. Und Akbaras Flucht aus der Steppe an einen Bergsee bringt nicht einmal für den Rest ihres Lebens Ruhe.&lt;br&gt;
Was in meiner kurzen Beschreibung wie ein platte Parabel klingt, ist in Wirklichkeit eine differenzierte, feinsinnige, dichte, dramatische Erzählung, die sich zudem in ihrer ganzen Verflechtung erst im Laufe des Lesens erschließt. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive, immer wieder erscheinen eben noch schlüssige Situationen plötzlich völlig sinnlos, geradezu grotesk unsinnig.&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Woher sollten die Steppenwölfe wissen, daß im Gebiet ständig Anrufe von oben kamen, Forderungen des Augenblicks? Und wenn ihr's aus der Erde stampft, der Plan für das Fleischaufkommen muß erfüllt werden. Schluß mit den Ausreden, der Fünfjahresplan geht zu Ende, was sagen wir dem Volk, wie es mit dem Plan steht, mit dem Fleisch, mit den Verpflichtungen?&lt;br&gt;
"Der Plan wird auf jeden Fall erfüllt", antwortete die Gebietsverwaltung, "in der nächsten Dekade. Es gibt noch örtliche Reserven, wir machen Druck, wir fordern ..."&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Steppenwölfe aber, angeführt von der Wölfin Akbara, schlichen zu dieser Stunde ahnungslos ihrem ersehnten Ziel entgegen; lautlos in den weichen Schnee tretend, näherten sie sich der letzten Position vor dem Angriff, hohem Rohrgras, drängten sich hinein, sahen selber fast wie bräunliche Grasbüschel aus. Von hier aus konnten sie alles überblicken. Eine riesige Herde von Steppenantilopen mit weißen Flanken und kastanienbraunem Rücken weidete, noch ohne eine Gefahr zu spüren, in dem weiten Tamariskental, fraß gierig das Gras mit dem frischen Schnee. Akbara wartete noch ab, sie mußte abwarten, damit sie sich vor dem Angriff alle konzentrierten, alle gleichzeitig aus der Deckung sprangen, sich sofort in die Verfolgungsjagd stürzten, dann würde die Jagd selbst die Manöver diktieren.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 28)&lt;a href="#stern3"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es erscheint mir nicht immer sinnvoll, kulturelle Hintergründe eines Autors in den Vordergrund zu rücken - im Falle Aitmatows möchte ich sie aber zumindest einbeziehen. Eine ernsthafte Urbanisierung, ja eigentlich sogar nennenswerte Seßhaftigkeit, entstand in Zentralasien, insbesondere in Kasachstan und Kirgisien, erst mit dem Beginn der Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt wurde Aitmatow geboren - er entstammt also einer zutiefst nomadisch geprägten Kultur, was natürlich Spuren in der Erzählweise, in den Motiven und, das scheint mir hier besonders wichtig, der Weltsicht, hinterlässt. Wie auch bei &lt;a href="http://bit.ly/L478XM"&gt;Tschinag&lt;/a&gt; zeigt sich hier eine tiefverbundener, ganzheitlicher Blick auf die Welt, stets auf der Suche nach dem Gleichgewicht zwischen allem Sein.&lt;br&gt;
Das macht einen großen Teil des Reizes aus, denn dieser Blick ermöglicht ein geradezu seismographisches Gespür für Veränderungen und Entwicklungen, die dem Einzelnen und im Einzelnen völlig normal, gut, richtig oder sinnvoll wirken, im Großen, in der Weite des Blicks jedoch katastrophale Auswirkungen zeitigen. Es ist diese Weite des Blicks, die mich bei Aitmatow fasziniert, denn er bildet sich auch in seinem wunderbaren Sprachgefühl, in seiner großen Erzählkonstuktion ab. Und hey, man wird nicht &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aitmatow"&gt;Botschafter&lt;/a&gt;, wenn man nicht mit Sprache umzugehen versteht. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die hier verwendete Übersetzung ist derzeit nicht lieferbar, sehr wohl jedoch die zeitgleich jenseits des Eisernen Vorhangs erschienene, und zwar in dieser&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/PahOnn"&gt;lieferbaren Ausgabe.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/741364/Nachgereicht-Das-Buch-zum-Sonntag-108"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Und auch heute sind meine Kenntnisse höchst peripher. Interessant dabei übrigens der Anknüpfungspunkt: Ich las kurz zuvor mit großer Begeisterung W. Jans &lt;a href="http://bit.ly/OvGZMi"&gt;Mongolen-Trilogie&lt;/a&gt; und suchte nach Anschlusslektüre. Nunja, und in der Richtstatt taucht bereits auf der ersten Seite &lt;a href="http://bit.ly/PX1BDi"&gt;Issyk-Kul&lt;/a&gt; auf...&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;Welch schwache Übersetzung für &lt;i&gt;astonishing&lt;/i&gt; - fällt jemandem was passendes ein?&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;zitiert aus: Aitmatow, Tschingis: Die Richtstatt. (=Reclams Universal-Bibliothek Band 1239) Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1988.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/16/buch-sonntag-14115011/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-07-09:/2012/07/09/buch-sonntag-14069738/</id><title>Nachgereicht: Das Buch zum Sonntag (107)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/09/buch-sonntag-14069738/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-07-09T10:31:00+02:00</published><updated>2012-07-09T10:35:56+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die gestern begonnene Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Alexandra Tobor: Sitzen vier Polen im Auto&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Kindheitsgeschichten (nicht: Kindergeschichten) zu schreiben gehört zu den literarischen Versuchen, die selten gelingen und falls doch, dann meist kaum Anerkennung bringen. Zu banal, zu einfältig, zu eindimensional scheinen die Gedankenwelten von Kindern, als dass deren Darstellung zu hohem feuillotinistischen Ansehen berechtigte. Ich halte aber genau diese Disziplin zu einer der höchsten Ansprüche überhaupt, denn um eine Kindheitsgeschichte glaubhaft erzählen zu können, ist ein radikaler Perspektivwechsel nötig. Es gilt ja nicht einfach nur die Seiten zu wechseln, ein paar Nuancen der Wahrnehmung und Interpretation zu verschieben, sondern vielmehr ein völlig anderes Werte- und Denksystem anzunehmen. Kinder denken und werten anders. Sich daran aus eigener Erfahung erinnern und hineinfühlen zu können, ist weit schwieriger als dies gemeinhin angenommen werden mag.&lt;a href="stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Keine Kindheit ist wirklich unbeschwert, weil das Leben nie unbeschwert und sorgenfrei ist, kann es eine Kindheit auch nicht sein. Kinder sind genauso von Ängsten, Sorgen und Sehnsüchten erfüllt wie es erwachsene Menschen auch sind. Aber es mögen andere Ängste, Sorgen und Sehnsüchte sein. Wir lernen Alexandra Tobors Protagonistin 1986 kennen als Kind in der polnischen Provinz mit einem erheblichen Hang zum Dramatischen, was ihr in unangenehmen Situationen hilft, aus eben diesen auszubrechen, wenn sie sich nicht anders auflösen. Wir verlassen sie wieder etwa 6 Jahre später, nach ihrer Kommunion in einer deutschen Vorstadt.&lt;br&gt;
Natürlich ist die Geschichte dazwischen voller grotesker, teils absurder Situationen, wie sie entstehen müssen in einer Welt, in der ein Quelle-Katalog zum Inbegriff des Paradieses wird, wo leere Cola-Dosen als Trophäen in der Glasvitrine landen, wo schlußendlich eine Familie in ein verheißungsvoll ersehntes Land auswandert, dessen Sprache und kulturellen Codes ihnen völlig fremd sind.&lt;br&gt;
Wäre es nur dies, ich würde das Buch hier nicht empfehlen. Was nämlich Alexandra Tobor ganz hervorragend gelingt, ist, die Perspektive des Kindes zu schildern, ohne in kindliche Sprache zu verfallen. Und auch wenn dabei Thomas-Mann- und Cicero-Jünger eher nicht auf ihre Kosten kommen, so ist das doch sehr überzeugend gelungen. Es sind berührende Szenen, in denen die Tragik der Diskrepanz zwischen Hoffnungen, Erwartungen und dem letztlich klaren Nichterwünschtsein durchscheint. Frau Tobor läßt ihre Protagonistin einfach nur erzählen, sie analysiert nicht, sie ist nicht die Erwachsene, die rückblickend ihre Kindheit reflketiert, sondern sie erzählt einfach nach, was dieses Kind sieht und empfindet. Und genau das macht die Stärke dieses Buches aus.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Während der Weihnachtsfeier in ihrer Schule wird ihre Mutter von der Mutter einer polnischen Klassenkameradin angesprochen und aus diesem Dialog möchte ich kurz zitieren:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;»Pschsch!«, zischte Frau Kowalski. »Ich bin keine von euch ... Wir sind schon vor fünf Jahren gekommen und haben hart dafür gearbeitet, Deutsche zu werden. Wir haben was &lt;em&gt;geleistet&lt;/em&gt;, verstehen Sie? Wir wollen mit den anderen Spätaussiedlern nicht in einen Topf geworfen werden. Es kann ja sein, dass Sie eine gebildete Frau waren in Polen, darum rede ich überhaupt mit Ihnen.« [...]&lt;br&gt;
»Sie müssen sich schon anpassen, wenn Sie hier ein ruhiges Leben haben wollen, meine Liebe. Ich kaufe meiner Ewa zum Beispiel nur Markenkleidung. Das ist hier ziemlich wichtig.«&lt;br&gt;
»Ich persönlich finde es wichtiger, dass aus meiner Tochter ein anständiger Mensch wird«, sagte Mama.&lt;br&gt;
»Sehen Sie? Und genau deswegen hat Ewa Freunde und Ihre Tochter nicht. Entschuldigen Sie mich« - sie schaute auf ihre goldene Armbanduhr -,»wir müssen jetzt gehen. Mein Mann holt uns gleich ab.«&lt;br&gt;
»Es war nett, Sie kennenzulernen«, sagte Mama knapp, und Frau Kowalski erhob sich, um Ewa in die Jacke zu helfen.&lt;br&gt;
»Sie hat uns nicht mal gefragt, ob sie uns mitnehmen kann«, sagte Mama, als die beiden außer Hörweite waren. »Dieser Frau mangelt es völlig an Kultur. Polin will sie nicht sein, aber das macht sie nicht zur Deutschen. Sie ist überhaupt nichts.« In Momenten größter Enttäuschung erinnerte mich Mama an Oma Greta.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 162ff.)&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es ist eine schlichte Szene und doch steckt die ganze Tragik des Kampfes um die eigene Würde darin, den die Familie nach ihrer Auswanderung ausficht. Dass sie diesen Weg nicht psychologisierend, nicht analysierend, nicht überdramatisiert darstellt&lt;a href="#stern3"&gt;***&lt;/a&gt;, dafür bin ich ihr sehr dankbar. Diese Geschichte eines jungen Mädchens, das in eine völlig neue Welt gerät, in der die Menschen noch merkwürdiger sind als in der Welt, die sie verließ, und die doch dort sein möchte und willens ist, ihren Platz zu finden, ohne sich aufzugeben - diese Geschichte ist in der Lage viel mehr Augen zu öffnen als so manch elaboriertes kulturwissenschaftliches Werk.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Zum Abschluß noch eine Szene, die mir persönlich sehr nahe ist:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Papa hatte schon mehrere Vorstellungsgespräche erfolglos hinter sich gebracht. Hinterher hat er uns immer erzählt, wie sie gelaufen waren. Wenn ein Arbeitgeber auf seine guten Abschlussnoten zu sprechen kam, behauptete Papa, die hätten nichts mit seinem Können zu tun. Dass er in der Schule Russisch gelernt hatte, gab er zu; dass er sich selbst Englisch begebracht hatte, verschwieg er. Nach seinen persönlichen Interessen berfragt, zuckte er nur die Schultern, als hätte er die Frage nicht verstanden. Warum sollte es einen Arbeitgeber interessieren, dass er gern Bücher über die Funktionsweise von Computern las, wenn er am Ende bloß Fernseher reparieren würde?&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 168f.)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich hoffe, nie darüber lachen zu können.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und natürlich soll auch heute nicht der Hinweis auf die&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/NhTV8o"&gt;lieferbare Ausgabe&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;fehlen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/734896/Nachgereicht-Das-Buch-zum-Sonntag-107"&gt;&lt;br&gt;
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	&lt;p&gt;P.S.&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;»Schorle!«, sagte Dominik entschlossen.&lt;br&gt;
»Was ist das?«&lt;br&gt;
»Was? Du kennst Schorle nicht?«&lt;br&gt;
»Nie gehört.«&lt;br&gt;
»Hahaha! Wie kann man das nicht kennen?«&lt;br&gt;
Ich zuckte mit den Schultern. Dominik sprang auf und griff zur Mineralwasserflasche und zum Apfelsaft, die beide auf dem Tisch standen. Das Glas, das ich ihm gereicht hatte, füllte er nur zur Hälfte mit Apfelsaft, dann goss er bis zum Rand Mineralwasser nach, bis das Glas fast überschwappte.&lt;br&gt;
»DAS ist Schorle«, sagte er stolz.&lt;br&gt;
»Soso, die Deutschen sparen also auch«, hörte ich Oma unter der Nase murmeln.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 204)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ullstein platziert dieses Werk in einem Segment, in dem "humorvoll und augenzwinkernd" (vulgo: schenkelklopfend) Kulturen aufeinander prallen dürfen. Meist bewegen sich dort dann die Helden mit der kulturellen Empathie eines Obelix ("Die spinnen, die [Volksstam]"). Was bei Jan Weiler zumindest ja stilistisch noch gefällig war und gelegentlich sogar fein beobachtet, gerät dort häufig zum bloßen Klischeefestival. Wogegen ich nichts sagen will, Selbstbestätigung verkauft sich immer gut. Allerdings tut man Frau Tobors Buch damit Unrecht, es gehört dort nicht so recht herein (auch wenn es hier natürlich, wie oben erwähnt, einiges zu lachen gibt) und das wird eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrem Werk nicht eben befördern. Allerdings sei dem zuständigen Lektorat unterstellt, dass man wenig Möglichkeiten sah, das Buch anderweitig zu platzieren (und nicht selten muss man ja schon im Haus kämpfen, wenn kein passendes Etikett zur Verfügung steht), es aber wichtig genug fand, um es trotzdem zu bringen. Möge das Buch also als Trojaner wirken und all jene zum Nachdenken bringen, die es sich auf ihren Klischeesofas mit dem "Diesindsounddiesindanders"-Muster allzu bequem gemacht haben.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Als kleine Übung dazu betrachte man doch einmal "die Jugend" und versuche sich ernsthaft vorzustellen, keinen Deut anders gewesen zu sein. Fällt schwer, aber wenn man nicht völlig der Hybris erliegt, schon immer besser als der Rest der Welt gewesen zu sein, führt kein Weg an der bitteren Erkenntnis vorbei, dass man selbst tatsächlich ziemlich genau so gewesen ist. Möglicherweise mit anderem Vokabular, möglicherweise mit anderen modischen Varianten - aber nicht wesentlich. Wäre dem so, klagten nicht sämtliche Quellen zu diesem Thema über die Verdorbenheit der Jugend - und zwar seit Erfindung der Schrift. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;zitiert aus: Tobor, Alexandra: Sitzen vier Polen im Auto. Ullstein Taschenbuch. Berlin 2012.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;Man denke nur an Julia Francks "&lt;a href="http://bit.ly/NdMxOj"&gt;Rücken an Rücken&lt;/a&gt;", wo es immer noch ein Trauma mehr sein muss.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/09/buch-sonntag-14069738/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-07-01:/2012/07/01/buch-sonntag-14012691/</id><title>Das Buch zum Sonntag (106)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/01/buch-sonntag-14012691/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-07-01T23:35:36+02:00</published><updated>2012-07-01T23:35:36+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Jonathan Franzen: Freiheit&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die &lt;a href="http://bit.ly/LcNo4z"&gt;englischprachige Wikipedia&lt;/a&gt; führt diesen Roman als einen Anwärter auf den wohl ewig vakanten Titel der "Great American Novel". Inwieweit dies berechtigt ist, mögen die zuständigen Amerikanisten und sonstige Berufene entscheiden. Unstrittig scheint mir aber zu sein, dass dem Lesenden hier ein Panaroma der USA nach dem Elftenseptember geboten wird. Oder sagen wir genauer: Franzens Panorama.&lt;br&gt;
Ich habe dieses Roman von Sigrid Löffler empfohlen bekommen. Also, nicht persönlich, aber sie war seinerzeit bei uns in der Buchhandlung und stellte dort einige Bücher zum Thema Vater-Sohn-Konflikte vor. Bemerkenswerterweise halte ich genau diesen Konflikt nicht einmal für den stärksten Aspekt des Buches.&lt;br&gt;
Aber fangen wir vorne an.&lt;br&gt;
Franzen beschreibt die Familiengeschichte der Berglunds, genauer des Paares Patty und Walter Berglund nebst ihren beiden Kindern. Wohlsituiert und liberalen Geistes geraten sie durchaus in Konflikt mit ihrer zunehmend proletarischen und weit weniger liberalen Wohngegend. Gerade die Beschreibung dieses Prozesses der Veränderung in den Leitgedanken der US-amerikanischen Gesellschaft fand ich sehr faszinierend. Indem er einen Bogen von der Jugend Pattys und Walters bis zu den ersten Erwachsenenjahren ihrer Kinder schlägt, wird das sehr deutlich. Wo in ihrer Jugend noch Freiheitsgedanken, Nachhaltigkeitsideen und Liberalität  - überhaupt Ideale, vorherrschten, wirkt in der Gegenwart des Romans alles in Vordergründigkeit, Hinterhältigkeit, Ehrlosigkeit erstarrt. Rockstars ohne Botschaft, Militäraustatter, die dem Militär schaden und Umwelschutzorganisationen, die Wälder roden und Berge sprengen. Irgendwie wirkt alles falsch und verlogen in der Bush.jr.-Ära.&lt;br&gt;
Und doch ist das nicht so einfach. Denn die große Politik, die großen Namen, die großen Konflikte - sie tauchen gar nicht selbst auf. Sie sind das Hintergrundgeräusch einer Geschichte, die sich im kleinen Rahmen abspielt. Es sind nur ganz wenige Personen, die Franzen agieren lässt, ein enger Kreis mit durchaus wenigen Handlungsorten. So sind es dann auch die Details, die Kleinigkeiten, die scheinbaren Trivialitäten - die kleinen Nachbarschaftsstreits um zu laute Musik und zerstochene Reifen, über streunende Katzen den besten Kuchen der Straße, nicht zu vergessen: die Gespräche in der Küche oder auf der Terrasse, anhand derer er sein Gesellschaftsporträt zeichnet.&lt;br&gt;
Dabei kommt dann wirklich die Frage auf, ob das nicht auch alles schon früher? so gewesen sei. Wie diese Frage zu beantworten ist, überlasse ich der geneigten Leserschaft und der eigenen Lektüre - allerdings halte ich Franzens Position für eindeutig bestimmbar. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;br&gt;
Es sind verschiedene Lebensentwürfe, die Franzen hier konkurrieren läßt, die er einander gegenüberstellt und ihre Wechselwirkungen untersucht. Und genau dort stößt eben auch der von Frau Löffler angesprochene Vater-Sohn-Konflikt hinein - aber genau das ist es: Wir haben es hier nicht mit einem Vater-Sohn-Buch zu tun, sondern eher mit dem literarischen Versuch, eine verunsicherte, sich verändernde Gesellschaft zu erfassen, die in scheinbarer RBesinnung auf ihre Grundsätze genau diese aufgibt, weil sie sie nicht mehr lebt.&lt;br&gt;
Unabhängig davon ist es aber eine Freude, Franzen zu lesen, weil er pointiert zu schreiben versteht. Ich möchte einmal eine Stelle herausgreifen, noch weit am Anfang des Romans, die aber zeigt, wie er mit wenigen Sätzen Figuren entwerfen und erfassen kann:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Jeder wusste, dass Patty an der Ostküste, in einem Vorort von New York, aufgewachsen war und eines der ersten Vollstipendien für Frauen bekommen hatte, um an der University of Minnesota Basketball zu spielen, wo sie es, das ging aus einer Urkundentafel an der Wand von Walters Arbeitszimmer hervor, in ihrem zweiten Studienjahr in das virtuelle Team der zweitbesten Spielerinnen ganz Amerikas geschafft hatte.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 8f.)&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und es sind da ein paar wunderbare Spitzen zu finden, sei es, gegen Charaktere (btw: erinnert sich noch jemand an &lt;a href="http://bit.ly/O8zGyu"&gt;diese IKEA-Werbung&lt;/a&gt;?):&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Merrie, zehn Jahre älter als Patty, und jedes einzelne davon sah man ihr an, hatte sich früher für die linke Studentenorganisation SDS in Madison engagiert und engagierte sich jetzt sehr in Sachen Beujolais nouveau.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 11)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;oder gegen Kollegen:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Er zog den Roman hervor, den seine Schwester ihm zu Weihnachten geschenkt hatt, &lt;em&gt;Abbitte&lt;/em&gt;, und bemühte sich, an den Beschreibungen von Zimmern und Pflanzungen ein Interesse zu entwickeln&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 444)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;NUTZE DEINE FREIHEIT WOHL lässt Franzen über dem College stehen, das Pattys Tochter besucht. Das könnte gut und gerne auch Motto des ganzen Buches sein. Letztlich nämlich geht es um genau diese Fragen: Was ist Freiheit für jeden einzelnen? Wie kann, wie soll er sie nutzen? Und was heißt das für alle anderen?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Glücklicherweise hat Franzen darüber keinen naseweisen Essay geschrieben, sondern einen im besten Wortsinne unterhaltenden Roman, der überdies in diesen&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/MBofzL"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;leicht zu erhalten ist.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/728803/Das-Buch-zum-Sonntag-106"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="stern1"&gt;*&lt;/a&gt;zitiert aus: Franzen, Jonathan: Freiheit. Rowohlt Digitalbuch. Reinbek 2010
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/07/01/buch-sonntag-14012691/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-06-24:/2012/06/24/buch-sonntag-13928671/</id><title>Das Buch zum Sonntag (105)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/24/buch-sonntag-13928671/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-06-24T13:44:27+02:00</published><updated>2012-06-24T13:46:04+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die heute beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Christa Wolf: Kassandra&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;In einem an Selbstgefälligkeit kaum zu überbietenden &lt;a href="http://bit.ly/MjftEj"&gt;Interview mit dem Deutschlandradio&lt;/a&gt; anlässlich seines &lt;a href="http://bit.ly/MGjIKF"&gt;neu erschienenen Buches&lt;/a&gt; über "verbotene" Literatur kündigte Werner Fuld ein baldiges Vergessen des literarischen Schaffens Christa Wolfs an.&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Das erscheint mir etwas voreilig, steht sie doch derzeit recht fest im Lektüreplan sowohl des Deutschunterrichts als auch der germanistischen Seminare. Und wer da einmal drin ist...&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;... der muss gerettet werden. Denn es gibt nur wenige Methoden, die so zielsicher die Lust an der Lektüre eines Autors zerstören wie dessen Behandlung im Deutschunterricht. Namen, die dort auftauchen, haben auf Lesewillige meist eine ähnliche Wirkung wie Wasser auf die &lt;a href="http://bit.ly/L6UByi"&gt;Hexe des Westens&lt;/a&gt; - sie weichen vor ihnen zurück.&lt;br&gt;
Damit dies bei Christa Wolf nicht auch geschieht, sei diesem also entgegen gewirkt.&lt;br&gt;
&lt;em&gt;Kassandra&lt;/em&gt; bezieht sich selbstverständlich auf den bekannten antiken Mythos und versucht sich an einer Erzählung der Geschehnisse in und um Troja aus der Perspektive der namensgebenden Protagonistin. Es entsteht dabei ein beeindruckendes inneres Gespräch, eine derart intensive Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Heldin, die scharfsinnig ihre Umwelt beobachtet, klar und sachlich analysierend, aber keineswegs emotionslos, immer dann in die Geschicke ihrer Stadt und ihrer Familie einzugreifen versucht, wo sie Irrwege erkennt - und doch scheitert.&lt;br&gt;
Die Kassandra Christa Wolfs ist eine der beeindruckendsten Frauenfiguren, die mir bisher begegneten. Es gelingt ihr hier, eine Frau zu zeichnen, die keineswegs als Spielball göttlicher und irdischer Mächte fungiert, sondern die selbständig handelt, die stark ist (nicht im Sinne von machtvoll, sondern im Sinne einer festen Persönlichkeit), die ihre Stimme erhebt, die sich mit dem, wenn auch nicht selten erfolgreichen, Vernetzen und Manipulieren im Hintergrund nicht zufrieden geben will, die das Recht der Vernunft einfordert, wo die Unvernunft herrscht (die bei Christa Wolf hier klar männlich konnotiert ist).&lt;br&gt;
Der Widerspruch zur tradierten Figur der einsamen, ungehörten Ruferin des antiken Mythos offenbart sich eben erst wirklich und klar durch die Innensicht, die hier entworfen wird. Da ist keine Rede vom Fluch der Götter, der Kassandras Schicksal besiegelt und die Trojaner ins Unglück rennen lässt - keine höheren Mächte sind hier im Spiel, es sind die Menschen selbst, die nicht hören wollen. Kassandra erkennt ganz klar die Religion, die offizielle Ideologie als reines Machtinstrument, als Mittel zum Zweck - und entlarvt Trojas Machthaber als kleingeistige Ränkeschmiede ohne Vertrauen in das eigene Volk, die eigene Tradition, die eigenen Überzeugungen. Gerade diese Aufgabe der eigenen Ideale öffnet Tür und Tor für den Untergang, der dann unvermeidlich wird. Und so wird das einst edle, mit hochfliegenden Zielen und Idealen aufgebaute Troja zum Opfer einer sie bedrohenden, belagernden, kulturlosen Macht.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Eine großartige Interpretation eines alten Stoffes und trotz seines geringen Umfangs, freilig unterstützt durch starke Referenzen, äußerst vielschichtig lesbar - was eine regelmäßige Lektüre übrigens empfehlenswert macht. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Buch je nach eigener Lebens- und Leseerfahrung, jeweils deutlich anders gelesen wird.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Ich möchte schließen mit einer Stelle, die in meinen Augen sehr schön illustriert, wie sinnfrei es ist, Zensur von kleingeistigen Beamten ausüben zu lassen - ein wirklich kunstsinniger Mensch (In Your Face, Werner Fuld) hätte die folgende Passage unmöglich durchgehen lassen können:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Mit einem bißchen Wahrheitswillen, mit einem bißchen Mut sei doch das ganze Mißverständnis aus der Welt zu schaffen, glaubt ich immer noch. Was wahr ist, wahr zu nennen, und was unwahr falsch: das mindeste, so dachte ich, und hätte unsern Kampf weit besser unterstützt als jede Lüge oder Halbwahrheit. [...] Bis ich begriff: In Helena, die wir erfanden, verteidigten wir alles, was wir nicht mehr hatten. Was wir aber, je mehr es schwand, für um so wirklicher erklären mußten. So daß aus Worten, Gesten, Zeremonien und Schweigen ein andres Troia, eine Geisterstadt erstand, in der wir häuslich leben und uns wohlfühln sollten.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 112)&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Vergesst die Geschichtsbücher, &lt;em&gt;Kassandra&lt;/em&gt; ist vielleicht eines der besten Bücher darüber, wie die DDR funktionieren konnte, wie Gesellschaften, wie Machtkonstellationen ganz generell funktionieren und wie im Kampf gegen echte oder imaginierte Feinde Sicherheitsversprechen immer ein Weg sind, Kontrolle auszuüben.&lt;br&gt;
Kurz: Ich war beeindruckt. Da können noch etliche &lt;a href="http://bit.ly/MjpnWr"&gt;Hundertjährige&lt;/a&gt; aus diversen Hausöffnungen verschwinden, eh ich wieder ähnlich begeistert sein werde.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und noch einen letzten Hinweis - die Frage, was die Künstlerin uns wohl damit sagen wolle, hat sie selbst beantwortet, in den zur Erzählung gehörenden &lt;a href="http://bit.ly/Lr8PwC"&gt;Frankfurter Poetikvorlesungen 1982&lt;/a&gt;. Ich empfehle der geneigten Leserschaft jedoch, diese erst danach zu lesen, wenn denn gewüscnht. Die andere Reihenfolge wollen wir den literaturwissenschaftlichen Seminaren überlassen. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und so sei denn auch heute auf die&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/LJniCp"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;verwiesen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/723351/Das-Buch-zum-Sonntag-105"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Putzigerweise begründet er das mit deren mangelnder literarischer Qualität. Was nun aber bekanntermaßen überhaupt kein Kriterium für die Frage nach ewigem Ruhm ist. Schon gar nicht nach Meinung eines Kritikers. Es würde mich hier sogar einmal die Gegenprobe interessieren, nämlich ob das Verdammen durch zeitgenössische Literaturkritiker nicht eher ein Indiz für folgenden Nachruhm ist.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;zitiert aus: Wolf, Christa: Kassandra. Suhrkamp Frankfurt/Main. 1. Aufl. 2008
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/24/buch-sonntag-13928671/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-06-16:/2012/06/16/buch-sonntag-13884898/</id><title>Das Buch zum Sonntag (104)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/16/buch-sonntag-13884898/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-06-16T22:00:00+02:00</published><updated>2012-06-16T22:00:00+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Galsan Tschinag: »Die neun Träume des Dschingis Khan«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Galsan Tschinag ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Er entstammt einer ethnischen Minderheit in der Mongolei, den Tuwa, bei denen er Stammesoberhaupt ist und in deren Dienst er sein Schreiben, wie auch sein sonstiges Handeln, sieht.&lt;br&gt;
So sind denn seine Werke, die er übrigens auf deutsch verfasst (Tschinag studierte seinerzeit Germanistik in Leipzig), geprägt von der nomadischen Kultur der Tuwa, von den Geschichten, die dort erzählt werden. Das ist an sich nicht überraschend, gilt dies doch für alle Schriftsteller, ist hier aber trotzdem der Erwähnung wert, weil es zumindest für mich einen erheblichen Teil der Faszination ausmacht. Das Fremde, das Andersartige, soweit wir in der Lage sind, es als etwas Neues, Bereicherndes aufzufassen, übt einen starken Reiz aus - denn schließlich, wofür lesen wir, wenn nicht, um eine neue Welt zu entdecken?&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;br&gt;
Im heute empfohlenen Buch gibt eine Welt zu entdecken, die aus einer merkwürdigen Mischung aus weitläufiger, weltumspannender, den Einzelnen einhüllender Mystik und kühlet, rationaler und realitätssicherer Pragmatik besteht. Tschinag führt uns zurück in die Zeit Dschingis Khans, der nach einem Unfall schwer verletzt darniederliegt und noch neun Tage zu leben hat. Während dieser neuen Tage erlangt der Leser Einblick in dessen vergangenes Leben, in seine Gedanken- und Gefühlswelt, lernt Weggefährten, Konkurrenten und Feinde kennen.&lt;br&gt;
Beeindruckend finde ich Tschinags Fähigkeit, einen Sog zu erzeugen, der mich nicht losgelassen hat - obwohl nicht viel passiert (was soll schon passieren, Dschingis Khan liegt verletzt in seinem Zelt), konnte ich doch zu keinem Zeitpunkt von dem Buch und seiner Welt lassen. Die Scharf- und Feinsinnigkeit, mit der Tschinag seinen Protagonisten all die kleinen Machtspiele, die natürlich beginnen oder sich verschärfen, während er dort liegt, erkennen lässt, ist beeindruckend und, vor allen Dingen, glaubhaft. Wie sonst sollte jemand wie Temudschin aus so schwierigen Verhältnissen es zu einem Großherrscher schaffen, wenn nicht durch die Fähigkeit, geradezu seismographisch zu spüren, was in seiner Umgebung geschieht?&lt;br&gt;
Und doch steht auch Dschingis Khan in größeren Verhältnissen. So sehr er auch machtpolitisch klug handelt, so sehr er entschieden ist, wo es gilt, zu vernichten, so sehr er auch da taktiert und seine Untergebenen sich gegenseitig ergänzen lässt und so sehr er auch die Glaubenstraditionen zu seinen Zwecken einzusetzen weiß - am Ende seines Lebens muss er sich in neun Träumen doch dem Universum&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt; stellen.&lt;br&gt;
Faszinierend, wie er nach und nach sein ganzes Umfeld im stummen Dialog neu kennenlernt, wie er ihn erkennen lässt, was diese wohl wirklich über ihn dachten, warum sie sich ihm gegenüber so verhielten, wie sie es taten.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Diese neun Träume sind ein langer, weiter und tiefer Weg in das Innere eines Seelenlebens. Eine beeindruckende sprachliche Reise in eine fremde, faszinierende, unerbittliche Welt und einen Dschingis Khan beschreibend, der wohl weit von seinem Mythos entfernt ist, aber vielleicht gerade dadurch ihm näher kommt als es die Geschichtsschreibung je können wird.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Erhältlich ist das Werk in diesen&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/MaIXEH"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/718037/Das-Buch-zum-Sonntag-104"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Womit ich nicht verhehlen möchte, dass wir als Buchhändler und Verleger nicht zuletzt vom Gegenteil leben. Gäbe es nur Leser, die ständig Neues, Überraschendes, Noch-nie-gelesenes haben wollten, wäre unser Job deutlich spannender (aka stressiger), aber kaufmännisch wohl deutlich schwieriger zu betreiben. So wenig ich es verstehe, wie viele Menschen tatsächlich unbedingt immer wieder dieselbe Geschichte lesen wollen (wenn es geht auch noch vom selben Autor, ansonsten doch bitte von jemandem, der wenigstens "so ähnlich" schreibt), so sehr schätze ich sie doch als Kunden. Sie machen mir meine Sortimentsexperimente überhaupt erst möglich. Gäbe es diese treue und zuverlässige Käuferschicht nicht, wir sähen doch ganz schön alt aus. Letztlich sind sie es, die treuen Donna-Leon-Leser, die zuverlässigen Zafon-Käufer, die Lucinda-Riley und die Cecilia-Ahern-Fans, die uns am Leben lassen und ohne die keine 1-A-Mieten bezahlbar wären.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;Das klingt seltsam, aber drunter machen es ganzheitliche Weltanschauungen nun mal nicht.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/16/buch-sonntag-13884898/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-06-09:/2012/06/09/buch-sonntag-13835747/</id><title>Das Buch zum Sonntag (103)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/09/buch-sonntag-13835747/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-06-09T22:00:00+02:00</published><updated>2012-06-09T22:00:00+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Für die morgen beginnende Woche empfehle ich der geneigten Leserschaft zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Yasmina Reza: »Kunst«&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die Frage, was denn nun Kunst sei, wurde bereits im Buch der letzten Woche durchaus debattiert. In Yasmina Rezas Stück »Kunst« steht diese Frage im Zentrum. Neben der Frage, was eine Freundschaft kann, muss und überhaupt eigentlich ausmacht.&lt;br&gt;
Idealerweise sollte man Theaterstücke ja so wahrnehmen, wie sie gedacht sind: Auf der Bühne. Das geht, im Gegensatz zum zweiten hier &lt;a href="http://bit.ly/cbJvSc"&gt;empfohlenen Stück&lt;/a&gt;, bei »Kunst« recht gut, wird es doch immer wieder gespielt. Ich habe es auch tatsächlich durch eine Aufführung kennengelernt, in die mich mein sehr viel kunstsinniger Bruder mitnahm. Wenn ich mich recht entsinne, war ein Wanderensemble, das seinerzeit in der Moritzbastei Leipzig mit diesem Stück auftrat (ich war übrigens sehr viel mehr von der Leistung der Darsteller eingenommen als mein Bruder - aber wie gesagt, er ist der kunstsinnigere)&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Allzu viele Worte möchte ich heute gar nicht verlieren, nur kurz skizzieren, worum es geht.&lt;br&gt;
Wir lernen ein Freundetrio kennen: Serge, Marc und Yvan. Serge hat sich ein Kunstwerk gekauft. Für 200.000 Franc (ja, so alt ist das Stück schon &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt; ). Eine angesagte Galerie, ein angesagter Künstler, ein angemessener Preis.&lt;br&gt;
Das Problem dabei ist - Marc und Yvan erkennen in dem Gemälde rein gar nichts (aus gutem Grund, ich sage nur so viel:&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Für mich ist es nicht weiß. Wenn ich sage, für mich, dann meine ich objektiv. Objektiv gesehen ist es nicht weiß.&lt;/blockquote&gt;
)&lt;br&gt;
&lt;p class="right"&gt;(S. 35)&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;und reagieren nun, wie Freunde, Bekannte, der Umkreis gelegentlich reagieren, wenn sie finden, dass wir eine Dummheit begangen haben. Es entfacht sich eine Debatte, die schon sehr bald von der Frage, ob, das was die drei dort betrachten, ein Kunstwerk im Werte eines sechsstelligen Franc-Betrages sei, entfernt.&lt;br&gt;
Reza lässt hier Stück für Stück die Frustrationen, die aus den jeweiligen Lebensentwürfen nebst ihren Abweichungen von den jeweiligen Lebensläufen resultieren, hervortreten.&lt;br&gt;
Können Menschen befreundet sein, die so unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben und was in diesem wichtig ist, haben?&lt;br&gt;
Kann eine Freundschaft aushalten, dass der eine große Summen aus reinem Vergnügen ausgibt, während den anderen viel elementarere Geldsorgen plagen?&lt;br&gt;
Kann ich akzeptieren, dass meinem Freund Dinge wichtig sind, die mir völlig egal sind?&lt;br&gt;
Und überhaupt, sind eigentlich mein Leben, mein Lebensentwurf, meine Wertvorstellungen eigentlich nur im Vergleich zu anderen etwas wert?&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Die drei haben also einen hübschen Berg abzuarbeiten.&lt;br&gt;
Möglicherweise ist dieses eher frühe Stück nicht ihr elbaoriertestes, nicht ihr schärfstes, nicht ihr bestes Werk - aber ich finde es wirklich großartig, wie sie hier ihre Fähigkeit zeigt, Masken fallen zu lassen, Fassaden niederzureißen, die es uns sonst immer ermöglichen, an der Oberfläche unserer sozialen Interaktion zu bleiben, im Unverbindlichen des täglichen Miteinanders.&lt;br&gt;
Und die Fadenscheinigkeit des Freundschaftsbegriffes auch ganz ohne Herrn Zuckerberg kann man sich nicht oft genug vor Augen führen. Was ist das, ein Freund?&lt;br&gt;
Denkt mal bei der nächsten Aufführung von »Kunst«, die ganz sicher in naher Zukunft auf einer Bühne in eurer Nähe stattfinden wird, mit Frau Reza darüber nach.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Bis dahin kann man sich allerdings auch mit der&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;
&lt;a href="http://bit.ly/JU3kCe"&gt;lieferbaren Ausgabe&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;behelfen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;P.S. Bemerke gerade, dass Frau Reza so alt war wie ich jetzt, als sie dieses Stück schrieb. Mhm.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/714332/Das-Buch-zum-Sonntag-103"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;aus: Reza, Yasmina: »Kunst«. Libelle Verlag. Lengwil am Bodensee. 8. Aufl. 2012&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/09/buch-sonntag-13835747/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-06-06:/2012/06/06/kuscht-13818576/</id><title>Wer kuscht hier?</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/06/kuscht-13818576/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-06-06T22:37:30+02:00</published><updated>2012-06-06T22:52:18+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Ich habe mich am Sonntag sehr geärgert. Und am Montag. Und am Dienstag. Und heute.&lt;br&gt;
Über die FAS.&lt;br&gt;
Nun ist das an sich nichts besonderes, seit ich Zeitungen wahrnehme, ärgere ich mich über die Frankfurter Allgemeine - ausgenommen freilich, wenn ich tapezieren wollte. Da offenbart sie ihre wahren Qualitäten.&lt;br&gt;
Die Redaktion dieses Blattes vertritt eben zu häufig Positionen, die ich nicht teile. In den meisten Fällen nehme ich das auch einfach so hin, schließlich bin ich kein Journalist und verdiene mein Geld nicht mit Hintergrundrecherche, Fakten abwägen und dezidierter Positionsbestimmung. Ich bin nur Buchhändler, der in seiner Freizeit auch mal Zeitung liest.&lt;br&gt;
Womit wir beim Punkt wären. Denn im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Themen, bleibe ich in Sachen der durchaus überschaubaren Buchbranche durchaus am Ball und bemühe mich stets um umfangreiche Kenntnis. Das gehört zu meinem Berufsverständnis. Ich muss wissen, was los ist, um richtig agieren zu können. Die FAS nun titelte am Sonntag mit der hübschen Schlagzeile:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;strong&gt;Buchhandel kuscht vor WWF&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Nachzulesen ist der Artikel &lt;a href="http://bit.ly/MGUOx3"&gt;hier&lt;/a&gt;. Der geneigte Leser erfährt da nun, dass der WWF eine Kanzlei beauftragt hat, gegen Herrn Huismanns "&lt;a href="http://bit.ly/MeEMrU"&gt;Schwarzbuch WWF&lt;/a&gt;" vorzugehen. Zu diesem Behufe wurden nun Buch- und Großhändler angeschrieben, wohl mit einigem Erfolg - obwohl die Gerichtsverhandlung erst am 15. Juni 2012 ansteht, mithin noch gar keine Rechtsgrundlage vorhanden ist.&lt;br&gt;
Wir erfahren aus dem Artikel, dass "einige Buchhändler" das Buch aus dem Programm genommen hätten. Namentlich erwähnt werden ausschließlich Thalia, Amazon und Libri. Das genügt für die Frankfurter Allgemeine, dreist zu behaupten, das Buch sei dadurch "praktisch vom Markt verschwunden." Als ich das las, platzten mir ein paar Äderchen.&lt;br&gt;
Seit wann, liebe Frankfurter Allgemeine, seit wann sind ein Filialist, ein Großhändler und ein Allesverkäufer "der Buchhandel"? Es gab sicher einige Konzentrationsprozesse in den letzten jahren, aber noch immer besteht "der Buchhandel" aus tausenden Betrieben, noch immer kommen selbst die zehn größten Filialisten zusammen auf gerade einmal 38% Marktanteil&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;. Thalia, Amazon und Libri sind im Endkundengeschäft zusammen nicht einmal ein Drittel des Gesamtmarktes. Das wars, das ist alles, was wir über das Verhalten des Buchhandels erfahren. Und wahrscheinlich wohl auch alles, was da recherchiert wurde.&lt;br&gt;
In bester Kampagnanjournalismus-Manier werden dann Politikerzitate eingeholt, die nach dem bewährten Muster "Wenn das so ist, dann ist das aber ganz arg schlimm" funktionieren, ein paar Konjunktive dazu und schon ist der Pranger-Artikel fertig. Das erwarte ich aus dem Hause Springer, meine Damen und Herren in Frankfurt, aber nicht von einem Blatt, das von sich behauptet, hinter ihm stecke immer ein kluger Kopf.&lt;br&gt;
Richtig ist:&lt;br&gt;
Das Buch wurde von den einschlägigen Großhändlern aus dem Programm genommen.&lt;br&gt;
Richtig ist:&lt;br&gt;
Da diese für einen nicht unerheblichen Teil der Branche die Webshops stellen, macht das einen Onlineeinkauf nicht eben einfacher.&lt;br&gt;
Richtig ist:&lt;br&gt;
Mindestens ein marktrelevanter Filialist führ das Buch nicht.&lt;br&gt;
Richtig ist:&lt;br&gt;
Amazon.de führt das Buch nicht.&lt;br&gt;
Falsch ist:&lt;br&gt;
Das Buch ist vom Markt verschwunden. Und schon gar nicht "praktisch".&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Es kann im örtlichen Buchhandel gekauft werden, zum Beispiel bei &lt;a href="http://bit.ly/LbvHhY"&gt;Osiander&lt;/a&gt; oder auch bei Lehmanns (hier ein &lt;a href="http://bit.ly/JXCY7c"&gt;Beweisfoto aus Leipzig&lt;/a&gt;) und ich bin sicher, bei diversen anderen Buchhändlern auch. Wenn es nicht vorrätig sein sollte, wird es eben bestellt, da es die Großhändler nicht haben, eben beim Verlag. Das ist business as usual und betrifft ganz nebenbei den größten Teil der ca. 1,2 Millionen lieferbaren Titel in Deutschland. Ganz ohne kuschen.&lt;br&gt;
Nun kann es ja durchaus sein, dass "der Buchhandel" kuscht. Es kann durchaus sein, dass man in einer Branche, in der 3% Rendite schon Spitzenergebnisse sind, dünnhäutig ist, wenn ein Kanzleischreiben kommt. Das kann schon sein. Aber wenn man so souverän behauptet, dann sollte man das auch belegen können. ich bin jedenfalls stinksauer. Bei uns in der Buchhandlung steht ein Buch, das bis heute nahezu niemanden interessiert hat, das wir aber trotzdem eingekauft haben, für das wir bezahlt haben und das da steht und Lagerkosten frisst. Und da kommt so ein Schnösel von Sonntagsjournalist und haut mich und meine Kollegen mit einem Parfumhändler, der sich einen Buchladen leistet und einem Allesverkäufer, der so tut als sei er Buchhändler, in einen Topf und behauptet, wir würden kuschen.&lt;br&gt;
Da steht allen Ernstes "Somit bleibt das Buch vorerst erlaubt und ist dennoch praktisch vom Markt verschwunden. Über den Verlag kann es noch bezogen werden." Ja, ich weiß, da haben wir das Ding ja her. Und überhaupt: Hallo? Das Buch steht hier im Regal! Und wer will, dem schicke ich es auch zu. Oder sowas wie: "Das Buch war am 20.&lt;br&gt;
April erschienen und zunächst auch erhältlich. Gut eine Woche später bekamen die Buchhändler&lt;br&gt;
Post von der Anwaltskanzlei und stoppten den Verkauf." Hä? Es gab überhaupt keinen Verkauf, der zu stoppen wäre - das Buch steht hier im Regaa-al und wer will, dem schicke ich es auch zu-u. Aber es will ja keiner. Und dieser Aspekt macht die Sache interessant.&lt;br&gt;
Da es ja nach FAS-Kriterien offenbar genügt, ein paar Behauptungen aufzustellen, für deren Recherche nicht mehr als ein paar Minuten online und am Telefon nötig sind, um leistungsschutzrelevanten Qualitätsjournalismus abzuliefern, stelle ich jetzt mal ein paar Dinge, die der Artikel verrät, in einen Zusammenhang:&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Erstaunlich oft wird dort der Verlag zitiert. So etwas ist immer auffällig. Egal wo, immer wenn eine Partei besonders ausführlich zu Wort kommt, hat man ein Indiz, woher der Anstoß zum jeweiligen Artikel kommt.&lt;br&gt;
Dann schauen wir doch mal, um wen es sich da handelt.&lt;br&gt;
Das Gütersloher Verlagshaus, immerhin verlegerische Heimat von Dietrich Bonhoeffer und diversen für die evangelische Glaubenspraxis nicht unerheblichen Titeln, gehört zu Random House (The Publisher formerly known as Bertelsmann). Spätestens mit den Bestsellern "&lt;a href="http://bit.ly/JXGDll"&gt;Irre&lt;/a&gt;" von Manfred Lütz und "&lt;a href="http://bit.ly/L3A26u"&gt;Warum unsere Kinder Tyrannen werden&lt;/a&gt;" von Michael Winterhoff wurde dem aufmerksamen Marktbeobachter aber klar, dass man die konzernintern das GVH neu ausrichten will und weniger auf erbauliche Literatur als vielmehr auf provokante Besteller setzt. In diese Strategie passt nun ein "Schwarzbuch WWF" ganz hervorragend. Da ist es natürlich blöde, wenn das Buch dann keine Sau interessiert. Der Titel ist seit Ende April auf dem Markt und bisher noch nirgendwo nennenswert in Erscheinung getreten. Für ein provokantes Aufregerbuch eine eher unbotmäßige Performance.&lt;br&gt;
Und genau da erscheint nun ein tendenziöser Artikel in der FAS, in dem suggeriert wird, der WWF und der deutsche Buchhandel würden verhindern, dass das Buch seinen Weg mache, weshalb der Verlag eben bisher nur die Hälfte der Startauflage habe verkaufen können (Interessant übrigens: An wen denn eigentlich? Doch nicht etwa an Buchhändler? Unmöglich, die kuschen ja, die können unmöglich 5000 Exemplare eingekauft haben...). Es wäre also wie immer: Das linke 68er-Gesocks (aus dem ja bekanntermaßen der Buchhandel besteht) verhindert, dass mal ans Licht kommt, wie die Welt wirklich ist. Weltverschwörung. Kann gar nicht anders sein. Wo doch eigentlich das nach Wahrheit und Licht darbende Volk danach dürstet zu erfahren, wie wenig nachhaltig die vom WWF unterstützten Projekte sind.&lt;br&gt;
Schöne Win-win-Situation, auf den Buchhandel kann man immer gut einschlagen, da sind ja nur diese Schlafmützen, die den Schuss nicht gehört haben und dann kuschen die auch noch vor so einer popligen Anwaltskanzlei. Schöne Geschichte, braucht nicht viel Recherche, muss ichnicht mal aus dem Sessel aufstehen und schauen, wo hier eigentlich die nächste Buchhandlung ist, schau ich mal bei amazon, rufe bei Thalia und Libri an, fertig ist der Lack und wir haben hausintern endlich wieder gleich gezogen, nach dem Super-Gag des &lt;a href="http://bit.ly/Kd0kHe"&gt;Kollegen Weidermann&lt;/a&gt; letzte Woche.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Aber das ist natürlich völlig ausgeschlossen. So eine hanebüchene Vorgehensweise, die ja darauf hinausliefe, dass man willfähriger Publicity-Gehilfe eines Medienkonzerns wäre, ist bei einem leistungsschutzrelevanten Qualitätsjournalisten per se unmöglich. Und dass ich gerade heute eine Mail von Random House erhielt, in der vom großen Medienecho (wie gesagt, in den fast 6 Wochen seit Erscheinen: Nada. Trotz Random House im Rücken.) auf den Titel "Schwarzbuch WWF" die Rede ist, das ist reiner Zufall.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Oder ganz kurz:&lt;br&gt;
Amazon kuscht. Thalia kuscht. Nicht der Buchhandel.&lt;br&gt;
Aber das Kind ist wohl in den Brunnen gefallen, egal, wie viele &lt;a href="http://bit.ly/JMSH4b"&gt;Plakate&lt;/a&gt; da noch aufgehängt werden. Denn für diese kostenfreie Plakatierungsaktion mit dem Cover seines Buches prominent platziert, hat Herr Huismann, der geschätzte Autor, nichts besseres zu tun, als in einem &lt;a href="http://bit.ly/KSsQM7"&gt;Interview&lt;/a&gt; sich enttäuscht vom Buchhandel zu zeigen (das könnte ich verstehen, das Autoren nahezu immer, genauso wie von ihren Verlegern) und um das geistige Klima der Branche zu fürchten. Das ist eine feine Idee: Ich beleidige die Leute, die mein Buch verkaufen sollen und zeige mich dann enttäuscht, dass sie sich nicht dafür engagieren. Aber hey, für solche Leute setzt man sich doch gerne ein.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/713068/Wer-kuscht-hier"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;P.S. Eigentlich erstaunlich, dass man ausgerechnet den Kulturpessimisten von der Frankfurter Allgemeinen erklären muss, dass der Buchhandel nicht Thalia und Amazon sind.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;laut Buch und Buchhandel in Zahlen 2011. MVB GmbH Frankfurt/M. 2011
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/06/kuscht-13818576/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry><entry><id>tag:gachmuretsnotiz.blog.de,2012-06-02:/2012/06/02/buch-sonntag-13793201/</id><title>Das Buch zum Sonntag (102)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/02/buch-sonntag-13793201/"/><author><name>Gachmuret</name></author><published>2012-06-02T23:37:35+02:00</published><updated>2012-06-03T00:26:12+02:00</updated><content type="html">	&lt;p&gt;Es ist Juni. Ein wunderbarer Zeitpunkt für einen Neubeginn. Und passend zur Konstruktion dieses Blogs erfolgt dieser mit einer Buchempfehlung, auf dass ihr, geneigte Lesende dieser Publikation, nicht weiter irrlichternd und suchend durch das weite Meer der Literatur segeln müsst, einen sicheren Kompass, ach was sage ich, einen richtungweisenden Fixpunkt am Firmament, einen Leitstern verzweifelt suchend. Oder so.&lt;a href="#stern1"&gt;*&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Der Autor des heute empfohlenen Buches war hier gelegentlich bereits Thema (so zum Beispiel in &lt;a href="http://bit.ly/oRXRxB"&gt;Nummer 94&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://bit.ly/9pKm0z"&gt;Nummer 40&lt;/a&gt; dieser Reihe), ich vermag also eine gewisse Affinität zu seinem Schaffen nicht verleugnen. Allerdings ist diese auch vollkommen begründet, womit es mir völlig gerechtfertigt erscheint, den neuerlichen Neustart dieses Blogs mit ihm zu eröffnen, insbesondere, da erst vor kurzem ein neues Werk von ihm veröffentlicht wurde und so&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;empfehle ich der geneigten Leserschaft für die morgen beginnende Woche zur Lektüre:&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;Frank Fischer: Weltmüller&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Vexierspiegel. Wenn ich eine Assoziation zu diesem Buch finden sollte, dann wäre es wohl diese.&lt;br&gt;
Drei Reportagen eines preisentkrönten Journalisten namens Frank Fischer, von Begebenheiten handelnd, die in ihrer Absurdität gleichwohl möglich wirken. Ein Buch, das mit allem spielt, mit Wirklichkeitsebenen, mit Reflexionen, mit Wahrnehmungen, mit Erwartungshaltungen. Und wie, zumindest geht es mir so, beim Vexierspiegel der Eindruck entsteht, man müsse nur den richtigen Winkel finden, dann zeige sich die Wirklichkeit in ihrer unverzerrten Form, so drängt sich beim &lt;em&gt;Weltmüller&lt;/em&gt; der Gedanke auf, man müsse ihn nur oft genug und mit der richtigen Fragestellung lesen und schon offenbare sich, was die Welt im Innersten zusammen hält. Oder zumindest doch, was eigentlich Kunst ist und welche Rolle sie in der besten der möglichen Welten spielt.&lt;br&gt;
Es sind verschiedenste Lesarten dieses Bravourstücks möglich.&lt;br&gt;
Man kann es als leichte Fingerübung eines talentierten Autors lesen, als intellektuelle Spielerei eines Passionsfeuilletonisten, gut geeignet, der distinguierten Zahnärztin als Geburtstagspräsent zu überreichen - bei all den Namen, die dort auftauchen, wird sie es kaum wagen, das Buch schlecht zu finden.&lt;a href="#stern3"&gt;***&lt;/a&gt; Kann man machen.&lt;br&gt;
Man kann es aber auch lesen als Satire auf "den Betrieb". Auf den Theater- und sonstigen Kunstbetrieb, auf dieses um sich selbst drehende Universum, das stets darauf bedacht zu sein scheint, sich durch Deutungs- und Bedeutungshöhen abzugrenzen vom schnöden Plebs und dabei doch genau diesen, zumindest in seinem bildungsbürgerlichen Gewand, braucht, um die eigene Größe zu demonstrieren. Kann man machen.&lt;br&gt;
Man kann es aber auch lesen als ein Schelmenstück, in dem ein Hamlet mit Tierpflegern und ein Godot mit einer sechsten Rolle oder 192 Tafeln auf dem Leipziger Augustusplatz eine Variation auf Kerkelings "&lt;a href="http://bit.ly/KU92qf"&gt;Hurz&lt;/a&gt;" sind, geeignet, das Publikum in seiner Erwartungshaltung vorzuführen, in seiner Sucht danach, sich selbst intellektuell nicht im Abseits zu sehen, alles, was das Etikett "Kunst" trägt auch interpretieren und verstehen zu wollen - und vor allem auch zu können. Kann man machen.&lt;br&gt;
Und das schöne wäre: Man hätte bei allen diesen Lesarten sein Vergnügen, je nachdem, wo man sich als Lesender selbst verortet.&lt;br&gt;
Es gäbe noch zahlreiche weitere denkbare Lesarten, was für mich einen der größten Reize dieses Buches ausmacht. Die Lesart, die ich jedoch empfehle, wäre die, sich einfach darauf einzulassen. Was vor allen Dingen bedeutet, Fragen zuzulassen. Wer ist dieser Reporter eigentlich - und wieso zum Henker wird ihm ein Journalistenpreis aberkannt, noch dazu für eine Reportage über ein in höchstem Grade öffentliches Ereignis (die versprochene Berichterstattung, zu dessen Gegenstand er nun geworden sein soll, sucht man, zumindest im Buch, vergebens)?&lt;br&gt;
Was ist von Menschen zu halten, der unbescholtene Bewohner entferntester Länder behelligen, nur um das Rätsel einer Inschrift einer Kunstinstallation zu lösen, die sich zudem sowieso im Momente der Erkenntnis wieder verändert? &lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Und schließlich, die größte aller Fragen, wieso muss ich so viele Worte zu einem Buch verlieren, in dem ein Satz wie&lt;/p&gt;
	&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Es ist ja von sich aus interessant, wenn irgendwo irgendwas von irgendwem geschrieben steht.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
	&lt;p class="right"&gt;(S. 58)&lt;a href="#stern2"&gt;**&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;zu lesen ist?&lt;br&gt;
Eben.&lt;br&gt;
&lt;em&gt;Weltmüller&lt;/em&gt; ist für mich eines der faszinierendsten Leseerlebnisse der letzten Zeit - hochreferentiell, intertextuell geradezu ein Thanksgivingtruthahn - und doch auch ohne all dies ein exzellent funktionierender Text. Es gibt nur wenige Werke der Literatur, über die sich ähnliches sagen ließe. Ich bin mir sicher, noch eine ganze Weile daran zu sitzen und noch ganz andere Fragen als die oben erwähnten zu klären.&lt;br&gt;
Damit mir das aber gelingt, müsst ihr jetzt alle mal eine der&lt;/p&gt;
	&lt;p class="center"&gt;&lt;a href="http://bit.ly/LTMx2Y"&gt;lieferbaren Ausgaben&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p class="right"&gt;kaufen und - vor allem - lesen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;Denn ich muss dringend mal mit jemandem darüber sprechen.&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a href="http://flattr.com/thing/709690/Das-Buch-zum-Sonntag-102"&gt;&lt;br&gt;
&lt;img src="http://api.flattr.com/button/flattr-badge-large.png" alt="Flattr this" title="Flattr this" border="0"&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
	&lt;p&gt;&lt;a&gt;*&lt;/a&gt;Das mit der Bescheidenheit übe ich noch.&lt;br&gt;
&lt;a&gt;**&lt;/a&gt;aus: Fischer, Frank: Weltmüller. SuKuLTuR. Berlin 2012&lt;br&gt;
&lt;a&gt;***&lt;/a&gt;Genau zu diesem Behufe übrigens habe ich das Buch heute verkauft. &lt;img src="/img/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="middle" border="0"&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;small&gt; &lt;a href="http://gachmuretsnotiz.blog.de/2012/06/02/buch-sonntag-13793201/#comments"&gt;Kommentare&lt;/a&gt; &lt;/small&gt; &lt;/p&gt; </content></entry></feed>
